Kritik aus Bielefeld: „Derzeit versorgt in Deutschland eine Pflegekraft zehn Patienten". (Symbolbild) - © picture alliance / JOKER
Kritik aus Bielefeld: „Derzeit versorgt in Deutschland eine Pflegekraft zehn Patienten". (Symbolbild) | © picture alliance / JOKER

Bielefeld Bielefelder Bündnis fordert mehr Pflegekräfte in Krankenhäusern

Hohe Arbeitsbelastung gehe auch zu Lasten der Patienten

Sebastian Kaiser
04.06.2019 | Stand 04.06.2019, 10:48 Uhr

Bielefeld. Patienten klagen über gestresste Pflegekräfte, Krankenschwestern und Pfleger über zunehmende Belastung, Hospitäler über kaum zu finanzierende Personalkosten. Monika Scheffler vertritt im Gesundheitsladen Patienteninteressen und benennt den Missstand: „Derzeit versorgt in Deutschland eine Pflegekraft zehn Patienten. In Holland kümmert sich eine Pflegekraft nur um fünf Patienten. Damit belegt Deutschland zusammen mit Polen im europäischen Vergleich den letzten Platz." Das „Bielefelder Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus", zu dem sich die Gewerkschaft Verdi, die Linke, der Gesundheitsladen und das Netzwerk CareRevolution zusammengeschlossen haben, glaubt, die Ursache zu kennen: Seit über zehn Jahren gilt in Deutschland ein Abrechnungssystem, das sich an sogenannten Fallpauschalen orientiert. Wirtschaftlichkeit stehe dabei im Vordergrund. Die Folge: Personalnot. Wieder an Bedürfnissen der Patienten orientieren „Die Zahl der Pflegekräfte in Krankenhäusern muss sich wieder an den Bedürfnissen der Patienten orientieren", sagt Sebastian Hesse vom Bündnis. Auch in Bielefeld würden die Krankenhäuser durch die Fallpauschalen zur Konkurrenz gezwungen. „Das geht zu Lasten von Patienten und Pflegekräften", so Hesse. Personalabbau habe zu einer Dauerbelastung der Pflegekräfte geführt. „Die derzeitigen Reglen, nach denen die Personalstärke bemessen wird, gehen vom untersten aus und nicht vom tatsächlichen Bedarf. Wir brauchen wissenschaftliche Begründungen dafür, was wirklich erforderlich ist", sagt Sebastian Reeck von Verdi. Die Gesundheit von Patienten, aber auch die von Pflegekräften sei gefährdet. Viele Krankenhausmitarbeiter würden das nicht aushalten, würden selbst krank oder kündigten. Nachwuchs sei oft nur schwer zu finden. Bezahlung steht nicht im Vordergrund Zwar will das Bundesgesundheitsministerium die Pflegekosten aus den Fallpauschalen herauslösen und mehr Geld für die Versorgung am Bett bereitstellen, doch das Bündnis ist davon nicht überzeugt. Reeck: „Noch ist nicht klar, wie sich die Budgets gestalten und ob es nicht zu Fallpauschalen im Pflegebereich kommt." „Wir glauben nicht, dass die Politik allein uns helfen kann. Es geht um die Entlastung des Personals und darum, mehr Zeit für die Patienten zu gewinnen", betont Sebastian Hesse. Die Bezahlung stehe für die meisten Pflegekräfte nicht an erster Stelle. Aber: „Solange die Pflege nicht aufsteht, werden wir keinen Flächentarifvertrag bekommen, der besser ist, als das, was wir derzeit haben." Demonstration auf dem Jahnplatz Daher wollen Pflegekräfte am kommenden Mittwoch, 5. Juni, während des Treffens der Gesundheitsminister der Länder in Leipzig demonstrieren. Auch das Bielefelder Bündnis geht auf die Straße: Ab 17 Uhr wollen die Mitglieder auf dem Jahnplatz die Abschaffung der Fallpauschalen und mehr Personal auch in den Bielefelder Krankenhäusern fordern. Mehr zum Thema: "Pflege gut bezahlt": Leserin zerlegt Äußerungen des Bielefelder Arbeitsamts-Chefs Bielefelder Arbeitsamts-Chef: "In der Pflege wird nicht schlecht bezahlt"

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