Dennis Pauer erläutert tragbare Robotik. Sie kann Menschen mit Beeinträchtigungen helfen, aber auch in der Arbeitswelt bei der Bewältigung körperlich schwerer Arbeiten. - © Barbara Franke
Dennis Pauer erläutert tragbare Robotik. Sie kann Menschen mit Beeinträchtigungen helfen, aber auch in der Arbeitswelt bei der Bewältigung körperlich schwerer Arbeiten. | © Barbara Franke

Bielefeld Tausende beim Fachhochschultag: Diese innovativen Studiengänge gibt's in Bielefeld

Tag der offenen Tür zieht 7.000 Besucher an. Vertikale Landwirtschaft, tragbare Robotik, Plastikersatz aus Algen sind spannende Themen. Und es gibt einen neuen Studienbereich im Fach Gestalten

Susanne Lahr
19.05.2019 | Stand 19.05.2019, 17:51 Uhr |

Bielefeld. Spannend, unterhaltsam, informativ - dieser Dreiklang passt zum 4. Tag der offenen Tür der Fachhochschule (FH) Bielefeld. Mehr als 7.000 Besucher pilgerten am Samstag zum Hauptgebäude der FH, und sie konnten sich aus mehr als 100 Programmpunkten ihre persönlichen Highlights heraussuchen. Zu bestaunen gab es beispielsweise vertikales Farming oder humane Mechatronik. Auch eine nagelneue Studienrichtung im Bereich Gestaltung hat im Wintersemester Premiere und  stellte sich den Bielefeldern vor. Experimentieren mit neuen Inhalten "Digital Media and Experiment" ergänzt die Bereiche Fotografie und Bildmedien, Kommunikationsdesign und Mode. Zwei neue Professorenstellen wurden dafür geschaffen und mit Florian Kühnle und Claudia Rohrmoser besetzt, die beide dafür aus Berlin nach Bielefeld wechselten. Was dahinter steckt, ist nicht ganz so einfach zu erklären. Grenzüberschreitung zwischen digitalen Gestaltungsdisziplinen und Medienformaten gehört in diesem gestalterisch-kreativen Studiengang auf alle Fälle dazu. "Man muss Kunst und Technologie zusammen denken", sagt Kühnle. Und man soll explizit experimentieren: "Formate und Technik zu hinterfragen, schafft oft eine neue Ästhetik, die in Kunst wie in Werbung Verwendung finden kann." Kunst und Technologie passt zusammen Es geht unter anderem um mediale Rauminszenierungen, um die Programmierung interaktiver Medien, um eingebettete oder virtuelle Realitäten, aber auch Computerkunst oder 3-D-Modelle. Und so vielfältig wie die Studieninhalte sind nach Aussage des Professors auch die möglichen Berufsfelder der Absolventen. Sie könnten als Art-Direktor tätig sein, Messestände medial inszenieren, Firmenprodukte besonders herausstellen oder unsere Sinneswahrnehmungen digital erweitern - beispielsweise in Museen oder Ausstellungen. "Kommunizieren im Raum spielt zunehmend eine große Rolle", sagt Florian Kühnle. Gleichwohl gebe es auch viele Anknüpfungspunkte an die experimentelle generative Fotografie, die in Bielefeld eine lange Tradition hat. Landwirtschaft ohne Erde, dafür mit Stoff Ingeborg Schramm-Wölk, Präsidentin der FH Bielefeld, gefallen bei ihrem Rundgang durchs Haus vor allem die Experimente zur vertikalen Landwirtschaft. Student Jan Lukas Storck erklärt, dass es zwar bereits diverse Start-Ups und Firmen gibt, die sich mit dieser Sonderform der urbanen Landwirtschaft beschäftigen. "Was fehlt, ist der wissenschaftliche Ansatz." Um den kümmert sich nun die Arbeitsgruppe Textile Technologien des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik. Sie will herausfinden, wie Wasser, Licht und Nährstoffe zum Einsatz gebracht werden müssen, damit Pflanzen und Algen auf Textilien als Stoffersatz wachsen. Hohes Interesse der Wirtschaft "Ich bin total begeistert", sagt Schramm-Wölk. "Das ist ein experimenteller, innovativer Club, dem kein Tellerrand zum Drübergucken zu hoch ist." Die Studenten seien mit ihren bisherigen Ergebnissen bereits auf der Hannover-Messe umlagert worden. Es gebe ein hohes Interesse aus der Wirtschaft an den Ergebnissen. Selbst eine Firmenausgründung wäre denkbar. Strahlende Studenten-Gesichter sind die Antwort. Algen statt Plastik Spannend ist auch der Stand, an dem aus Algen Gelkapseln hergestellt werden, die in diesem Fall als biologisch abbaubare "Verpackung" dazu genutzt werden sollen, Dünger für die Landwirtschaft aufzunehmen. Bei den Humanmechatronikern geht es um intelligente technische Systeme, die den Menschen bei Einschränkungen als Orthesen helfen können oder in der Arbeitswelt als tragbare Robotik helfen, körperlich schwere Aufgaben zu bewältigen. Ein rundum gelungener Tag mit Forschung und Lehre zum Anfassen.

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