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Viele fragen sich, was kommt, wenn sie in Rente gehen. - © Foto: Pixabay
Viele fragen sich, was kommt, wenn sie in Rente gehen. | © Foto: Pixabay

Bielefeld Rente - und nun? Diese Bielefelder helfen anderen

Menschen der Generation 50 plus bringen sich nach ihrem Berufsleben mit Hilfe des Vereins Efi in der Stadt ein. Hans-Dieter Albers und Michael Reckers sind seit 2015 dabei. Und das voller Elan.

Ariane Mönikes
03.06.2019 | Stand 02.06.2019, 16:07 Uhr

Bielefeld. Wer in Rente geht, freut sich über eine Menge Freizeit - zunächst, denn es kann auch ganz schön langweilig Zuhause werden. Viele Rentner wünschen sich eine neue Aufgabe. Aber was ist die richtige? Und wo werden sie überhaupt gebraucht? Hans-Dieter Albers (68) und Michael Reckers (69) sind nicht mehr im Job, wollen aber weiterhin aktiv sein. Über den Verein Efi (Erfahrungswissen für Initiativen) wurden sie zu sogenannten Senior-Trainern für Projekte ausgebildet. Ruheständler bekommen dort Unterstützung, wie sie sich einbringen können, und das in drei Blöcken. Albers und Reckers haben über Efi ihr Ding gefunden. Als Pate im Einsatz "Dass ich mich im Ruhestand ehrenamtlich engagiere, war immer klar", sagt Albers. Aber nicht, wie. In seinem Berufsleben hat er in der Diakonischen Stiftung Ummeln psychisch und und geistig Behinderte betreut. Danach war er zwei Jahre auf dem Schulbauernhof in Ummeln aktiv. "Das ging aber körperlich nicht mehr", sagt Albers. 2015 ging er in den Ruhestand. Über eine Freundin wurde er auf den Verein Efi aufmerksam. Heute engagiert er sich in der Diakonie für Bielefeld als Freizeitpate. "Einmal in der Woche betreue ich ältere Menschen, die zum Freizeittreff der Diakonie in die Kreuzstraße wollen", sagt er. "Ich helfe, wo Bedarf ist." Zusätzlich kümmert er sich über das Projekt "PATMA" (Patenschaften für Menschen mit Angststörungen, Depressionen oder Krisen im Alter) - ebenfalls von der Diakonie - um einen demenzkranken Erwachsenen. Albers berichtet von sehr guten Gesprächen. "Auch mir hilft es, mich auszutauschen", sagt er. Und auch für Kinder setzt sich Albers ein. Einmal in de Woche ist er als Lesepate an der Südschule in Brackwede. Langweilig wird ihm nicht. "Ich mache das gerne, das bringt mir unheimlich viel." Die Tätigkeiten füllen ihn aus, sagt er. "Ich helfe, wo Bedarf ist." Helfen, wo es geht Michael Reckers war Lehrer am Abendgymnasium. Seit 2014 ist er Pensionär. Bei seinem Ausstand erzählte ihm eine ehemalige Kollegin von Efi, sagt er. Reckers wurde hellhörig und meldete sich an. Sein Vorbereitungsseminar 2015 fiel zusammen mit dem Flüchtlingsstrom gen Westen. "Da lag es nahe, etwas im sprachlichen Bereich zu machen." Zumal er Deutsch-Lehrer ist. In der Einrichtung "Hellingskamp" ist er nun schon seit dreieinhalb Jahren gemeinsam mit einer anderen Efi-Teilnehmerin in einem Sprachtreff aktiv. Die beiden haben ihre Berufung gefunden Vorwiegend kommen Frauen, viele davon sind Analphabeten, die in ihrem Heimatland nur kurz oder gar keine Schule besucht haben. Ihnen bringt er das Lesen und Schreiben bei. Jeden Freitag ist er für diese Menschen da, zweieinhalb Stunden am Vormittag. Diese Arbeit mache ihm Spaß, so sehr, dass er mittlerweile noch bei zwei weiteren Sprachtreffs hilft. "Viele machen sich während ihres Berufslebens keine Gedanken, was sie später machen wollen", sagt er. Reckers und Albers haben ihre Berufung gefunden.

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