Nach Bekanntwerden der Fahrerflucht ging ein Aufschrei der Empörung durch Bielefeld. Zahlreiche Medien berichteten über den Unfall, bei dem der kleine Dilyan (kl. Foto) verletzt auf der Brückenstraße liegen blieb. - © Oliver Krato
Nach Bekanntwerden der Fahrerflucht ging ein Aufschrei der Empörung durch Bielefeld. Zahlreiche Medien berichteten über den Unfall, bei dem der kleine Dilyan (kl. Foto) verletzt auf der Brückenstraße liegen blieb. | © Oliver Krato

Bielefeld Den kleinen Dilyan angefahren und liegen gelassen: Geldstrafe

Der 28-jährige Bielefelder hatte nach einem Unfall seine Fahrt fortgesetzt. Ein Zeuge machte ihn kurz darauf ausfindig und brachte ihn zum Ort des Geschehens zurück

Bielefeld. Es ist der Albtraum eines jeden Autofahrers: Plötzlich läuft ein Kind auf die Straße, ein Unfall ist trotz Vollbremsung nicht mehr zu verhindern. Mit dieser Situation sah sich am 5. Juli der 28-jährige Bielefelder Michael D. (Name geändert) konfrontiert. Der Audi des Manns erfasste einen Jungen - doch statt sich um das Kind zu kümmern, setzte D. seine Fahrt fort. Das Amtsgericht verurteilte ihn gestern wegen Unfallflucht zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 30 Euro. "Hätten Sie damals angehalten, säßen wir heute nicht hier", sagte Oberstaatsanwältin Ute Beckmann in ihrem Plädoyer zum Angeklagten. Den Unfall werfe D. niemand vor - wohl aber die falsche Entscheidung, sich vom Ort des Geschehens zu entfernen. Der Angeklagte entschuldigte sich bei Dilyan und seiner Familie An jenem Abend war der damals sechs Jahre alte Dilyan in Höhe des Kiebitzwegs einem weggerollten Ball hinterher auf die Brückenstraße gelaufen. Dort erfasste ihn der Audi des Angeklagten frontal, das Kind wurde auf die Motorhaube geschleudert. Michael D., der das Kind nach eigenen Angaben "wie einen Schatten von links" wahrgenommen hatte, bremste kurz und verfiel offenbar in Panik: Er fuhr weiter bis zum Marktkauf, wo er einkaufen ging. Einer der ersten Zeugen am Unfallort war der 34-jährige Nils Winkler. Nachdem die Erstversorgung des Kinds sichergestellt war, begab sich Winkler auf die Suche nach dem Unfallfahrer - und wurde auf dem Marktkaufparkplatz fündig. Der Zeuge sprach D. auf den Schaden an dessen Auto an. Nach anfänglichem Leugnen ließ dieser sich davon überzeugen, zurück zur Unfallstelle zu fahren. Der Führerschein des Mannes wurde noch am selben Abend eingezogen. Entgegen ersten Berichten war Dilyan bei dem Unfall glücklicherweise nur leicht verletzt worden, trotzdem musste er ein paar Tage im Krankenhaus bleiben. Michael D. befindet sich seither in regelmäßiger psychologischer Behandlung. Auch wertete das Gericht zugunsten des Angeklagten, dass er in der Folgezeit die Familie des Jungen besucht, sich entschuldigt und nach dem Kind erkundigt hatte. Auf die Frage, wie er damals von der Familie aufgenommen worden sei, sagte D.: "Herzlich, ausgesprochen herzlich." Der Angeklagte und sein Verteidiger Alexander Ebner nahmen das Urteil an.

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