Die provisorische Ersatzbus-Haltestelle hinter dem Hauptbahnhof könnte auf Dauer für Fernbusse genutzt werden. - © Dennis Angenendt
Die provisorische Ersatzbus-Haltestelle hinter dem Hauptbahnhof könnte auf Dauer für Fernbusse genutzt werden. | © Dennis Angenendt

Bielefeld Wo sollen die Fernbusse halten? Das könnte eine Lösung sein

Der Vorschlag des Oberbürgermeisters, den Wechsel zum Hauptbahnhof zu prüfen, weckt die Ratsparteien auf. Eine Doppellösung ist im Gespräch

Bielefeld. Der Vorstoß des Oberbürgermeisters, den Fernbus-Halt vielleicht doch in die Innenstadt zu verlegen, rüttelt die Ratsparteien auf. Pit Clausen (SPD) lässt das Amt für Verkehr prüfen, ob das machbar wäre. Die bisherigen Brackwede-Befürworter sind nachdenklich geworden. Ein Kompromiss könnte die Lösung sein. Vor zwölf Jahren entschied der Rat einstimmig, nach Wegfall der Kesselbrink-Station die Fernbusse alle am Brackweder Bahnhof halten zu lassen. Dann störten sie nicht in der Innenstadt und in Brackwede käme Leben an den schwächelnden Bahnhofsvorplatz. Trotz immer wieder aufflammender Kritik verteidigte die Politik den Standort. Hauptbahnhof als "Mobilitäts-Drehscheibe" Auch die Bahn zeigte sich anfangs skeptisch beim Halt am Hauptbahnhof. Doch sie schwenkte um, begrüßt ihn heute, um die verschiedenen Verkehrsarten zu verknüpfen. Bahnhofsmanager Martin Nowosad stellt sich am Hauptbahnhof eine "Mobilitäts-Drehscheibe" vor, die Bahn mit Bussen, Stadtbahn, Taxen, Radfahrwegen und Fußgängerwegen verbindet. Gerade Bezirkspolitiker in Mitte wehrten sich bisher gegen den Standort Joseph-Massolle-Straße hinter dem Hauptbahnhof, weil sie zu viele Konflikte mit anderen Verkehrsarten befürchten. Doch der derzeitige provisorische Umsteigepunkt dort für die Schienenersatzbusse mit neun Haltebuchten zeigt, dass ein Fernbushalt möglich wäre. "Ganz schönes Gewusel" "Das funktioniert einigermaßen", räumt Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz (SPD), der zu den Skeptikern zählt, ein, "auch wenn es in den Hauptzeiten ein ganz schönes Gewusel ist". Wartende, Fahrgäste, Fußgänger, Radfahrer und Reisende, die aus Autos abgesetzt werden, begegnen sich auf engstem Raum. Nowosad ist mit dem Ablauf am Haltepunkt sehr zufrieden. Damit überzeugte er auch Clausen. Und der hat mit seinem Vorstoß jetzt bei den Ratsparteien Nachdenklichkeit ausgelöst. SPD-Fraktionschef Georg Fortmeier, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, sagt: "Es darf kein Denkverbot geben." Zwar habe man die Entscheidung für Brackwede damals gut abgewogen, aber wenn die Probleme lösbar sind, müsse man das überlegen. Keine "Stinkerbusse" in der City Allerdings müssten einige Kriterien erfüllt sein: Für Brackwede sei eine Alternative erforderlich. Und die alten Diesel-"Stinkerbusse" wolle man nicht in der Innenstadt. Fortmeier: "Die muss man im Zweifel ausschließen." Dafür hätte CDU-Fraktionschef Ralf Nettelstroth, der sich ebenfalls offen für eine Prüfung zeigt, vielleicht die Lösung: Die Busse aus Osteuropa könnten weiter in Brackwede halten, so dass es auch dort vor dem Bahnhof weiter Bewegung gibt. Und die Fernbuslinien wie Flixbus sollten hinter den Hauptbahnhof wechseln: "Das ist für eine Studentenstadt sinnvoll." Für Studentenstadt sinnvoll Ob so eine Aufteilung sinnvoll wäre, müsste geklärt werden. Die neun Haltebuchten allein reichten an der Joseph-Massolle-Straße sicher nicht aus, sagt Fortmeier. Autostellplätze dort seien teils gefährlich, daneben sei die Parkhaus-Zufahrt und für Radfahrer sind Abstellanlagen und eventuell die Trasse eines Schnellwegs von Herford nach Gütersloh im Gespräch. Nettelstroth rät, in Ruhe überlegen, zumal die Übergangshaltebuchen noch zwei Jahre für Ersatzbusse der Bahn wegen Baustellen belegt seien. Allerdings drängt Jan Maik Schlifter (FDP) auf eine schnelle Lösung: "Durch die Starrsinnigkeit von SPD und Grünen wurde viel Zeit verloren." Clausen geht davon aus, dass das Amt für Verkehr noch vor der Sommerpause einen Vorschlag macht. Schlifter will das Thema aber im Mai schon auf die Tagesordnung im Stadtentwicklungsausschuss bringen - mit einer Anfrage über den Prüfungsstand.

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