Gähnende Leere: Die Fläche hinter Musikschule und Bäckerei - Richtung Erdbeerfeld -bietet noch ein eher betrübliches Bild. Hier soll der neue Aldi plus Parkfläche entstehen. - © Andreas Zobe
Gähnende Leere: Die Fläche hinter Musikschule und Bäckerei - Richtung Erdbeerfeld -bietet noch ein eher betrübliches Bild. Hier soll der neue Aldi plus Parkfläche entstehen. | © Andreas Zobe

Bielefeld Streit um geplanten Bielefelder Aldi

Teile der Bezirkspolitik wollen den eingeschossigen Discounter-Neubau um Wohnungen aufstocken

Bielefeld. Der geplante Aldi-Markt an der Windelsbleicher Straße gegenüber dem geschlossenen Hotel zur Spitze sorgt für kontroverse Debatten, noch bevor sich auf dem Gelände überhaupt irgendwas getan hat. In der Bezirksvertretung (BZV) diskutierten nun die Bezirkspolitiker darüber, ob dort nur ein einstöckigen Markt oder auch ein mehrgeschossiges Gebäude (plus Wohnungen,Geschäftsräume oder Ähnliches) gebaut werden sollte. "Ein Investor sollte nicht mehr soviel Platz verbrauchen", argumentierte Christoph Heinrich Rohde (Grüne). Statt dessen sei "Einzelhandel und Wohnungsbau" zu kombinieren.Zudem solle der Markt, so Rohde, "weg vom Erdbeerfeld, hin zur Windelsbleicher Straße" errichtet werden. Die Erfahrung zeige, dass der Einzelhandel rund zehn Jahre an einem Platz bleibe. "Dann zieht er weiter - und wir haben dort so einen Schuhkarton", führte Rohde aus. So werde viel Fläche und Höhe vergeudet. Und das an einer Stelle, an der ursprünglich Wohnen geplant worden sei. Bei einem solchen "Supergrundstück" solle man dem Investor daher auch deutlich machen, dass "wir einen etwas anderen Baukörper wollen". Zudem habe der ja sogar schon einen "Plan B" vorbereitet. Deshalb solle die BZV nicht darauf eingehen, '"wenn uns der Investor die Pistole auf die Brust hält und sagt, sonst geht er weg". Statt Wohnbebauung Dach begrünen CDU-Bezirksvertreterin Carla Steinkröger erinnerte daran, dass es bereits einen Aufstellungsbeschluss gebe. Sie sprach sich dafür aus, prüfen zu lassen, ob es an dieser Stelle überhaupt möglich sei, "eine Wohnbebauung draufzusetzen".Wenn nicht, könnte ja beispielsweise das Dach begrünt werden. Und, mit Verweis auf die Bürgerbeteiligung: "Die Bewohner von Breipohls Hof möchten den Markt nicht an der Straße." Dass Einzelhandel grundsätzlich durch Wohnungen aufgestockt werden sollte, das habe der Stadtentwicklungsausschuss beschlossen, erinnerte SPD-Bezirksvertreterin Angela Neumann. In Berlin gebe es Projekte, wo Aldi gezeigt habe, dass er seine Filialen "sehr gut" mit Wohnungen darüber kombinieren könne. "Wo es rechtlich möglich ist, da sollte es auch gemacht werden", bekräftigte sie. Komplett dagegen war Ralf Ahlemeyer (CDU). Es gebe sicherlich gute Standorte für einen Markt mit Wohnungen. "Aber hier macht es keinen Sinn, weil wir eine Höhe bekommen, die die ganze Perspektive komplett verdirbt." Es gab noch einen weitere Streitpunkt in Zusammenhang mit dem geplanten Umzug des Discounters, der jetzt noch am Marktplatz logiert, auf das Grundstück an der Windelsbleicher/Friedrichsdorfer Straße: die Fortschreibung des gesamtstädtischen Einzelhandels- und Zentrenkonzepts und dessen Auswirkungen in Senne. Darin ist nämlich vorgesehen, den "zentralen Versorgungsbereich Windelsbleicher Straße" bis zum geplanten Aldi-Markt zu erweitern. Damit, so die Verwaltung, sollen "Perpektiven zur Stärkung der Grundversorgung im Stadtbezirk" eröffnet werden. Allerdings nur auf einer Straßenseite: Dort, wo das Hotel zur Spitze steht, soll alles beim Alten bleiben, außerhalb des Einzelhandelskonzepts. Dieser Bereich sei zum einen "maßgeblich durch Wohnbebauung geprägt", begründet die Verwaltung das, zum anderen "wäre eine weitere Ausweitung nicht darstellbar, ohne die Entwicklungsmöglichkeiten des Bereichs rund um den Senner Markt vor allem im Hinblick auf mögliche künftig entstehende Leerstände einzuschränken". Caritas zieht ins Hotel zur Spitze Die eine Seite ja, die andere nicht - das sei nicht nachvollziehbar, meinte Ilona Neumann. Die Zur-Spitze-Seite müsste auch mit Blick auf die neue Nutzung des Hotels miteinbezogen werden. Dort will, wie berichtet, der Caritasverband Bielefeld in Zukunft zwei Pflegewohnungen und eine Tagespflege betreiben. Das sei aber auch ohne Ausweitung des Zentrenkonzepts zulässig, erklärte Jessica Volke vom städtischen Bauamt in der Sitzung. Gleichwohl:Die vorgesehene "massive Ausweitung" (Rohde) des Einzelhandelskonzepts - und das nur auf einer Straßenseite - stieß in der Bezirksvertretung bei einigen Politikern auf wenig Gegenliebe. "Ich kann nicht erkennen, wo die Stadtentwicklung hingehen soll", monierte der grüne Bezirksvertreter. "Ich habe massive Schwierigkeiten mit dieser ,Mall`. Wir gehen raus aus der Ortsmitte und dann irgendwo hin?" Er glaube zudem nicht, dass Senne so viel Einzelhandel überhaupt brauche. "Einseitiges Straßendorf"; brachte Alexander von Spiegel (UBF) das Vorhaben auf einen kurzen Nenner. Für CDU-Bezirksvertreter Ahlemeier dagegen sind die Marktplatz und "Mall" auf der einen Straßenseite durchaus akzeptabel und für Senne ausreichend - zumal, wenn in den jetzigen Aldi-Standort im Zentrum ein Drogeriemarkt einziehe. Bezirksbürgermeister Gerhard Haupt versuchte abschließend, die Befürchtungen mit dem Hinweis zu entkräften, dass man durch das Konzept ja nur einen Rahmen schaffe: "Was wir in diesem Rahmen machen, das haben wir noch nicht beschlossen." Ja zum Einzelhandelskonzept Die Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes wurde schließlich bei Stimmengleichheit angenommen. Zudem soll die Verwaltung nun prüfen, ob der neue Aldi-Standort nicht Sonder-, sondern Kerngebiet sein könnte und ob über den Markt auch Wohnungen gebaut werden könnten. Einem Vorrücken des Marktes an die Windelsbleicher Straße, wie von Rohde gefordert, erteilte das Gremium mehrheitlich eine Absage.

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