0
Gefahrgut-Alarm an der Oldentruper Straße. Die Feuerwehr rückte mit zahlreichen Fahrzeugen an zur Firma Ebäcko, ein Fachgroßhandel für Bäckereien und Konditoreien. - © Jens Reichenbach
Gefahrgut-Alarm an der Oldentruper Straße. Die Feuerwehr rückte mit zahlreichen Fahrzeugen an zur Firma Ebäcko, ein Fachgroßhandel für Bäckereien und Konditoreien. | © Jens Reichenbach

Bielefeld Gefährliche Säure löst Gefahrguteinsatz in Bielefeld aus

100 Feuerwehrleute sind im Einsatz, um die 40 Liter ätzende Säure zu binden

Jens Reichenbach
12.06.2019 | Stand 12.06.2019, 22:49 Uhr

Bielefeld. Die Feuerwehr wurde am Mittwochmorgen zu einem Gefahrguteinsatz an die Oldentruper Straße gerufen. Einsatzort ist noch bis zum Abend die Firma Ebäcko, ein Fachgroßhandel für Bäckereien und Konditoreien.  Weil dort in einem Lastwagen ein hochgiftiges Gemisch aus Flusssäure, Salzsäure und Phosphorsäure ausgelaufen ist, ist die Feuerwehr noch bis zum Abend mit der Bindung des Gefahrstoffes beschäftigt. Gegen 10 Uhr eilte die Bielefelder Feuerwehr mit seinem ABC-Zug und etwa einem Dutzend Fahrzeugen zum Einsatzort. Nach Angaben der Polizei hatte ein Speditionsfahrer (48) aus Lippe beim Entladen seines Lastwagens ein Zischen gehört. Weil er Sorge hatte, dass dort eines seiner Gefahrgutgebinde leck geschlagen ist, rief die Firma Polizei und Feuerwehr. Der Lagerbereich wurde daraufhin sofort evakuiert. Gefahrstoff ist Gemisch mit Flusssäure Tatsächlich waren aus zwei beschädigten Spezialkanistern etwa 40 Liter der giftigen und ätzenden Flüssigkeit ausgelaufen. Ein Teil des Gemischs war nach Angaben von Feuerwehrsprecher Gordon Majewski bereits von der Ladefläche auf den Boden gelaufen. Der Fahrer klagte anschließend über ein Brennen im Gesicht, deshalb hat ihm der Rettungsdienst zunächst das Gesicht gespült. Als sich dann bestätigte, dass es sich bei dem Gefahrstoff tatsächlich auch um Fluorwasserstoffsäure (auch Flusssäure genannt) handelt, wurde noch ein Notarzt hinzugezogen. Keine Gefahr außerhalb des Betriebsgeländes Denn diese Säure sei zwar hochgiftig, trotzdem zeige sie zunächst keinerlei schmerzende Wirkung, dennoch könne sie lebensgefährliche Auswirkungen haben, hieß es von der Polizei. Der leicht verletzte Fahrer kam deshalb zur Beobachtung ins Krankenhaus.Laut Majewski wurde nach der Evakuierung die Kanalisation abgedichtet und der "Schadstoffaustritt" gestoppt. "Außerhalb des Betriebsgeländes bestand keinerlei Gefahr", betont Majewski. Auch für Betriebsangehörige gesperrt Die Mitarbeiter der Firma, die umgehend das Betriebsgelände verlassen mussten, warteten zunächst  vor den Toren der Firma.  Später wurden die Lagerarbeiter nach Hause geschickt, da die Feuerwehr schnell sagen konnte, dass der Einsatz mehrere Stunden andauern würde. Um 14.30 Uhr meldete die Feuerwehr: "Es wird noch etwa fünf Stunden dauern." Betriebsangehörige dürfen den Gefahrenbereich rund um dem betroffenen Lastwagen seitdem nicht mehr betreten. Spezialisten für Gefahrgut bei der Feuerwehr kümmerten sich seitdem auf dem rückwärtigen Lager-Gelände um die genaue Identifizierung und Entfernung der Chemikalie. Dafür wurden zunächst ABC-Erkunder und Messeinheiten eingesetzt. Anschließend näherten sich Mitglieder des ABC-Zugs mit Chemikalien-Schutzanzügen den Kanistern. Säure war für anderen Kunden bestimmt Die ätzende Flüssigkeit mit Kalkbinder zu binden und zu sichern, ist sehr arbeitsintensiv. Nach Angaben von Gordon Majewski können die Einsatzkräfte in den Schutzanzügen jeweils nur 20 Minuten lang arbeiten. Anschließend muss die Schutzkleidung aufwändig dekontaminiert werden. Deshalb sei der Einsatz "sehr personal-, material- und zeitintensiv".  Um 15.30 Uhr war die Summe der Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr und von fast allen Freiwilligen Feuerwehren, die den ABC-Zug speisen, auf 100 angestiegen. Das Säuregemisch gehört übrigens weder zur Firma Ebäcko, noch sollte sie hier angeliefert werden. Die Firma ist also nur zufällig von dem Gefahrgutunfall betroffen, der vermutlich auf dem Transportweg seinen Ursprung gefunden hatte. Dass in einem Stückgut-Lastwagen, der Lebensmitelbetriebe anfährt, auch Gefahrstoffe transportiert werden, ist nach Angaben der Feuerwehr durchaus erlaubt. Empfänger sollte die Chemiefirma Stockmeier sein, die die Feuerwehr mit Fachwissen für die Aufnahme und Entsorgung der Flüssigkeit tatkräftig unterstützt. Der Einsatz dauerte bis 19.30 Uhr. Zuletzt war die Feuerwehr am 22. Mai zu einem Gefahrguteinsatz bei der Firma Alcina an der Stadtheider Straße.

realisiert durch evolver group