Einkaufen in der Bielefelder Innenstadt. - © Andreas Frücht
Einkaufen in der Bielefelder Innenstadt. | © Andreas Frücht

Bielefeld So trotzen die Bielefelder Kaufleute dem mächtigen Online-Handel

"Online tut nicht unbedingt weh", sagen die Altstädter Kaufleute in Bielefeld. Dennoch setzen sie der Online-Konkurrenz bewusst etwas entgegen

Heidi Hagen-Pekdemir
04.04.2019 | Stand 05.04.2019, 17:31 Uhr

Bielefeld. Die Verbraucher sind in Konsumlaune - doch nicht jeder niedergelassene Händler profitiert davon. Der Druck des Onlinehandels wächst. Wie die Altstädter Kaufleute sich darauf einstellen, erläutern die Vorstandsmitglieder kurz vor dem nächsten Late Night Shopping an diesem Samstag von 15 bis 22 Uhr. Das Motto: "Hut ab". Einen Erlebniseinkauf wie in der Altstadt könne kein Onlineshop bieten, darin sind sich alle einig. "Allerdings müssen wir dafür vollen Einsatz leisten", sagt Saskia Meyer. Die Modehändlerin vom Gehrenberg (Herzstück) sucht den persönlichen Kontakt zu ihren Kundinnen, indem sie über den Eingang neuer Ware informiert, auf Wunsch auch Teile in der gewünschten Größe nachbestellt oder beim Einkauf einen Kaffee und Prosecco anbietet. "Dann ist meist auch die Bereitschaft da, für einen hochwertigen Artikel den entsprechenden Preis zu bezahlen." Ein ähnliches Konzept verfolgt Jörg Göbel (van Laack). Bei dem Textilhändler ist es die Ginbar, aus der er seiner Kundschaft beim Maßnehmen für das neue Hemd oder den Anzug einschenkt. "Wir sollten schon etwas Besonderes bieten" "Wir niedergelassenen Kaufleute bieten einen Mehrwert, und das sehe ich auch als eine unserer wichtigsten Aufgaben an", betont Axel Deppe. Ein besonderes Ambiente, individuelle Beratung und Service - damit könne man punkten. "Allein der Hinweis darauf, dass wir Fachhändler sind, rechtfertigt noch keine höheren Preise. Wir sollten schon etwas Besonderes bieten, dann honoriert das der Käufer auch und schenkt uns sein Vertrauen." "Man muss diejenigen Produkte aussuchen, die zum jeweiligen Geschäft passen", sagt Katja Führmann (Partikel). An der Neustädter Straße bietet sie seit elf Jahren handgefertigte Accessoires an, bevorzugt Artikel, die online nicht erhältlich sind. Von ihren Lieferanten weiß sie, dass die ebenfalls auf individuelle Beratung beim Händler achten, damit Endverbraucher umfassend über die Ware informiert werden. "Selbst nach zehn Jahren wird das hier noch gut funktionieren" Die Zukunft des Einzelhandels? Thomas Renken ist optimistisch. "Selbst nach zehn Jahren wird das hier noch gut funktionieren", ist er überzeugt. "Manche beratungsintensiven Produkte wie etwa besondere Brillen gibt es doch online überhaupt nicht", so der Optiker. "Online tut nicht unbedingt weh", räumt abschließend Henner Zimmat ein. Nach Auffassung des Vorsitzenden der Kaufmannschaft biete es den Verbrauchern eine Möglichkeit, sich vor ihrem Einkauf vor Ort über das Angebot zu informieren. Lesen Sie auch: Test: So kann man in Bielefelder Geschäften richtig sparen Interview: "Altstadt kann vom Loom profitieren"

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