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Jörg Trauboth gilt als Experte für Entführungen und Terrorismus in der ganzen Welt. Am Donnerstag kommt der Bielefelder in seine Heimatstadt zurück, um aus seinem zweiten Polit-Thriller zu lesen. - © andreas frücht
Jörg Trauboth gilt als Experte für Entführungen und Terrorismus in der ganzen Welt. Am Donnerstag kommt der Bielefelder in seine Heimatstadt zurück, um aus seinem zweiten Polit-Thriller zu lesen. | © andreas frücht

Bielefeld Dieser Bielefelder hat mit Entführern in der ganzen Welt verhandelt

Jörg Trauboth war Entführungsverhandler und Risikomanager in der ganzen Welt. Aus diesen Erfahrungen schöpft der Bielefelder nun schon Stoff für seinen zweiten Polit-Thriller.

Jens Reichenbach
10.04.2019 | Stand 10.04.2019, 16:40 Uhr

Bielefeld. Er ist als ehemaliger Kampfpilot und Krisenmanager für Entführungen und Geiselnahmen in der ganzen Welt gewesen. Heute hat der frühere Bielefelder Jörg Trauboth (76) zahlreiche Medienauftritte als Terrorismusexperte. Große Teile seines Wissens über Terroristen, Geheimdienste und Diplomaten stecken nun auch in seinem zweiten Polit-Thriller "Operation Jerusalem". Mit seinem Erstling "Drei Brüder" thematisierte er die Gräueltaten des Islamischen Staates. In seinem neuen Buch geht es um die Erpressung des fiktiven US-Präsidenten George F. Summerhill - ein Gegenmodell von Donald Trump: gebildet, weltoffen und international beliebt. Auch in diesem Thriller treten Terroristen auf, die im Auftrag eines iranischen Revolutionsgardisten mit einer Geiselnahme den Frieden in der Welt torpedieren wollen: Sie fordern die Aberkennung Israels. Als Oberst der deutschen Luftwaffe in der NATO und als internationaler Krisenmanager habe der heute 76-Jährige fortlaufend mit politischen Verwerfungen, auch erpresserischen, zu tun gehabt. Was fasziniert ihn bis heute an diesem Machtspiel zwischen Entführer, Verhandler und Opfer? "Das Entführungsszenario ist für einen Autor in der Tat faszinierend. Das Geschäft Leben gegen Geld beinhaltet jene Mischung aus Sachkompetenz, Emotionen und einer ungeheuren Handlungsdramatik, die mir aus über 300 Entführungsfällen sehr vertraut ist." Er hatte Entführungslagen in Mexiko, Brasilien und Russland zu lösen Trauboth gibt zu, dass er in den letzten Tagen erschrocken sei, "wie sehr die Wirklichkeit mein Buch gerade einholt". Mit Donald Trumps Einstufung der iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation habe der Präsident seine Fiktion sogar übertroffen. Der erfahrene Verhandler, der in seiner Funktion als "Special Risk Consultant" für ein internationales Sicherheitskrisenteam Erpressungs- und Entführungslagen in Kolumbien, Mexiko, Brasilien und Russland zu lösen hatte, weiß wie Geheimdienste und Diplomaten ticken. Zu Trumps Politik sagt er: "Dieser US-Präsident setzt mit seiner Israel-Politik gegen den Rat des Pentagon und des CIA auf eine ganz gefährliche Karte: Er will den Iran soweit in die Enge treiben, damit das Volk kollabiert und sich gegen die religiöse Diktatur erhebt". Dass das passiere sehe er allerdings nicht. "Der Iran wird als letzten Ausweg den Erzfeind Israel angreifen, beziehungsweise Terroranschläge in den USA verüben." Derartige Szenarien finden sich laut dem Autoren auch in "Operation Jerusalem". "Durch Trumps Politik droht eine ernste Eskalation in Nahost" Trauboth hält diese neue US-politische Marschrichtung für möglich: "Möglicherweise arbeiten die USA zusammen mit Israel auf eine derartige Bedrohungssituation zu, um den verhassten Iran endgültig in die Knie zu zwingen." In seiner Fiktion warne der Bielefelder Terror-Experte vor einem vernichtenden Krieg, bei dem Russland, China, Saudi Arabien und sogar die Türkei mit hineingeraten. Trauboth ist aber auch in der Realität beunruhigt: "Ja, eine Eskalation in Nahost droht." Nach den Anschlägen in Europa hatten auch in Deutschland im vergangenen Jahr die meisten Bürger Angst vor Terror. Laut Trauboth richtet sich die kollektive Angst jetzt aber deutlich gegen die Trump-Politik: "Die Menschen haben begriffen, dass dieser US-Präsident, der sein Land regiert wie eine Immobilienfirma, gefährlich für unseren Frieden und Wohlstand ist. Die Welt wird eine Regierungsperiode mit einem blauen Auge überstehen. Eine zweite Amtszeit wird die internationale Ordnung so auf den Kopf stellen, wie wir es vor zwei Jahren nicht vorhergesehen haben." "Vertraue auf wirtschaftliche und demokratische Kraft Europas" Trauboth befürchtet, dass "dieser Präsident die NATO verlässt. Dann taumelt Europa in eine gefährliche Sicherheitssituation, denn Putin arbeitet längst an einem geschwächten Europa und würde entsprechend handeln." Trotzdem bleibe er optimistisch: "Ich vertraue auf die Selbstheilungskräfte einer erneuten EU, auf die unglaubliche wirtschaftliche und demokratische Kraft, die in unserem Land steckt und auch auf die Jugend, die gerade aufsteht, um die wahren Probleme dieser Welt anzugehen. Und das ist allem voran die Verhinderung der Klimakatastrophe."

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