Klinikum Mitte: "Wir nehmen jede Beschwerde sehr ernst", betont die Krankenhausleitung. - © Klinikum Bielefeld
Klinikum Mitte: "Wir nehmen jede Beschwerde sehr ernst", betont die Krankenhausleitung. | © Klinikum Bielefeld

Bielefeld Klinikum Bielefeld: Rund 300 Beschwerden bei 150.000 Behandlungen

Eingaben von Patienten werden genau dokumentiert

Bielefeld. In Notaufnahmen von Krankenhäusern treffen verunsicherte, schmerzgeplagte Menschen auf häufig stark belastetes medizinisches Personal. Folge: Beschwerden über lange Wartezeiten gehören noch zu den harmloseren Klagen. Ein Bericht auf nw.de aus der letzten Woche hatte über 200 Reaktion zur Folge. Ein Patient hatte berichtet, dass er fünf Tage lang auf eine Schlüsselbein-OP warten musste. Das sei bei derartigen Verletzungen ein gängiger Behandlungsablauf, sagt die Klinik, räumt aber Kommunikationsprobleme ein. Subjektives Empfinden prallt auf Fachurteil Eine andere Patientin erzählt: "Ich lag sieben Stunden auf dem Flur und dann hatte der Arzt gerade ein Mal zwei Minuten Zeit für mich." Subjektives Empfinden und die fachliche Beurteilung der Situation prallen aufeinander. Gerade in den Notaufnahmen kommt es aufgrund von dringenden Fällen immer wieder zu extremen Wartezeiten. Im Klinikum Mitte, das im Mittelpunkt des Leserechos stand, will man Probleme nicht wegdiskutieren. Zu Einzelfällen könne man aber aus Datenschutzgründen keine Stellung nehmen. Die Statistik zeige jedoch ein anderes Bild. "Über 150.000 Menschen wurden 2018 im Klinikum behandelt. Es gab nur 300 Beschwerden. In die Notaufnahme kamen 38.511 Personen, 16 beklagten sich offiziell. Und Patientenbefragungen haben eine Weiterempfehlungsquote von 91 Prozent erbracht", sagt Sabine Rautenberg, Leiterin des Qualitätsmanagements im Klinikum Mitte. Fachabteilungen werden zu Stellungnahmen aufgefordert Prokurist Bernd Henkemeier betont: "Wir nehmen jede Beschwerde ernst." Neben einer ehrenamtlichen Patientenfürsprecherin gibt es im Klinikum die Beschwerdestelle. Sie ist telefonisch sowie über die Homepage des Klinikums erreichbar und registriert den Großteil der Patientenklagen. "Alle Beschwerden werden genau dokumentiert. Nach einer Aktenrecherche geben wir sie an die Fachabteilungen weiter und fordern sie zu Stellungnahmen auf. Danach erhalten die Beschwerdeführer einen Bericht", sagt Rautenberg. Je nachdem wie die Reaktion der Patienten ausfalle, gebe es zudem Gesprächsangebote. Daran würden häufig Chefärzte teilnehmen. Außerdem würden intern Verbesserungsmöglichkeiten geprüft. "Auch Einzelfälle sind immer wieder Anlass, zu prüfen, ob es Fehlerquellen gibt", sagt Wolfgang Schmidt-Barzynski, Ärztlicher Direktor der Klinik. Schwachpunkte sollen erkannt werden Er verweist auf ein weiteres Instrument, um Schwachpunkte im Krankenhaus zu erkennen: das interne Meldesystem für kritische Vorfälle. "Im komplexen Klinikalltag können immer Fehler auftreten, ganz gleich wie viel Mühe sich die Mitarbeiter geben", sagt Schmidt-Barzynski. Mit dem System haben Mitarbeiter die Möglichkeit, anonym auf kritische Vorfälle in der Patientenversorgung hinzuweisen. "Es geht nicht um Schuldzuweisung, sondern darum, aus Fehlern zu lernen", so der Ärztliche Direktor. Manchmal könnten scheinbare Kleinigkeiten entscheidend sein. Ähnliche Medikamentenampullen zusätzlich mit Farben zu kennzeichnen, um Verwechselungen zu vermeiden, oder bestimmte Erkrankungen unübersehbar in der Patientenakte zu markieren, seien dafür Beispiele. Darüber hinaus erhalten alle Patienten einen Fragebogen. Anonym können sie darauf die Leistungen des Krankenhauses beurteilen. Sabine Rautenberg: "Dort sieht man, wenn bestimmte Dinge immer wieder auffallen. Das ist ein Instrument zur Früherkennung von Missständen."

realisiert durch evolver group