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Der Ehlentruper Weg soll als Alternative zur autogerechten Detmolder Straße als Fahrradstraße verbessert werden. - © Wolfgang Rudolf
Der Ehlentruper Weg soll als Alternative zur autogerechten Detmolder Straße als Fahrradstraße verbessert werden. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Knatsch um Bielefelder Radwege - CDU und FDP befürchten "Revolution" und steigen aus

Überbreite Radstreifen und Rückbau von Hauptstraßen - Stadt bittet zum Zukunftsdialog und stößt mit Konzeptplänen auf heftige Kritik

Joachim Uthmann
11.06.2019 | Stand 11.06.2019, 19:12 Uhr

Bielefeld. Die angestrebte Verkehrswende spaltet schon seit Längerem die Stadt. Jetzt gibt es neuen Knatsch: CDU und FDP verkündeten, aus der Steuerungsgruppe für ein Radverkehrskonzept auszusteigen. CDU-Fraktionschef Ralf Nettelstroth befürchtet "eine Verkehrsrevolution in Bielefeld: Da wollen wir nicht Feigenblatt sein." Schon die Mobilitätsstrategie, mit der Bielefeld den Autoanteil bis 2030 auf 25 Prozent halbieren will, sorgte für viel Kritik. Jetzt arbeiten Gruppen aus Politikern, Verwaltung und Verbänden an Konzepten, wie die Wende umgesetzt werden kann. Beim Radverkehr will das Rathaus über Mindeststandards teils deutlich hinausgehen. "Pläne völlig überdimensioniert" Ein Beispiel sind die Breiten von Radwegen und -streifen. Gibt man für sie aber mehr Platz aus, müsste der dem Autoverkehr genommen werden. Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) hatte als Beispiel die Artur-Ladebeck-Straße genannt, die ein "Boulevard" werden könnte - mit großzügigen Radwegen, aber nur je einer Fahrspur pro Richtung. Solche Vorgaben befürchten CDU und FDP jetzt auch auf anderen Strecken wie Herforder oder Detmolder Straße. "Damit wären Erreichbarkeit, Leitungsfähigkeit und Bewältigung der großen Pendlerströme nicht mehr gewährleistet", empört sich Nettelstroth: "Auch Busse und Lieferfahrzeuge stehen dann im Stau." Entsprechend kritisch sähen auch Handelsverband und IHK die Pläne der Stadt. Radstreifen auch auf Detmolder Straße? "Die Radverkehrspläne sind völlig überdimensioniert", sagt Nettelstroth: "Wir wollen aber intelligente und vernetzte Lösungen, um dem Nachholbedarf, den es beim Radverkehr ja gibt, zu begegnen." Es sei sinnvoller, parallele Alternativrouten wie den Ehlentruper Weg oder die Schloßhofstraße fahrradgerechter auszubauen als Detmolder und Stapenhorststraße noch mehr einzuengen für Autos. Statt erst ein Gesamtverkehrskonzept vorzulegen, nutze die Stadt mit der Paprika-Mehrheit die Förderung des Fahrrads dazu, "den Individualverkehr lahmzulegen", ergänzt Jan Maik Schlifter (FDP): Wir brauchen aber leistungsfähige Straßen für Autos und Busse und dazu parallel Hauptstrecken für Radfahrer." "Tunnelblick auf den Radverkehr" Dafür, dass die Radwege in Bielefeld teils in so schlechtem Zustand sind, seien die Grünen, die das Fahrrad ja hoch hielten, als Mehrheitspartei mitverantwortlich, so Schlifter: Jetzt sollen in der Steuerungsgruppe schon Fakten geschaffen, werden, die der Stadtentwicklungsausschuss nur noch abnickt: "So lassen wir uns nicht vereinnahmen." Simon Lange, der für die CDU in der Steuerungsgruppe sitzt, berichtet nach neun Sitzungen: "Sie blickt nur mit Tunnelblick auf den Radverkehr. Andere Verkehrsarten werden nicht berücksichtigt, Vorschläge von uns, Handel und Wirtschaft abgetan." CDU und FDP sehen mehr Sinn darin, künftig zu Einzelthemen Vorschläge zu machen statt in der Steuerungsgruppe. Höhere Standards auf Hauptstraßen Die Verkehrsverwaltung arbeitet unterdessen, begleitet von Gutachtern, am Mobilitäts- und Radverkehrskonzept weiter. Der Oberbürgermeister und der Verkehrsdezernent Gregor Moss (CDU) kündigten für Mittwoch eine Pressekonferenz zum Thema an. Ziel ist es, die Bielefelder Straßen bei Radwegen in verschiedene Kategorien einzuteilen. Dabei soll ein Hauptroutennetz ausgebaut und ergänzt werden - mit höheren Standards, um es für Radfahrer attraktiver zu machen. Weil dafür aber teils Auto-Fahrspuren zurückgebaut werden müssen, sind die Ideen brisant. Doch Clausen und Moss wollen sie auch weiter mit den Bürgern und Interessenvertretern diskutieren. Bürger sollen mitdiskutieren Deshalb laden sie Mittwochabend um 18 Uhr im neuen Rathaus zu einem "Zukunftsdialog Rad" ein. Dort stellen sie mit dem Verkehrsplanungsbüro Kaulen zentrale Ergebnisse vor und geben dann Bürgern Gelegenheit, sich dazu zu äußern und Wünsche zu nennen. Mit dem Rückzug von CDU und FDP aus der Steuerungsgruppe dürfte noch mehr Zündstoff in der Debatte sein.

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