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Die Sanierung der Schloßhofstraße wird teuer. - © picture alliance / Lino Mirgeler/dpa
Die Sanierung der Schloßhofstraße wird teuer. | © picture alliance / Lino Mirgeler/dpa

Bielefeld Anlieger sauer: Sanierung der Schloßhofstraße wird richtig teuer

Das Amt für Verkehr stellt erstmals Zahlen vor

Sylvia Tetmeyer
12.04.2019 | Stand 12.04.2019, 22:00 Uhr

Bielefeld. Immer mehr Menschen strömen in die Johanniskirche. Am Ende gibt es nur noch einige freie Plätze. Das Amt für Verkehr hatte zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Am kommenden Montag geht es los mit den Bauarbeiten an der Schloßhofstraße. Für die meisten Anwesenden kommt die Veranstaltung deshalb zu spät. "Vor zwei Jahren wurde die Planung vorgestellt. Danach ist nichts mehr passiert. Nun werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt. Das ist in keinster Weise bürgerfreundlich", schimpft ein Mann - und erhält reichlich Applaus. Die Sanierung brennt vielen auf den Nägeln. Kostenpunkt: 4,7 Millionen Euro Dirk Vahrson stellt die groben Züge der Planung und den Zeitplan vor. Dann geht es ans Eingemachte. "Die Kosten betragen 4,7 Millionen Euro brutto", erläutert der Mitarbeiter des Amtes für Verkehr. Dann spricht er erstmals von den Kosten, die auf die Anlieger zukommen. Wer zwischen Voltmann- und Drögestraße wohnt, kann mit 21,50 Euro pro Quadratmeter rechnen. Von Dröge- bis Melanchthonstraße werden 17 Euro fällig. "Das sind für mich 19.000 Euro. Dafür muss ich einen Kredit aufnehmen", sagt eine ältere Dame. Der Bürger soll geschröpft werden Vahrson erklärt, dass die Bescheide nicht vor dem Frühjahr 2023 verschickt werden. Kritik an der Einstufung der Schloßhofstraße wird laut. Anders als bei einer Haupterschließungsstraße wie beispielsweise der Voltmannstraße, fallen die Kosten für die Schloßhofstraße als Anliegerstraße höher aus. "Der Verkehr hat sich aber hier in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt", meint ein Bielefelder und zweifelt den Wert der Verkehrszählung an. "Die hat damals in den Ferien stattgefunden." "Setzen Sie die Rechnungsstellung aus", fordert ein Anlieger auf. Vahrson betont, dass er dies nicht machen dürfe, räumt aber ein, dass Bielefeld die Maximalsätze ausschöpfe. Nicht zuletzt sei es jedoch von der Politik beschlossen worden. Ralph Stührenberg vom Amt für Verkehr erläutert, dass für die Berechnung nicht nur die Grundstücksgröße, sondern auch die Geschossflächenzahl eine Rolle spiele. Ratenzahlung sei möglich. Für die Teilnehmer ist das ein schwacher Trost. "Ich gehe mit dem miesen Gefühl nach Hause, dass aus uns möglichst viel herausgeholt werden soll", betont ein Mann. Dann ist mehrfach von "Schröpfung" die Rede. Ein älterer Herr bringt es auf den Punkt: "An der Straße ist über Jahrzehnte nichts gemacht worden. Die Bürger müssen es jetzt bezahlen." Dir Vahrson räumt ein, dass der letzte Ausbau vor 60 Jahren stattfand. "Anregungen der Anwohner nicht eingeflossen" Nicht nur die hohen Anliegerbeiträge beschäftigen die Anwohner. Einige betonen, dass ihre Anregungen nicht in die Planung eingeflossen sind. Eine Frau weist darauf hin, dass sich in unmittelbarer Nähe vier Schulen befinden. Die Straße erhalte für Radfahrer jedoch nur einen 1,50 Meter breiten Schutzstreifen. "Das ist ein Skandal." Martin Sauer, Bezirksbürgermeister in Schildesche, erklärt, dass die Politiker auch aus diesem Grund Bedenken gehabt hätten, der Planung zuzustimmen. Letztlich sei es ein Kompromiss, da die Straße insgesamt nur 14 Meter breit sei. Wenn der Radfahrstreifen breiter ausfallen würde, könnten die Busse nicht mehr in der Schloßhofstraße fahren. Während der Sperrung, die am Montag, 15. April, zwischen Voltmannstraße und Gerhart-Hauptmann-Straße beginnt, werden die Busse der Linien 25, 26, N2 und die Laborschulfahrten über Drögestraße und Am Brodhagen umgeleitet. Die Haltestellen Drögestraße, Jakob-Kaiser-Straße und Gerhart-Hauptmann-Straße entfallen. Ersatzhaltestellen werden in der Schloßhofstraße und Am Brodhagen eingerichtet. Sperrung an Dornberger Straße Ab Montag müssen sich die Bielefelder zudem auf eine weitere Einschränkung einstellen: Die Dornberger Straße wird ab 7 Uhr etwa 40 Meter vor der Wertherstraße zur Sackgasse. Die Arbeiten werden voraussichtlich am 10. Mai abgeschlossen sein. Grundstückszufahrten bleiben erreichbar. Wer aus der Wertherstraße kommt, kann die Hardenbergstraße nutzen, um zur Dornberger Straße zu gelangen. In der Gegenrichtung geht es über das Johannistal. Für eine gehbehinderte Anwohnerin, die nicht auf das Auto verzichten kann, weil sie damit zur Arbeit fahren muss, ist dies ein Schildbürgerstreich. Schon jetzt sei es morgens im Johannistal sehr voll.

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