An jedem Element der neu errichteten Schallschutzwand prangt ein Hinweisschild. - © Dennis Rother/Pixabay
An jedem Element der neu errichteten Schallschutzwand prangt ein Hinweisschild. | © Dennis Rother/Pixabay

Bielefeld Merkwürdige Kröten-Wegweiser prangen an Bielefelder Bahnhof

Bielefeld. Eine brandneue Lärmschutzwand hat die Deutsche Bahn an der Haltestelle Bielefeld-Brake errichtet. Die ersten Graffiti sind schon drauf, das ärgert. Noch mehr ins Auge fällt aber, dass jedes der rund fünf Meter langen Wandelemente mittig mit einem kleinen, weißen Schild versehen ist. Darauf zu sehen ist die Silhouette eines Lurchs sowie ein Pfeil, der Richtung Boden zeigt. Am Boden ist ein Amphibiendurchlass. User von nw.de sind irritiert bis belustigt: Sind das etwa Wegweiser für Kröten? Können die lesen, gar ihre Körperform erkennen? Die Schilder hängen zudem in rund einem Meter Höhe - für wie groß hält die Deutsche Bahn bloß Bielefelds Amphibien? Kurzer Rückblick: Den Schallschutz an den Braker Bahnhofsgleisen, kilometerlang und rund drei Meter hoch, gibt es seit dem Vorjahr. Die Züge auf der Hauptstrecke zwischen Bielefeld und Herford waren zu laut, Grenzwerte für Lärm wurden deutlich überschritten. Fragen des Boden-, Arten- und Gewässerschutzes wurden in der Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes berücksichtigt. Ergo wurden Amphibiendurchlässe eingebaut, quasi Mini-"Krötentunnel". Es sind in diesem Fall rechteckige Löcher im Braker Schallschutz-Steinsockel. Unnötige Kosten und Arbeitsaufwand? Hinzu kamen auch Amphibienschilder. Beidseitig befestigten Arbeiter sie mit Nieten an der Fassade. Nun sind sie dort Blickfang. Und etliche Pendler und Passanten wundern sich. Ein nw.de-Leser fragt: "Wenn ein Lurch auf die andere Seite der Wand möchte - findet er den Durchlass nur, wenn das Schild dort hängt?" Ein anderer witzelt angesichts der erstaunlich hoch angebrachten Schilder: "Wie weitsichtig von der Bahn, in die Wand zudem noch eine Notausgangstür mit Klinke eingebaut zu haben. Prophylaktisch, für offenbar erwartete Riesenfrösche auf Durchreise. Denn die werden ja wohl aufrecht gehen." Manch einer wähnt sich zudem schon fast in Schilda. "Von den unnötigen Kosten und dem Arbeitsaufwand möchte ich gar nicht sprechen." Es käme unweigerlich die Frage auf, "welche verrückte Verordnung von welchem Ministerium dort wohl befolgt wurde". "Symbolischer" Wegweiser für die Inspekteure Die Deutsche Bahn erklärt indes, dass das alles schon so seine Richtigkeit hat. Die konsequente Beschilderung eines jeden einzelnen Wandelements an der Trasse sei aus symbolischen Gründen erfolgt - und zwar für die Mitarbeiter der DB Netz AG. "Sie können so im Rahmen der Inspektion und Instandhaltung die Öffnungen in den Sockel-Elementen der Lärmschutzwände besser finden", erklärte eine Bahnsprecherin. Bei den Öffnungen gehe es um Artenschutz. Der ist aktuell auch bei der Stadt ein großes Thema. "Viele Pflanzen und Tiere leben entlang von Bahntrassen, sie finden Platz auf DB-Flächen und -Gebäuden", berichtete die Bahnsprecherin weiter. "Die Öffnungen, die für Kleintiere aller Art sind, sollen die Barrierewirkung der Wände vermeiden." Die von nw.de-Lesern monierten Kosten seien gering. Zahlen nannte die Bahnsprecherin nicht.

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