Spielmacher: Yalcin Dündar, hier noch als Dealer, ist nun nur noch in Ausnahmefällen direkt am Tisch tätig. Stattdessen rückte er ins Management auf. - © Christian Zetzsche
Spielmacher: Yalcin Dündar, hier noch als Dealer, ist nun nur noch in Ausnahmefällen direkt am Tisch tätig. Stattdessen rückte er ins Management auf. | © Christian Zetzsche

Bielefeld Casino-Chef wie Robert De Niro: Bielefelder erobert die Glücksspiel-Welt

Yalcin Dündar (36) reiste als Poker-Dealer um den Globus und ist jetzt Aufseher in einer renommierten Liechtensteiner Spielbank. Der "Pit Boss" aus Brackwede sorgt für Ordnung unter Glücksrittern

Bielefeld. Das Berufsbild des „Pit Boss" kennen Fans des Gangsterfilm-Genres gut. Das ist laut Hollywood der Chef des operativen Spielbank-Geschäfts, angesiedelt irgendwo zwischen Schiri, Geldeintreiber, Türsteher und Kirmesboxer. Sam Rothstein, gespielt von Robert de Niro, wurde als Mafia-Alleinherrscher im Film „Casino" sogar Kult. Klar: die Figur ist überzeichnet. Aber Chef-Aufseher für den Tischspiel-Bereich gibt es weltweit – und ein Bielefelder hat nun solch eine Stelle in Liechtenstein angetreten. Für Yalcin Dündar ist es der bisherige Höhepunkt eines außergewöhnlichen Karrierewegs. Dündar ist 36 Jahre alt und kommt aus Brackwede. Er besuchte die Hauptschule und das Carl-Severing-Berufskolleg, ehe er bis 2011 Architektur an der Hochschule OWL studierte. Während der Semesterferien entdeckte er durch einen Kumpel seine Leidenschaft: Pokern. Zunächst zockten sie um Zahnstocher, dann um Cent-Beträge im Studentenwohnheim. Dündar merkte: Er kann blitzschnell kopfrechnen und ist fingerfertig – beides ideal, um sich mit Dealer-Nebenjobs das Studium zu finanzieren. Dealer sind Croupiers am Pokertisch: Sie verteilen Karten, verwalten Chips und klären sogar Dispute unter Teilnehmern. 2008 fing Dündar an, ab 2010 gehörte er zum Stammpersonal der Spielbank Bad Oeynhausen. Er lernte alle Kniffe, Tricks und Tücken von Spiel und Spielern. Und er lernte, Menschen zu lesen. Mimik, Gestik, falsche Lockerheit, echtes Nervenflattern: Dündar sezierte das Verhalten der Glücksritter, saugte Details wie ein Schwamm auf. Ihm half sein kühler Kopf. Den brauche man auch, wenn Einsätze im Wert von Einfamilienhäusern auf dem Tisch liegen. "Vor meinen Augen verlor schon jemand mehr als eine Million Euro." Dündar war schon überall - trotz Flugangst Zur Routine wurde der Umgang mit astronomischen Geldsummen dann ab 2011. Dündar etablierte sich dank Kontakten zu Poker-Weltmeister Pius Heinz als Dealer im internationalen Turnierzirkus. Prag, London, Monaco, San Remo, Barcelona, Bahamas: Dündar war schon überall – trotz Flugangst. Als Ritterschlag in der exotischen Branche stieg er schließlich in die Turnierleitung auf und sammelte erste Management-Erfahrungen. 2018 erreicht ihn dann über Beziehungen das Liechtensteiner Angebot. Er hänge sehr an seiner Heimat Bielefeld, aber nahm die Herausforderung an. „Zum ersten Mal geregelter Tagesablauf", witzelt er. Von einer Wohnung im schweizerischen Altstätten aus pendelt Dündar nun ins Fürstentum. Der Dresscode ist locker, die Bude rappelvoll. Dündars Schicht startet um 18 Uhr und endet am frühen Morgen. Rund ein Dutzend Tische gilt es zu beaufsichtigen. Blackjack, Roulette, Poker: Dündar passt auf, dass keiner Stress macht, damit das Geschäft brummt. So ähnlich wie Robert de Niro im Film. Betrunkene Störenfriede werden gemaßregelt, aber nicht verprügelt. Und die Zahl an Aufmüpfigen sei wohl geringer, als die Filmindustrie es in der Glitzer-Metropole Las Vegas glauben mache. Aber krasse Vorfälle gebe es. Handgreiflichkeiten unter Gästen, Beleidigungen gegenüber Angestellten. Auch wenn er sich noch akklimatisieren muss: Yalcin Dündar bereut den Umzug nicht. Er freue sich, dass seine Lebensgefährtin im Sommer dazukommt.

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