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Bielefeld Zirkus Krone kommt nach Bielefeld - und die Stadt bekommt einen Dankesbrief

2016 hatte der Rat der Stadt beschlossen, Zirkussen mit Wildtieren städtische Flächen zu verwehren

Alexandra Buck
09.06.2019 | Stand 09.06.2019, 17:38 Uhr

Bielefeld. Der Zirkus Krone gastiert Ende Juni in Bielefeld. Anlass für das Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Zirkus", dem Oberbürgermeister einen Dankesbrief zu schreiben. "Wir bedanken uns ausdrücklich dafür, dass Sie es dem Zircus Krone ermöglicht haben, seine Zelte in Bielefeld aufzubauen. Den Bürgern Ihrer Stadt haben Sie dadurch die Gelegenheit gegeben, in den nächsten Wochen einen der vorbildlichsten Tierzirkusse Europas zu erleben", heißt es in dem offenen Brief. "Fanatische Tierrechtler" "Da wir wissen, dass fanatische Tierrechtler das bevorstehende Gastspiel nutzen werden, um den Zirkus Krone mit haltlosen Vorwürfen zu überziehen und dessen Tierhaltung in einem falschen Licht erscheinen zu lassen, möchten wir uns als Aktionsbündnis 'Tiere gehören zum Circus' mit diesem Brief an Sie wenden." Nach eigenen Angaben handelt es sich bei dem Bündnis um eine Gruppe "biologisch interessierter Circusliebhaber", die "mit viel Herzblut und selbstverständlich ohne finanzielle Unterstützung durch die Zirkusunternehmen versuchen, einen Beitrag zur Erhaltung des klassischen Zirkus mit Tieren zu leisten." "Ideologische Forderungen der Tierrechtler haben für Tiere keine Bedeutung" Weiterhin erklärt das Bündnis den Zirkus Krone zum tierfreundlichen Zirkus. Krone übertreffe bei der Haltung seiner Tiere die gesetzlichen Vorgaben, heißt es. Die Rede ist von großzügigen Freigehegen und Beschäftigungsmöglichkeiten, geräumige Boxen. Zirkusgegner würden sich laut des Bündnisses "vermehrt auf das Gedankengut der Tierrechtsideologie" beziehen. "Die Zirkustiere seien 'eingesperrt', 'versklavt' und würden 'ausgebeutet'. Solche Theorien beruhen auf einer Vermenschlichung der Tiere und gehen an der tierischen Empfindungswelt völlig vorbei. Tiere streben nach Wohlbefinden, und dieses stellt sich dann ein, wenn sie ihre Bedürfnisse befriedigen können. Die ideologischen Forderungen der Tierrechtler haben für Tiere keine Bedeutung." Tierrechtler stellen dem entgegen, dass Tiere nicht in Zirkusse gehören. Das Leben in Boxen, die Transporte führten immer wieder zu Verhaltensauffälligkeiten - was am Ende auch für den Menschen gefährlich werden könne. "Insgesamt kam es zwischen 2009 und 2017 zu mindestens 46 Ausbrüchen von Bären, Elefanten, Flusspferden, Großkatzen, Nashörnern und Primaten aus Zirkusbetrieben in Deutschland. Dabei wurden in den vergangenen Jahren mehrere Menschen getötet und verletzt", heißt es bei der Tierrechtsorganisation PETA. EU-weit sei Deutschland das Land mit den mit Abstand meisten Zwischenfällen mit Tieren aus Zirkussen. Stand der Dinge in Sachen Wildtierverbot in Bielefeld Der Rat der Stadt Bielefeld hatte im November 2016 beschlossen, künftig Zirkussen mit Wildtiernummern städtische Flächen zu verwehren. Der Beschluss wurde allerdings Ende 2017 vom Verwaltungsgericht Minden für unzulässig erklärt. Der Zirkus "Charles Knie" hatte gegen das sogenannte Wildtierverbot der Stadt geklagt und Recht bekommen. So musste die Stadt ihre Fläche an der Radrennbahn dem Wildtierzirkus zur Verfügung stellen. Die Stadt hätte demnach kaum eine Chance gehabt, dem Zirkus Krone den Bielefeld-Besuch zu verwehren. Denn nach dem Urteil würde wohl jeder Zirkus mit einer Klage Recht bekommen.

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