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Ausfahrbarer Poller: So ähnlich könnte es aussehen. - © Ulf Hanke
Ausfahrbarer Poller: So ähnlich könnte es aussehen. | © Ulf Hanke

Bielefeld Oberbürgermeister will Bielefelds Fußgängerzonen mit Pollern schützen

Pit Clausen wirbt für eine dauerhafte Sicherung, die auch den Lieferverkehr regulieren kann. Dabei soll eine ganz besondere Technik helfen

Kurt Ehmke
30.05.2019 | Stand 30.05.2019, 09:46 Uhr

Bielefeld. An vier Stellen in der Stadt sind jetzt mit 1.200 Litern Wasser gefüllte Riesen-Schutzbeutel zu sehen. Sie sollen Autofahrer daran hindern, in Menschenmengen zu fahren. Aufgestellt wurden sie am Dienstag für den Leinewebermarkt. Empfohlen hatte den Schutz die Polizei. Schutz schon beim Carnival Bereits zum Carnival der Kulturen 2018 waren Lkw mit ähnlichen Wasserbeuteln gefüllt und auf Straßen quergestellt worden. Nicht glücklich mit diesen Formen der vermeintlichen Sicherheit ist Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD). Auf Anfrage sagt er: „Ich frage mich, warum wir das bei einer rein abstrakten Terrorgefahr nun an einzelnen Stellen und zeitlich begrenzt auf den Leinewebermarkt machen?" Psychisch Verwirrte sind Gefahr Diese Frage habe er auch mit der Polizeipräsidentin diskutiert – und hier bestätigt bekommen, dass die realere Gefahr von psychisch verwirrten Autofahrern ausgehe. „Und die", sagt Pit Clausen, „können ja theoretisch immer zur Gefahr werden, die sind ja nicht nur zum Leinewebermarkt oder zum Weihnachtsmarkt unterwegs." "Brauchen andere Antworten" Der Oberbürgermeister sagt deshalb: „Bisher haben wir das Thema auf die Terrorgefahr reduziert – aber nach Münster und Bottrop müssen wir feststellen, dass wir andere Antworten brauchen als einfach nur kurzfristig hingestellte Wassertanks." Deshalb hat er reagiert. Versenkbare Poller Pit Clausen: „Ich habe nach den Gesprächen mit der Polizeipräsidentin in meine Verwaltung den Auftrag gegeben, andere Lösungen zu prüfen." Die für ihn beste sei eine Umsetzung mit versenkbaren Pollern, die in OWL Pömpel heißen. Hier gebe es durchaus Modelle, die einen ähnlichen Aufprallschutz wie mit Wasser gefüllte Riesen-Beutel böten – und das an 365 Tagen im Jahr. Beide Fußgängerzonen Clausen schwebt vor, beide Fußgängerzonen – die entlang der Bahnhofstraße und die in der Altstadt – zu schützen. Seine Vision: „Wir sollten versenkbare Pömpel nutzen, weil wir dann, neben dem Schutz, die sie bieten, auch Steuermöglichkeiten hätten." Bedeutet: Er möchte in Zukunft die Zufahrt in die Fußgängerzonen über die auszugebenden Poller-Fernbedien-Codes beeinflussen. „Wenn wir sagen, dass wir morgens keine Diesel mehr zum Ausladen in der Altstadt haben wollen, können wir das damit steuern." Lieferverkehr erzeugt Handlungsdruck Es sei auffällig, dass in den Fußgängerzonen zunehmend weniger Regeln beachtet würden als früher. Es gebe einen Handlungsdruck. Diesen dann mit dem Thema Sicherheit zu kombinieren, sei es ihm wert gewesen, die Verwaltung Gang zu setzen – mit Blick auf eine verträglichere und effektivere Lösung als die heutigen Beutel.

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