Wie können Busse zukünftig ohne Mann am Steuer Pendelstrecken absolvieren? Das beschäftigt Uni-Wissenschaftler. - © Symbolfoto: Pixabay
Wie können Busse zukünftig ohne Mann am Steuer Pendelstrecken absolvieren? Das beschäftigt Uni-Wissenschaftler. | © Symbolfoto: Pixabay

Bielefeld Forscher der Uni Bielefeld arbeiten an Visionen für autonome Busse

Während Ideen für die konkrete Erschließung des gesamten Campus auch mit klassischen Bussen gesucht werden, gehen Forscher der Hochschule weiter und arbeiten an der Verknüpfung der Verkehrsmittel per Netztechnik.

Bielefeld. Etwa 25.000 Studenten an der Uni, weitere knapp 10.000 an der Fachhochschule, dazu die Hochschullehrer, Wissenschaftler und vielen Angestellten der Hochschulen: Täglich müssen Tausende zum Campus und wieder zurück transportiert werden. Die Stadtbahnlinie 4 ist dabei der wichtigste Verkehrsträger. Tausende nutzen die Uni-Linie. Doch der Campus erweitert sich nach Süden mit der Medizinischen Fakultät. Deshalb werden weitere Verbindungen gebraucht, etwa von der Wertherstraße aus. Die Suche nach Lösungen für diese konkreten Anforderungen hat begonnen. Zeitgleich forschen Wissenschaftler aus Uni und FH an großen Visionen für die Mobilität der Zukunft. Neubauten entlang der Morgenbreede Ab 2025 soll die Medizinische Fakultät an der Uni ihre mit voller Kapazität arbeiten. Dann werden Tausende Studenten und zahlreiche Mitarbeiter zur Straße Morgenbreede und ihrer Fortführung namens "Konsequenz" gelangen müssen. Entlang der Parallele zur Wertherstraße werden bis dahin einige Uni-Neubauten zusätzlich gebaut sein. Schon jetzt steht das als Innovationszentrum geplante Gebäude an der Ecke Voltmannstraße, das von der dann größten Uni-Fakultät perspektivisch komplett übernommen wird, ein Gebäude mit Büros für Wissenschaftler, die Labore für die Experimentellen Physiker und die Verhaltensforschung. Bald beginnt der Bau eines Hörsaalgebäudes. Zu langer Weg bis zur Stadtbahnhaltestelle Die Krux ist: Der Weg dorthin von der Stadtbahnhaltestelle Universität ist enorm. Gut zehn Minuten braucht es von der Universitätsstraße hoch zur Morgenbreede. Auf dem Weg steht das Uni-Hauptgebäude, das durchquert werden müsste. Auf Dauer ist das keine adäquate Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Darin sind sich Uni, Stadt und die Verkehrsbetriebe MoBiel einig. Deswegen wird an Lösungen gearbeitet. "Es gibt Überlegungen dazu, die im dritten Nahverkehrsplan der Stadt im Sommer vorgestellt werden sollen", kündigt Hartwig Meier von MoBiel an. Meier hofft dabei auf Vorschläge aus der Uni. "Alle Ideen sind willkommen", sagt er. Gut möglich, dass Rektor Gerhard Sagerer sich selbst einschaltet bei der Debatte. Leidenschaftlich arbeitet er an der inhaltlichen und baulichen Gestaltung der Medizinischen Fakultät - die Verkehrssituation hat er dabei auch im Blick, wie er mehrfach auf Veranstaltungen angedeutet hat. Lösung könnte aus einem Provisorium erwachsen Eine Möglichkeit für die Zukunft könnte aus einem Provisorium erwachsen, das in diesem Jahr entstehen soll: Weil wegen der Arbeiten am Uni-Hauptgebäude wie an den Neubauten bald sehr viel Baustellenverkehr an der Morgenbreede erwartet wird, gibt es die Option, eine Baustraße zwischen Wertherstraße und Konsequenz - nahe der Verhaltensforschung - zur Entlastung der Zufahrt über die Voltmannstraße zu bauen. Diese könnte später regulär genutzt werden. "Dafür sind wir offen", sagt Meier von MoBiel. Die Verbindung könnte ein Element sein, "um die Morgenbreede bustauglich zu machen", erklärt er. Vernetzte Mobilität für OWL Dafür muss aber noch mehr passieren. Weil die Straße schmal ist, ist es notwendig, Raum für Haltestellen zu schaffen. Gelänge es, diese Strecke zwischen Hauptgebäude und Wertherstraße für den Busverkehr zu erschließen, könnte zugleich ein weiterer Wunsch der Uni realisiert werden: eine attraktive Verknüpfung von Hochschule und kooperierenden Kliniken in der Stadt durch den öffentlichen Nahverkehr. Während an Planungen für die Anbindung dieses Campus-Teils in absehbarer Zeit gearbeitet wird, widmen sich derweil Wissenschaftler von Uni, FH und der Technischen Hochschule Lippe sowie dem Fraunhofer-Institut in Lemgo einer visionären Frage: "Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus?", fragen sie sich in einer gemeinsamen Studie. Der Titel weist in die Richtung, in die es geht: "Vernetzte Mobilität OWL". Beförderung nach individuellen Bedürfnissen "Sie ermöglicht allen Teilen der Bevölkerung eine Beförderung, die an ihre individuellen Bedürfnisse angepasst ist", erklärt Thorsten Jungblut. Er ist Projektkoordinator. "Das gilt etwa für ältere Menschen oder für Menschen ohne Auto genauso wie für Menschen, die ein Fahrrad transportieren möchten, auf dem Land oder in der Stadt leben. Und es geht darum, zu welcher Zeit man die Beförderung wünscht", führt er aus. Die Forscher wollen herauszufinden, wie Bus, Bahn, Rad und vielleicht autonom fahrende Autos miteinander klug kombiniert werden können mit der Netztechnik. Und nicht nur das: Das Nutzen der Beförderungsmittel soll so einfach und flexibel wie möglich sein. Eine Idee ist zum Beispiel, autonome Busse im ländlichen Raum fahren zu lassen, die keine festen Strecken haben, sondern sich in Korridoren bewegen und jederzeit angefordert werden können, wenn man sie braucht. Irgendwann werden diese Visionen Realität, wenn sie wirklich gewollt sind. Schon vorher aber fährt ein Bus klassisch nach Linie durch die Morgenbreede. Denn das wollen alle ganz sicher - Stadt, Uni, Verkehrsbetriebe und vor allem die zukünftigen Fahrgäste. Mehr Porträts, Analysen, Nachrichten zur Verkehrswende in Bielefeld

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