Familie Stricker im Sucheinsatz: hier vor einem ihrer selbstgestalteten Banner, das an der Beckhausstraße, Ecke "An der Reegt" hängt. Tochter Lina (4) zeigt eine der Postkarten, die sie mit ihren Eltern Angelika (37) und Benjamin (36) und Brüderchen Maximilian (1) verteilt hat. - © Sarah Jonek
Familie Stricker im Sucheinsatz: hier vor einem ihrer selbstgestalteten Banner, das an der Beckhausstraße, Ecke "An der Reegt" hängt. Tochter Lina (4) zeigt eine der Postkarten, die sie mit ihren Eltern Angelika (37) und Benjamin (36) und Brüderchen Maximilian (1) verteilt hat. | © Sarah Jonek

Bielefeld Verzweifelt: Bielefelder Familie sucht ein Haus - mit allen Mitteln

Explodierte Immobilienpreise: Familie Stricker greift zu ungewöhnlichen Maßnahmen und sucht mit Bannern, Türanhängern und Postkarten ein neues Zuhause. Das Traumhaus war noch nicht dabei, aber gute Kontakte

Bielefeld. Verdammt schwierig, egal ob Miete oder Eigentum: Ein Haus ist für viele Familien aufgrund der rasant gestiegenen Preise kaum noch zu bezahlen (die NW berichtete). "Und es gibt so viele, die wie wir suchen", sagt Angelika Stricker. "Da muss man sich irgendwie abheben." Gesagt, getan: Mit selbst gestalteten Postkarten und Anhängern ging's vor zwei Jahren los. Jetzt hat die junge Familie an prägnanten Stellen in Schildesche, Quelle und Senne große Banner aufgehangen. Ihren anfänglichen Slogan "Junge Familie sucht altes Haus" haben sie da etwas abgekürzt. "Damit die Botschaft noch schneller klar wird", sagt Benjamin Stricker, gelernter Dachdecker und Innenarchitekt. Bereits seit der Geburt von Tochter Lina (4) sucht die junge Familie, die in einer Dreizimmerwohnung am Frölenberg in Brackwede lebt, ein größeres Zuhause. Über Zeitungsanzeigen, Immobilien-Datenbanken und Makler. "Aber es ist wirklich schwer, die Preise sind total überzogen, der Markt ziemlich leer", sagt Benjamin Stricker. Er und seine Frau wollen "nichts geschenkt haben", nur einen irgendwie realistischen, fairen Preis zahlen. "Und nicht 350.000 Euro für ein renovierungsbedürftiges Reihenhaus mit Mini-Grundstück, dazu noch in unattraktiver Lage." "Wenn es mal ein gutes Angebot gab, hatten wir oft vor lauter Interessenten gar keine Chance zur Besichtigung", ergänzt Angelika Stricker. Ihre jetzige Wohnlage, der Brackweder Südhang, gehört neben Dornberg, Gadderbaum und Schildesche mit zu den begehrtesten in der Stadt. "Hier etwas zu finden, ist fast utopisch", ergänzt Angelika Stricker. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Kreative Werbung in eigener Sache  Spaziergänge mit Tochter Lina - und seit einem Jahr ist auch Sohn Maximilian dabei - nutzt die Familie, um selbstgestaltete Anhänger mit ihrem Gesuch an Haustüren in der Nachbarschaft, aber auch in anderen Stadtteilen, zu verteilen. Außerdem legen Strickers immer wieder entsprechenden Postkarten in Geschäften, beim Frisör oder in Arztpraxen aus. Ein "Haus mit Charakter, das sie mit Liebe zum Detail und Sachverstand aus dem Dornröschenschlaf erwecken und dem sie zu neuem Charme verhelfen können", sucht die junge Familie. Etwa 130 bis 150 Quadratmeter, vier Zimmer, ein netter Garten: das wäre der Traum. Eine Preisobergrenze will das Paar nicht nennen. "Aber wir haben das alles genau durchgerechnet, wissen, was wir ausgeben können, um dann auch noch ins Haus investieren zu können", sagen die beiden. Einiges an Zeit und Geld hat die junge Familie in ihre Haussuche gesteckt. Manchmal sei es auch frustrierend. "Aber auch ein bisschen wie Schatzsuche", ergänzt Angelika Stricker. Viel positive Resonanz hätten sie schon bekommen. Und auch schon einige konkrete Angebote. Das passende Haus war allerdings bisher noch nicht dabei. "Meist lag es dann letztendlich doch am Preis." Aber es sei spannend gewesen, sich ganz unterschiedliche Objekte angucken zu können. Da habe man einiges zu erzählen. "Das erste Haus, das wir uns auf die Postkartenaktion hin angucken konnten, haben wir James-Bond-Haus genannt", berichtet die 37-Jährige. Ein ziemlich großer Bungalow in Quelle, in dem zuvor ein Krimi gedreht worden war. "Deshalb war dort alles wie in den Siebziger Jahren, aber ganz neu." Viele Menschen wollen die junge Familie unterstützen  Auch ein Herr, der zwar selber kein Haus zu verkaufen hatte, aber jemanden kannte, habe sich gemeldet. "Weil er unsere Einsatz so gut und die Idee so nett fand", sagt Angelika Stricker. Auch andere wollen die junge Familie unterstützen: Der Augenarzt, der die Initiative so sympathisch findet, hat spontan versprochen, sich umzuhören. Oder eine ältere Dame, die erst skeptisch zugeschaut hat, wie Strickers am Kreisel in Quelle den ein mal drei Meter großen Banner aufgehangen hat. "Dann kamen wir ins Gespräch und sie hat uns von einem leerstehenden Haus in der Nähe erzählt", berichtet Benjamin Stricker. Ins Gespräch kommen, genau darum gehe es. Es würden nicht täglich zehn Leute anrufen. Aber die Mühe lohnt sich, da sind sich Strickers ganz sicher. Bei ihrer Werbung gehe es ja nicht um Masse. "Wir suchen ja nur das eine Haus." Und irgendwann werde das sie finden. Am liebsten soll es aber nicht mehr allzulange dauern, denn in zwei Jahren kommt Lina in die Grundschule. Bis dahin hoffen sie, ein schönes Zuhause gefunden zu haben. Damit die Kinder sich vor Ort Freundschaften aufbauen können. Kontakt: JungeFamiliesuchtaltesHaus@gmx.de oder Tel. 0179-4294295.

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