Die beiden Bundestagsabgeordneten Wiebke Esdar aus Bielefeld (v.r.) und Martin Schulz unterstützten die örtliche Kandidatin Sally Lisa Starken (28) im Europawahlkampf. - © Barbara Franke
Die beiden Bundestagsabgeordneten Wiebke Esdar aus Bielefeld (v.r.) und Martin Schulz unterstützten die örtliche Kandidatin Sally Lisa Starken (28) im Europawahlkampf. | © Barbara Franke

Bielefeld "Mister Europa" hält in Bielefeld flammendes Plädoyer für Europa

Martin Schulz unterstützt im Europawahlkampf die örtliche SPD-Kandidatin Sally Lisa Starken. Auch die "Fridays for future"-Kids nutzen diese Chance auf die große Bühne und werben für neue Proteste

Susanne Lahr
18.05.2019 | Stand 18.05.2019, 22:21 Uhr |

Bielefeld. Martin Schulz hatte es bei weitem nicht so schwer in Bielefeld wie Ministerpräsident Armin Laschet bei der Mai-Kundgebung. Die kleine Demonstrantenschar von "Fridays for future" auf dem Siegfriedsplatz war beim Auftritt von "Mister Europa" nur zu Beginn laut. Ihr Flashmob, bei dem sie sich für den Klimaschutz aufs Pflaster warfen, dauerte nicht lang. Aber sie folgten der Einladung der Bielefelder SPD-Vorsitzenden Wiebke Esdar zu bleiben und später mitzudiskutieren. Und sie durften den Politikern von der Bühne herunter sogar noch ins Gewissen reden. Bei herrlichstem Sommerwetter hatte sich am frühen Samstagabend auf dem Siggi eine überschaubare Menge zum Europafest eingefunden und um die sozialdemokratischen Perspektiven für den Staatenbund zu hören. Doch die Worte, mit denen der frühere Präsident des Europäischen Parlamentes die Wichtigkeit einer europäischen Einheit beschwor, kamen an. Auch weil der Bundestagsabgeordnete es verstand, in sein flammendes Plädoyer für Europa privates Erleben mit einzubauen. Der 63-Jährige nutzte das aktuelle österreichische Politbeben um Vizekanzler Hans-Christian Strache, um vor Koalitionen mit rechtsnationalen Kräften zu warnen. Strache, Chef der FPÖ, die Schulz als österreichische AFD betitelte, war wenige Stunden zuvor von allen Ämtern zurückgetreten. "Es geht bei diesen Europawahlen um eine Menge, nicht nur um die Zusammensetzung des Parlamentes", so Schulz. Gegen Europa-Hetzer kämpfen Die Menschen müssten sich fragen, in welchem Europa des 21. Jahrhunderts sie leben wollten. In einem, in dem nur nationale Interessen oberste Maxime seien? In dem Sozial- und Gesellschaftsmodell, Demokratie und Freiheit veraltete Begriffe sind? Nein, seines Erachtens sei es wichtig, für diese Werte zu kämpfen. Europa sei nicht perfekt, aber es lasse sich konstruktiv verbessern. "Und man muss sich denen entgegenstellen, die gegen dagegen hetzen. Europa darf sich nicht in Einzelteile zerlegen", warnte Martin Schulz. Er wünscht sich ein Deutschland, das in einer globalisierten Welt für eine Gesellschaft guter Nachbarn eintritt, selbst einer sein will. Demokratie, Menschenrechte, Toleranz und das Bewahren natürlicher Lebensgrundlagen sollten die Basis aller Nationen sein, die auf Augenhöhe zusammenarbeiten wollen. Es sei Aufgabe der EU, sich den Klimaleugnern und Klimasündern entgegenzustellen. Zuvor hatte die örtliche SPD-Europakandidatin Sally Lisa Starken ebenfalls betont, dass ihr der Klimaschutz ein wichtiges Anliegen sei. Sie trete für besseren Nahverkehr, für biologisch produzierte Lebensmittel und für den schrittweisen Abbau von Plastik ein. Schönwetter-Reden ziehen nicht Schöne Worte, die die "Fridays for future"-Kids und die "Parents for future" nicht zufriedenstellen. "Es reicht uns nicht, wenn Politiker übers Klima reden, sie sollen endlich handeln", sagte Ekim Dogan (24) unter dem Applaus der Zuschauer. Denen rief sie zu: "Geht mit uns auf die Straße, damit wir den Prozess beschleunigen können." Die nächste Gelegenheit ist am Freitag, 24. Mai, um 12 Uhr, wenn am Hauptbahnhof für die Zukunft der jungen Generation und deren Nachkommen demonstriert wird.

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