Adam Marek (Umweltamt) und Grundeigentümer Claus Meyer zu Bentrup genießen den Blick über das neue Gewässer. - © Susanne Lahr
Adam Marek (Umweltamt) und Grundeigentümer Claus Meyer zu Bentrup genießen den Blick über das neue Gewässer. | © Susanne Lahr

Bielefeld Der neue Bielefelder Badesee ist fast fertig

Das zweitgrößte Gewässer der Stadt nach dem Obersee entwickelt sich prächtig. Die ersten tierischen Nutzer sind bereits angekommen. Bald sollen die Gäste des Campingparks Bielefeld anschwimmen.

Susanne Lahr
18.04.2019 | Stand 18.04.2019, 16:41 Uhr

Bielefeld. An dänischen Küsten oder den breiten Stränden am Atlantik kann der Sand nicht schöner sein. Hellgelb und fein liegt der Sennesand an den Ufern des neuen Quelle-Sees. Der blaue Frühlingshimmel spiegelt sich im klaren Wasser. Die ersten Fische, Vögel und Amphibien habe das zweitgrößte Gewässer Bielefelds im Schatten der Hünenburg bereits erobert. Wenn die Gestaltung und Entwicklung weiter so gut vorangeht, können die Gäste des Campingparks Bielefeld im Sommer 2020 anschwimmen. Der See gehört Familie Meyer zu Bentrup, die in Quelle einen landwirtschaftlichen Betrieb samt Hof- und Bioladen sowie den Campingplatz unterhält. Die Chance, einen eigenen Freizeitsee zu entwickeln, ergab sich, als Sandabgrabungen für den Bau der Autobahn 33 im Bielefelder Süden gesucht wurden. Firma Bunte aus Papenburg erhielt den Zuschlag für den Abbau von 900.000 Kubikmetern Sand zwischen Osnabrücker Straße und dem Hof-Gelände. Auch wenn letztlich nicht so viel Sand entnommen wurde wie geplant, reicht es, einen gesunden etwa 5 Hektar großen See entstehen zu lassen. Grundwasserspiegel sehr niedrig Claus Meyer zu Bentrup und Adam Marek vom Bielefelder Umweltamt, das die Abgrabungen begleitet, nutzen den schönen Tag, um beim Quelle-See nach dem Rechten zu schauen. Marek ist froh zu sehen, dass sich weitere Bereiche mit Grundwasser gefüllt haben oder zumindest schon "nasse Füße" haben. Eigentlich sollte das Wasser nämlich schon höher stehen. "Aber wir hatten in den letzten beiden Jahren zu wenig Niederschlag", schildert der Diplom-Geologe. Damit sinkt der Grundwasserspiegel, und der die Hänge des Teutos hinabfließende Oberstrom kann den See nicht wie geplant befüllen. "Das Grundwasser fließt etwa 150 Meter im Jahr", erklärt Marek. Kein aufregendes Tempo, aber der Quelle-See ist damit konstant in Bewegung, denn der abfließende Unterstrom beginnt in der Nähe der Gewächshäuser von Meyer zu Bentrup. Der Wasserpegel wird im Laufe der Zeit noch um etwa einen Meter steigen und der See damit an seiner tiefsten Stelle etwa 7 Meter messen. Damit ist die Gefahr einer Eutrophierung gebannt. 100.000 Kubikmeter Sand abfahren Noch liegen nördlich des Sees hohe Sandberge, Dünen nicht unähnlich. Etwa 100.000 Kubikmeter Sand warten noch darauf vermarktet und von der Haller Firma Wagemann abgefahren zu werden. "Je schneller desto besser", sagt Adam Marek. Danach erst kann das nördliche Seeufer mit den Liegewiesen, Sandstränden und noch fehlendem Steilufer endgültig modelliert werden. Der See an sich mit seinem verschiedenen Flach- und Tiefwasserzonen ist fertig angelegt. Claus Meyer zu Bentrup ist voll des Lobes für die Mitarbeiter der Firma Bunte, die alle Planänderungen klaglos mitgemacht und in die Tat umgesetzt haben. War nämlich anfangs ein eher schlichter rechteckiger See geplant, entsteht nun ein Gewässer, das Natur- und Freizeitbelange gleichermaßen erfüllen soll. "Ich bin überzeugt", sagt Meyer zu Bentrup, "dass beides nebeneinander funktioniert." Im Laufe der Zeit, schildert der 52-Jährige, habe er immer mehr Spaß an der Sache bekommen und die Experten der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne zu rate gezogen.Die ersten Laichketten hängen Und so gehört die Ostseite des Sees künftig den Amphibien. Neben dem Hauptgewässer gibt es eigenständige Bereiche, in denen sich Kröten, Frösche und Molche wohlfühlen sollen und ihr Laich vor den Fischen sicher ist. Dort gibt es auch ein Steilufer, das etwa Uferschwalben und Eisvögel für sich entdecken sollen. "Die ersten Laichketten hängen schon an den Pflanzen", sagt Meyer zu Bentrup, der fasziniert davon ist, wie schnell die Natur solche Biotope für sich entdeckt. In den südlichen Ecken des Sees sollen Vögel und Amphibien in Röhricht, Schilf und unter Seerosenblättern Rückzugsräume finden. An diesem Morgen schwimmen einige Stock- und Eiderenten auf dem Wasser, Lachmöwen kommen vorbei, Nilgänse wandern über den Sand oder sitzen auf dem Dach eines Hochsitzes in dem kleinen Waldstreifen östlich des Sees. Ihre Fußabdrücke sind im Sand überall zu finden. "Der nordwestliche Teil ist hauptsächlich für die Freizeitaktivitäten vorgesehen", schildert Meyer zu Bentrup. Die Liegeflächen und Spielbereiche werden terrassenförmig angelegt, sobald die Sanddünen verschwunden sind. Später wird ein etwa ein Kilometer langer Wanderweg um den Quelle-See herumführen. Schleien gegen Badedermatitis Im Wasser tummeln sich mindestens 500 Schleien, die auf Empfehlung von Hartmut Späh, Sachverständiger für Fischerei und Gewässerökologie, eingesetzt worden sind. Sie sollen dafür sorgen, dass die Badegäste möglichst von Zerkarien-Bissen und einer Badedermatitis verschont bleiben. Bei Zekarien handelt es sich um Larven von Saugwürmer, die normalerweise Wassergeflügel und Schnecken als Wirte bevorzugen. Aber kommen sie auf dem Weg von einem zum anderen an einem Menschen vorbei, dringen sie irrtürmlicherweise in die Haut ein und lösen dort allergische Reaktionen in Form von juckenden Quaddeln aus. "Die Schleien fressen die Süßwasserschnecken und auf diese Weise soll der Kreislauf durchbrochen werden", hat Meyer zu Bentrup gelernt. Wildwuchs und geplante Pflanzungen Während sich viele Bereiche des Quelle-Sees eigenständig entwickeln sollen, sind an anderen Stellen Bepflanzungen geplant. Stachelige Gewächse sollen die Besucher beispielsweise abhalten, in die den Tieren vorbehaltenen Bereiche vorzudringen. Für Vögel sollen Futterpflanzen und Nistmöglichkeiten entstehen, auch für Insekten will Claus Meyer zu Bentrup etwas tun. "Das hat sich alles so nach und nach entwickelt", sagt er und schmunzelt, während sein Border-Collie einen Schluck Wasser aus dem Quelle-See trinkt.

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