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Lebenstraum erfüllt: Bunte Taschen aus Altpapier, bei 30 Grad waschbar, gehören zum Sortiment des kleinen Ladens, den Helga Richter gerade eröffnet hat. Auch bei Oberteilen, Röcken, Hosen, Schmuck und Sonnenbrillen setzt sie auf Nachhaltigkeit. - © Sarah Jonek
Lebenstraum erfüllt: Bunte Taschen aus Altpapier, bei 30 Grad waschbar, gehören zum Sortiment des kleinen Ladens, den Helga Richter gerade eröffnet hat. Auch bei Oberteilen, Röcken, Hosen, Schmuck und Sonnenbrillen setzt sie auf Nachhaltigkeit. | © Sarah Jonek

Bielefeld Neuer Bielefelder Einzelhändler setzt auf Mode mit besonderer Geschichte

Ehemalige Produktmanagerin scheint mit ihrem kleinen Fairtrade-Laden genau den Nerv der Zeit zu treffen. Er könnte auch zur Bühne werden

Ivonne Michel
23.05.2019 | Stand 23.05.2019, 12:26 Uhr

Mitte. Bielefeld ist „Fairtrade-Stadt”- und „Helga" mittendrin. Gerade bekam die Stadt den Titel für zwei weitere Jahre verlängert, passend dazu hat an der Arndtstraße neben dem „Desperado" jetzt ein kleiner Laden mit entsprechender Mode, Taschen und Accessoires eröffnet. Und scheint damit genau den Nerv der Zeit zu treffen. „Es kommt super an", sagt Inhaberin und Namensgeberin Helga Richter nach der ersten Geschäftswoche. Zu ihren ausgewählten Produkten gibt es besondere Geschichten. Die kleinen Perlen- und Lederarmbänder mit Anhängern, die als Glücksbringer dienen und individuelle Lebensgeschichten erzählen sollen, werden in kleinen Manufakturen in Nepal handgefertigt. „Die Erlöse helfen den Frauen und Männer dort, ihre Familien ernähren können", sagt Richter, die lange Jahre als Produktmanagerin für ein großes Modeunternehmen aus der Region gearbeitet hat. Altpapier, Restleder, Bambusbügel Dabei ist sie weltweit gereist und hat gesehen, wie Menschen unter teils unwürdigen Bedingungen in Fabriken arbeiten, „oft als Subunternehmer", berichtet die 49-Jährige, selbst Mutter zweier Kinder. Dass es auch anders geht, will sie mit ihren Produkten zeigen. Aus Altpapier gefertigte, bei 30 Grad waschbare bunte Taschen und Modelle aus Restleder, ökologisch hergestellte Sonnenbrillen aus schadstoffarmen, extrem haltbaren Kunststoffen mit nachhaltigen Bambusbügeln oder die Strickkollektion eines kleinen italienischen Fairtrade-Label: Ihr Sortiment hat sie sorgsam ausgewählt, auf entsprechenden Messen oder auch im Urlaub gefunden. Wie die Sitzkissen aus gefilzter Wolle, die in Eckernförde einer Behindertenwerkstatt hergestellt werden – eine Alternative zu den angesagten Lammfellen. Lebenstraum erfüllt „Die Leute sind durchaus bereit, etwas mehr zu bezahlen, wenn die Produktionsgeschichten dahinter gute sind", sagt Richter. Auch ihre eigenen Kreationen bietet sie an: Persönliche Fotos oder Sprüche, die sie mit einem speziellen Digitaldruckverfahren individuell auf lasierte Holzblöcke aufbringt. Richter kommt aus Köln. Dort gibt es viele kleine, individuelle, kreative Läden. Das komme auch in Bielefeld gut an. Für die 49-Jährige hat sich mit dem eigenen Laden ein Lebenstraum erfüllt. Freunde und Familie haben bei der Umsetzung geholfen. Ehemann Dirk hat „im Prinzip alles gemacht": Wände gestrichen, den Boden abgeschliffen, Lampen und Stangen für Kleider, Shirts, Röcke und Hosen installiert. Eine ihrer drei Schwestern hat Geschäftsnamen und Logo entwickelt, Freundin Jule das Catering bei der Eröffnung übernommen. Und auch die Kunden leisten ihren Beitrag: Eine Frau habe schon vorgeschlagen, einen Theaterabend im 26 Quadratmeter großen Laden zu veranstalten. Auch Wohnzimmerkonzerte oder Lesungen kann Richter sich für „Helga" vorstellen.

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