Fahrrad-Aktivist Resul Benli auf dem Kesselbrink: Von dort startet er alle drei Stunden zu einer Mahn-Runde - die nächste Tour beginnt um 15 Uhr. - © Andreas Zobe
Fahrrad-Aktivist Resul Benli auf dem Kesselbrink: Von dort startet er alle drei Stunden zu einer Mahn-Runde - die nächste Tour beginnt um 15 Uhr. | © Andreas Zobe

Bielefeld Warum fährt den ganzen Tag ein schneeweiß gekleideter Mann durch Bielefeld?

Resul Benli fährt heute den ganzen Tag durch Bielefeld und erinnert als rollende Mahnwache an verkehrstote Radfahrer. Um 15 Uhr startet seine Tour durch die City - er hofft auf strampelnde Unterstützung

Bielefeld. "Ich bin eigentlich noch ganz fit", sagt Resul Benli. Dabei hat der 54-Jährige schon eine zwölfstündige Fahrt mit dem Rad hinter sich. Und weitere zwölf Stunden liegen vor ihm. Alle drei Stunden macht der Bielefelder eine kurze Pause auf dem Kesselbrink - und kommt dabei mit Menschen ins Gespräch. Das ist sein Ziel. Nur in der Nacht war es ein bisschen einsam. "Ich kann es genießen", sagt der Kurde, der vor 35 Jahren aus Erzincan nach Bielefeld kam. Letzte Etappe endet um 24 Uhr Insgesamt sind es acht Etappen, die sich Benli vorgenommen hat. Von Gellershagen über Ummeln bis nach Milse, Vilsendorf, Hillegossen und Sennestadt führt ihn sein Weg. Am Ende wird er mit seinem weißen Fahrrad, das ohne Gangschaltung und Motor auskommt, mehrere hundert Kilometer hinter sich gelassen haben. Warum macht er das? "Ich hatte 2013 einen schweren Unfall. Ein Autofahrer hat mich auf dem Rad angefahren. Ich lag mehrere Tage im Krankenhaus", erzählt der weiß gewandete Mann mit dem schwarzen Stirnband. Er schloss sich der "Critical-Mass-Bewegung" an. Jeden letzten Freitag im Monat treffen sich Fahrradfahrer auf dem Kesselbrink, um zusammen durch die Stadt zu fahren. Benli will mit seiner Aktion nicht nur an tödlich verunglückte Radfahrer erinnern, er setzt sich auch für sichere Radwege und fahrradfreundliche Ampelschaltungen ein. Außerdem geht es ihm um die Ausstattung mit Assistenzsystemen in Autos und Lastwagen. Er wirbt für mehr Respekt und Verständnis füreinander. 12.000 Kilometer im Jahr im Sattel Sei einigen Jahren ist der Bielefelder in der Flüchtlingshilfe aktiv. In Heepen und Ummeln repariert der gelernte Industriemechaniker Räder für Flüchtlinge. "Ich bin der geborene Radfahrer", sagt er. Inzwischen ist seine Sammlung an Oldtimer-Fahrrädern auf 300 angewachsen. Er sammelt nur Bielefelder Drahtesel, die er dann restauriert. Mehrere Ausstellungen im Historischen Museum, im Lenkwerk und an der Radrennbahn hat er bereits organisiert. "Ich bin täglich 30 bis 40 Kilometer mit dem Rad unterwegs. Im Jahr sind das etwa 12.000 Kilometer", berichtet der zweifache Vater. Mit seiner Aktion hat er bereits viele Menschen berührt. "Ich habe gestern Nacht eine SMS von einer Frau bekommen, die die Aktion ganz toll findet. Ihre Schwester war bei einem Unfall auf der Stapenhorststraße ums Leben gekommen." Wer sich anschließen will, ist willkommen. Von 15 bis 18 Uhr radelt Resul Benli durch die Innenstadt. Von 18 bis 21 Uhr geht es über Sieker nach Ubbedissen und von 21 bis 24 Uhr über Brackwede nach Sennestadt.

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