Die Abitur-Feiern werden in Bielefeld immer exklusiver. Wir haben ausgerechnet, was Abiturienten inzwischen berappen müssen. - © Symbolfoto Pixabay
Die Abitur-Feiern werden in Bielefeld immer exklusiver. Wir haben ausgerechnet, was Abiturienten inzwischen berappen müssen. | © Symbolfoto Pixabay

Bielefeld Kostenexplosion: So teuer kann das Abi in Bielefeld werden

Mit dem Ball feiern die Abiturienten ihren Abschluss - und so manchen erwartet in dieser Zeit eine böse Überraschung

Alice Mathieu
15.04.2019 | Stand 15.04.2019, 16:26 Uhr
Malin Richter

Carolin Brokmann

Bielefeld. Eine schöne Location, leckeres Essen, gute Musik: Der Abiball will gut geplant sein, schließlich soll er der vorerst schönste Tag im Leben der Schülerinnen und Schüler werden. Doch Kleid, Catering und Co. kosten - und das sind noch lange nicht alle Ausgaben, die auf die Abiturienten zukommen. Eltern klagen, dass die Kosten mittlerweile explodieren. Doch wie teuer ist das Abi wirklich? Anna (Ratsgymnasium), Sarah (Gymnasium Heepen), Felix und Emilie (beide Helmoltz Gymnasium) machen alle dieses Jahr ihr Abitur in Bielefeld. Zusammen mit der NW haben sie die Kosten rund um ihren Abschluss einmal genauer betrachtet. Abiball: Das Helmholtz Gymnasium feiert im Lokschuppen, allein für die Miete müssen die Schüler 2.000 Euro und für das Catering etwa 9.000 Euro aufbringen. Die Miete hängt aber auch sehr von der Ausstattung der Halle ab. Ricarda hat letztes Jahr den Abiball der Friedrich-von-Bodelschwingh Schulen mitorganisiert. „Wir haben letztes Jahr nur etwa 3.200 Euro für unsere Location, die Stadthalle, bezahlt. Das Catering war dagegen richtig teuer: "Mehr als 35.000 Euro haben wir dafür ausgeben", sagt sie. 100 Euro für ein Kleid ist günstig Für die passende Musik des Abends sorgt ein DJ. Um die aber überhaupt spielen zu dürfen, wird eine Gema-Gebühr fällig. Dazu kommt der Fotograf, der die schönsten Momente des Abends festhält und ein Sicherheitsdienst. Das kann schnell noch einmal 1.800 Euro kosten. Outfit: „Die meisten Kleider kosten zwischen 100 und 300 Euro oder noch mehr", erklärt Anna. Auch Sarah wollte eigentlich nur höchstens 300 Euro ausgeben. Letztlich musste ihre Mutter dennoch dazu zahlen, 500 Euro kostete Sarahs Traumkleid. „Das ist mega teuer, aber ich wollte schon ein Besonderes haben", meint sie. Haare und Make Up macht eine Bekannte für sie umsonst, Schuhe will sie günstig online bestellen. Auch die Jungs, wie etwa Felix, zahlen für einen passenden Anzug schnell um die 300 Euro. Abibuch: Neben dem Abschlussball spielt auch dies eine besondere Rolle. Berichte über Studienfahrten, Leistungskurse, die besten Zitate der Lehrer: Alles, was die Schulzeit geprägt hat, wird hier verarbeitet. Über Werbepartner und Sponsoren wird der Druck größtenteils finanziert. Trotzdem haben die Schüler 10 bis 15 Euro pro Stück veranschlagt. Jeder Tag der letzten Schulwoche wird in Szene gesetzt Studienfahrt: Im letzten Jahr fahren viele mit ihren Leistungskursen noch einmal auf Abschlussfahrt. Je nachdem, wo die Reise hingeht, kann das auch teuer werden: 200 bis 250 Euro zahlten etwa die Schüler des Helmholtz-Gymnasiums. Mottoshirts: Ob „LABIrinth - Planlos zum Ziel" oder „KohlrABI - Wir machen uns vom Acker" - jeder Jahrgang hat ein mehr oder weniger kreatives Motto. Schon Monate vor dem Abschluss werden damit dann T-Shirts oder Pullover bedruckt und für 30 bis 40 Euro verkauft. Mottowoche: Jeder Tag der letzten Schulwoche für die Abiturienten wird in Szene gesetzt, dazu kommt der Abistreich. Zwar muss nicht immer alles neu angeschafft werden und einige beteiligen sich auch nur an einzelnen Tagen, dennoch können sich auch hier die Kosten anhäufen. Für den Chaostag veranschlagt das Helmholtz Gymnasium außerdem eine Kaution von 2.000 Euro, die zwischen den Schülern aufgeteilt wird. Abiparty: Die Bielefelder Abiturienten feiern zusammen mit Freunden, Bekannten und Gästen anderer Schulen. Dafür müssen sie die Miete von etwa dem „Sam's" aufbringen und nehmen durch den Kartenverkauf selten mehr als die ausgelegte Summe ein. "Die Schüler lernen den Umgang mit Geld und Verantwortung" Finanzierung: Über den Verkauf von Kuchen, Waffeln und Sandwiches haben die Schüler bereits einen Teil der Ausgaben wieder eingenommen. Dazu haben sie die Karten für den Abiball schon ziemlich früh verkauft, je nach Schule entsteht hierbei ein erneuter Preispunkt von 30 bis 40 Euro, beim Ratsgymnasium sind es dieses Jahr sogar 45 Euro pro Karte. Das Gymnasium Heepen will die Preise noch weiter reduzieren: Gerade nehmen sie an einem Videowettbewerb Teil, bei dem Abiturjahrgänge bis zu 2.000 Euro für ihre Abiballkasse gewinnen können. Vor gut einem Jahr haben die Schüler mit der Planung angefangen. Verschiedene Komitees haben sie gebildet, ein Konto für das Geld eingerichtet. "Manchmal denke ich, es wäre besser, die Schüler steckten ihre Energie mehr ins Lernen als in die Planung", gibt ein Paderborner Lehrer zu bedenken. Es werde immer mehr gemacht, es habe sich aber auch eine gewisse Routine eingestellt, so seine Beobachtung. "Die Schüler lernen von den vorherigen Jahrgängen. Und sie lernen auch den Umgang mit Geld und Verantwortung." Kosten pro Kopf 700 Euro können so an Kosten für jeden Schüler locker zusammenkommen - zumindest, wenn man an allen Veranstaltungen teilnimmt. Es stehe aber jedem frei, ob er zum Ball komme, ein T-Shirt kaufe oder nicht. Dieter Cohnen, Vorstandsmitglied der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW, findet es richtig und wichtig, den Abschluss gebührend zu feiern. "Die Kinder wollen es, und die Eltern ziehen mit", sagt er. "Aber die Veranstaltungen werden immer größer und exklusiver, das ist nicht die richtige Richtung." Und die Eltern haben nicht nur das zu bezahlen: Sarah will nach ihrem Abitur am Gymnasium Heepen ein Jahr „Work-and-Travel" machen. Auch dafür muss ihre Mutter drei Viertel der Kosten aufbringen. Dazu kommt, dass viele in dieser Zeit auch noch ihren Führerschein machen. Da waren Sarahs Eltern allerdings vorausschauend: „Für den Führerschein hatte ich ein Sparbuch, das meine Eltern direkt nach meiner Geburt eingerichtet haben." Wer nicht so viel Glück hat, den kann in der Abiturzeit eine böse Überraschung erwarten.

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