Auf dem ehemaligen städtischen Betriebshof an der Industriestraße, wo jetzt noch Flüchtlingscontainer stehen, soll die neue Moschee entstehen. Links und rechts sind bis zu 23 Meter hohe Minarette geplant. - © BVA
Auf dem ehemaligen städtischen Betriebshof an der Industriestraße, wo jetzt noch Flüchtlingscontainer stehen, soll die neue Moschee entstehen. Links und rechts sind bis zu 23 Meter hohe Minarette geplant. | © BVA

Bielefeld Hier entsteht eine neue Moschee mit Minaretten in Bielefeld

Ein komplizierter Grundstückstausch ermöglicht der Ditib-Gemeinde den Neubau. Der Reichowplatz und der Sennestadtteich gehören jetzt der Stadt. Und die alte Post macht Sennestadts Neuausrichtung Platz

Karin Prignitz
19.05.2019 | Stand 19.05.2019, 10:34 Uhr

Bielefeld-Sennestadt. Auf dem Schreibtisch von Bernhard Neugebauer liegen drei notariell beglaubigte Verträge. „Die Tinte ist trocken", sagt der Geschäftsführer der Sennestadt GmbH mit sichtbarer Erleichterung, denn „alle Verträge sind bedeutend für die Sennestadt". Bedeutend ist vor allem ein Tauschvertrag. Er ermöglicht es jetzt dem Türkisch-Islamischen Kulturverein Sennestadt (DITIB), die lang ersehnte Moschee im Stadtbezirk zu errichten. Entstehen soll die Moschee an der Industriestraße 40, dort wo jetzt noch die Container der Flüchtlingsunterkunft stehen. Sie soll eine Kuppel und zwei Minarette erhalten und wäre neben der Vatan-Moschee an der Windelsbleiche Straße in Brackwede somit die zweite Moschee mit Minarett in Bielefeld. Die Türme könnten bis zu 23 Meter hoch werden. Das hat der Vorsitzende Murat Zeytinoglu jetzt bekanntgegeben. Zeytinoglu leitet den Kulturverein seit zwei Jahren. „Ein Meilenstein in der Entwicklung Sennestadts" Keinesfalls, betont der 41-Jährige, solle es eine Beschallung geben. Der Standort am Ende einer Sackgasse und nahe der Autobahn liege allerdings auch im Außenbereich, so dass die Minarette ohnehin nicht stören würde. Im Jahr 2013 hatte die Türkisch-Islamische Kulturverein nach jahrelanger Suche die in marodem Zustand befindliche alte Post am Sennestadtring 7 erworben, denn die Räume an der Rheinallee 119 platzen aus allen Nähten. Eine Moschee in der Stadtmitte, das habe aber nicht gepasst, sagt Zeytinoglu. Schon lange sei deshalb über die Errichtung eines neuen Gebäudes nachgedacht worden. „Wir brauchen vor allem Platz für die Jugend", betont Zeytinoglu. Deshalb will er auch gar nicht von einer Moschee, sondern eher von einem Gemeindezentrum sprechen, „das nicht nur türkischen Mitbürgern, sondern allen offenstehen soll". Gemeinsam mit der Sennestadt GmbH wurde nach Lösungen gesucht. 42.000 gegen 10.400 Quadratmeter getauscht Sie sind nach langen Verhandlungen „und unglaublich intensiver Arbeit", wie Bernhard Neugebauer betont, nun gefunden worden. Die Sennestadt GmbH hat knapp 42.000 Quadratmeter Grundstücksflächen gegen rund 10.400 Quadratmeter des ehemaligen Bauhofes an der Industriestraße 40 mit der Stadt Bielefeld getauscht. Zu den Tauschflächen gehören der Reichowplatz, der Sennestadtteich, Teile des Sennestadtrings, ein Waldstück sowie kleinere Verkehrsflächen an Altmühl- und Industriestraße. „Der Tausch erfolgte auf der Basis der Bodenrichtwerte", erläutert Neugebauer. Ringen um Lösung für öffentliche Flächen Seit Jahren seien die Flächen der Sennestadt GmbH von der Allgemeinheit genutzt worden. „Die Stadt konnte sie bisher aus wirtschaftlichen Gründen nicht übernehmen" und auch nicht pflegen. Mit dem Grundstückstausch gehe nun „ein jahrelanges Ringen um eine Lösung für diese öffentlichen Flächen zu Ende." Das Eigentum wechselt am 1. November zur Stadt Bielefeld, die Fläche des Bauhofes in drei Etappen bis Januar 2020 an die Sennestadt GmbH. „Erst wenn die Wohncontainer dort abgebaut sind, wird die Sennestadt GmbH Eigentümerin." Eine 4.860 Quadratmeter große Teilfläche des ehemaligen Betriebshofes an der Industriestraße 40 hat die Sennestadt GmbH schließlich gegen die alte Post am Sennestadtring 7 mit dem Türkisch-Islamischen Kulturverein Sennestadt getauscht, weitere 3.360 Quadratmeter an die Gemeinde verkauft. Zukunftsbild des Zentrums verändern „Mit dem Erwerb des alten Postgebäudes besteht die Möglichkeit, das Zukunftsbild des Sennestädter Zentrums aktiv mitzugestalten", hebt Bernhard Neugebauer den großen Pluspunkt hervor. Das Zusammenwachsen von Nord- und Südstadt, die Belebung der Wegeverbindung zwischen Zentrum und Schillinggelände sowie die Unterstützung der Maßnahmen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes für Sennestadt (INSEK) und nicht zuletzt die Optimierung der Paderborner Straße und die städtebauliche Einbindung der Stadtbahn seien nun möglich. „Eine für alle Beteiligten gute Lösung", meint Bezirksbürgermeister Lars Nockemann. Nun habe der Türkisch-Islamische Kulturverein ganz andere Planungsmöglichkeiten. „Jeder hat bekommen, was er wollte", ergänzt Murat Zeytinoglu. Raum für 200 Personen Für Bernhard Neugebauer ist der gefundene Kompromiss „ein Meilenstein in der Entwicklung Sennestadts". Mit dem Bau der Moschee, in der Raum für 200 Erwachsene, Jugendliche und Kinder sein wird, soll voraussichtlich im kommenden Jahr begonnen werden. Zunächst muss aber der Bauantrag gestellt werden. Die Kosten beziffert Zeytinoglu auf etwa 2 Millionen Euro. Tragen sollen diese Kosten nach Informationen des Vorsitzenden wohl der DITIB-Dachverband, dessen Zustimmung seit dem 8. Mai vorliegt, und die Mitglieder. Mietvertrag mit Post noch bis 2021 Die alte Post soll, das steht wohl fest, abgerissen werden. Einen Termin dafür gibt es allerdings noch nicht. Ebenfalls ungeklärt ist noch, was danach mit der Fläche geschehen soll. Noch bis 2021 läuft der anteilige Mietvertrag mit der Deutschen Post, die dort eine Paketstation betreibt. Die Sennestadt GmbH hat bereits Kontakt aufgenommen.

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