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Ort der Trauer: Zahlreiche Bielefelder haben vor dem Haus. in dem die Kleinkinder getötet wurden, Kerzen, Plüschtiere und Blumen abgelegt. - © Dennis Angenendt
Ort der Trauer: Zahlreiche Bielefelder haben vor dem Haus. in dem die Kleinkinder getötet wurden, Kerzen, Plüschtiere und Blumen abgelegt. | © Dennis Angenendt

Bielefeld Bielefelder gab schon beim Notruf Kindstötung zu

Mordkommission Ziegel: Als der 41-Jährige bemerkte, dass er sterben könnte, rief er die Rettung. Ermittlungen jetzt wegen zweifachen Mordes

Jens Reichenbach
14.03.2019 | Stand 14.03.2019, 06:37 Uhr

Bielefeld. Dass der 41-jährige Vater am vergangenen Sonntag seine beiden Kinder im Alter von ein und zwei Jahren getötet hat, scheint inzwischen so gut wie sicher zu sein. Wie die ermittelnde Staatsanwältin Claudia Bosse berichtete, hatte der Bielefelder schon beim Notruf eingeräumt, seine Kinder getötet zu haben. Die „Mordkommission Ziegel" geht davon aus, dass sich der 41-Jährige zum Zeitpunkt seines Anrufs bereits die Adern am Ellenbogen aufgeschnitten hatte. Der bereits Schwerstverletzte nahm dann aber offenbar von seinem Suizidvorhaben wieder Abstand: „Er sagte am Telefon, dass er dringend Hilfe benötige, sonst würde er nicht überleben", berichtet Bosse. Während dieses Notrufs fragte der Disponent der Feuerwehr-Leitstelle weiter nach. „Dabei räumte der 41-Jährige ein, bereits seine zwei Kinder getötet zu haben", sagte Bosse. Der Disponent war so konsterniert, dass er nochmals nachfragte: „Habe ich das richtig verstanden?" Der Beschuldigte reagierte laut Bosse auf diese Nachfrage mit „Ja". Nun wird ermittelt "wegen zweifachen Mordes" Gegen den 41-Jährigen wird deshalb inzwischen wegen „zweifachen Mordes" an seinen Kindern ermittelt. Eine bekannte psychische Erkrankung des Beschuldigten habe nach dem jetzigen Kenntnisstand der Ermittler nicht vorgelegen. Sehr wohl muss sich der 41-Jährige auch durch finanzielle Probleme und die kürzliche Trennung von seiner Partnerin in einem Ausnahmezustand befunden haben. Wie berichtet, hatte er vor Bekannten noch am Tag vor der Tat einen radikalen Wechsel in seinem Leben angekündigt. Er soll sich sogar nach illegalen Schusswaffen erkundigt haben. Die Mutter hatte tatsächlich gegenüber der Polizei geäußert, Angst vor dem 41-Jährigen zu haben. Wie Polizeisprecherin Sonja Rehmert gestern mitteilte, gab es Mitte Januar wegen der bevorstehenden Trennung ein Beratungsgespräch der 27-Jährigen mit einem Sachbearbeiter für Häusliche Gewalt. Die Mutter fürchtete seine Aggressivität „Anhaltspunkte für vergangene Straftaten oder akute Gefahren ergaben sich dabei aber nicht", so Rehmert. Einen Polizeieinsatz gab es indes nie. Der Beschuldigte sei nicht wegen Gewalttätigkeiten oder Häuslicher Gewalt aktenkundig, sagte auch Bosse. Dennoch fürchtete die Partnerin nach der Trennung die Aggressivität des 41-Jährigen. Inzwischen wurde die Mutter auch von der Mordkommission befragt: „Trotzdem bleibt das Motiv des Vaters weiterhin unklar und spekulativ", betont Bosse. Eine Vernehmung des Beschuldigten war noch nicht möglich. Bis heute kämpfen die Ärzte im Krankenhaus um das Leben des 41-jährigen Mannes.

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