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Wie groß ist der CO2-Einfluss auf die Erdtemperatur? Dazu gibt es verschiedene Hypothesen. - © Uwe Anspach
Wie groß ist der CO2-Einfluss auf die Erdtemperatur? Dazu gibt es verschiedene Hypothesen. | © Uwe Anspach

Bielefeld Warum die Klima- und Umwelt-Diskussion einen Bielefelder verzweifeln lassen

Hartmut Buck ist Ingenieur und naturwissenschaftlich ausgebildet. Über die aktuelle Klima-, Auto- und Energie-Diskussionen schüttelt er entsetzt den Kopf.

Ansgar Mönter
09.05.2019 | Stand 21.05.2019, 14:24 Uhr

Bielefeld. Klimaschutz, Dieselskandal und Energiewende sind aktuelle Top-Themen. Hartmut Buck interessiert sich auch dafür. Allerdings ist der Ingenieur und selbstständige Unternehmer verzweifelt über die Einseitigkeit der Diskussionen. Der Techniker mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung hält vieles, was über Klima, Diesel und Energie verbreitet wird, für entweder falsch verstanden oder bewusst verzerrt. "Wer das allerdings offen ausspricht, wird als Spinner oder Rechter beschimpft", moniert Buck. Er tut es dennoch. Es ist ihm ein Bedürfnis. So wie er, denken vermutlich mehr, als es nach außen wahrnehmbar ist. Deswegen stellen wir diese Sicht der Dinge dar. Klimawandel Es wird wärmer auf der Erde. Das ist Fakt. "Aber über den menschlichen Anteil daran gibt es bisher nur Hypothesen", sagt Buck. Vor allem der aus seiner Sicht verengte Blick auf Kohlendioxid, C02 genannt, ist für den Maschinenbau-Ingenieur nicht nachvollziehbar. "Der CO2-Anteil an der Luft liegt bei 0,04 Prozent", sagt er. "Und davon ist wiederum nur ein sehr geringer Teil menschengemacht." Laut Buck drei oder vier Prozent. Nach seinen Erkenntnissen gibt es Gase in der Atmosphäre, die einen deutlich größeren Effekt auf Erwärmung der Atmosphäre haben als das CO2 - unabhängig vom Menschen. Methan etwa. Noch stärker aber würden schlicht die Wassermoleküle die Temperatur in der Atmosphäre beeinflussen. Thomas Koop, Physikalischer Chemiker an der Universität Bielefeld, bestätigt den von Buck genannten CO2-Anteil von 0,04 Prozent in der Luft. Auch der Professor benennt weitere klimarelevante Einflussfaktoren wie Methan und Wasser (H2O). "Eine Vielzahl von Effekten führt zur Erwärmung", sagt Koop. Wie bedeutend die Rolle von CO2 dabei ist, will er nicht beurteilen, Kohlendioxid gehöre aber neben H2O und Methan zu den chemischen Verbindungen, die Infrarotstrahlung absorbierten und daher für eine Erwärmung der Atmosphäre in Frage kämen - im Gegensatz zu Stickstoff und Sauerstoff. Und der CO2-Anteil sei seit der Industrialisierung von 0,028 auf 0,04 Prozent gestiegen. Allerdings ist auch richtig, dass der relative Anteil des CO2 an der Atmosphäre sehr gering ist und zu einem sehr geringen Teil durch Menschen erzeugt. Thomas Koop distanziert sich jedoch ausdrücklich von den von Hartmut Buck gemachten Aussagen. „Sie ignorieren die durch den Weltklimarat zusammengefassten aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum menschengemachten Anteil von C02 und anderen Treibhausgasen wie Methan und Lachgas am Klimaantrieb", sagt Koop. Laut Einschätzung des Weltklimarats (IPCC) liege die Wahrscheinlichkeit bei mehr als 95 Prozent, dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten Erwärmung gewesen sei."Ob eine kausale Abhängigkeit zwischen CO2-Gehalt und Temperatur besteht, ist unbewiesen", sagt hingegen Buck. Er ist überzeugt, dass der menschengemachte Anteil an der Erd-Erwärmung aus politischen und ideologischen Gründen übertrieben dargestellt wird. Für ihn entsteht gerade vielmehr eine "menschengemachte Klima-Religion", wie er sagt. Diesel Kopfschüttelnd registriert der Unternehmer den Streit um Fahrverbote, weil EU-Stickoxid-Grenzwerte an Straßenkreuzungen überschritten werden. "Am Neckartor in Stuttgart, wo der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten wird", erzählt Buck, habe man den Stickstoffanteil in einer Wohnung einer Studenten-WG gemessen. Dort wird mit Gas geheizt und gekocht. "Die Werte lagen in der Wohnung extrem hoch, bis zu 30 Mal höher als der Grenzwert der EU." Dieses Beispiel zeige die Hysterie bei dem Thema. Tatsächlich hatte ein ARD-Team mit einem Messgerät die hohen Werte festgestellt, vor allem, als ein Student begann, Wasser in einem Topf für Spaghetti mit Gasflamme zu erhitzen. Bis zu 1.300 Mikrogramm pro Kubikmeter zeigte das Messinstrument an. "Lasst den Diesel und die Benziner fahren", fordert Buck. Zugleich sollten Antriebsarten wie Strom und Wasserstoff weiter entwickelt werden, damit es einen gesunden Mix gebe. Die Verteufelung von Verbrennungsmotoren hält Buck für unbegründet, Sperrungen einzelner Straßen sogar für absurd. Zudem habe das Ifo-Institut in München errechnet, dass die CO2-Gesamtbilanz bei einem E-Tesla schlechter sei als bei einem gleichwertigen Diesel. "Das hat bei den Diesel-Alarmisten große Hektik ausgelöst." Energie Wind und Solar reichten nicht für die Energiesicherheit der Industrienation, der Ausstieg aus der Kohle sei deshalb unklug und schädlich für die Volkswirtschaft, sagt der Unternehmer. "Damit werden Milliarden Euro vernichtet." Um eine Grundlast bei der Energieversorgung zu gewähren, müsste Deutschland - wenn Sonnenmangel und Windflaute herrschten, sogar Atomstrom aus Frankreich dazu kaufen. Saubere und moderne Kohlekraftwerke sollten nach Bucks Ansicht wenigstens so lange laufen, bis sie abgeschrieben seien. Auch hier vermutet Buck eine Politik der Ideologie statt Vernunft. Meinungsfreiheit "Faktisch gibt es Meinungsfreiheit in Deutschland nicht mehr", sagt der 64-Jährige. Er wundert sich über das politische Klima im Land, vor allem über das Abwürgen von Meinungen, die nicht der vermuteten Mehrheit oder öffentlichen Meinung entsprechen. "Dann wird man ganz schell als Rechter oder sogar Nazi bezeichnet", sagt der Bielefelder, der zur Zeit des RAF-Terrors aufwuchs. "Als ich jung war, hieß es, der Staat sei auf dem rechten Auge blind", erinnert sich Buck. Das sei zum Teil sogar richtig gewesen. Heute sieht er wieder eine Blindheit der Institutionen, diesmal auf dem linken Auge. Buck findet es undemokratisch und unmöglich, dass Menschen oder Parteien mit abweichenden Meinungen und Einstellungen angegriffen werden oder sich verstecken müssten. Besonders in der Kritik ist bei ihm die so genannte Antifa, die Andersdenkende bedrohe und verfolge. Politisch heimatlos steht Hartmut Buck vor der Europawahl. Wo nur soll er sein Kreuz machen? Er hat noch zwei Wochen Zeit für eine Entscheidung. Dann gilt es.

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