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Umsatzstarke Branche: Laut Daten-Dienstleister Statista setzen Autovermieter in Deutschland jährlich rund 17 Milliarden Euro um. Symbol - © dpa
Umsatzstarke Branche: Laut Daten-Dienstleister Statista setzen Autovermieter in Deutschland jährlich rund 17 Milliarden Euro um. Symbol | © dpa

Bielefeld Kostenloser Mietwagen gefällig? In Bielefeld gibt's dafür jetzt eine App

Verkehr: Wenn Autovermieter ihre Pkw von A nach B überführen, sollen zukünftig Privatreisende statt Dienstleister am Steuer sitzen. Diese Idee haben zwei Jungunternehmer. Ihre Handy-App "Flipcar" haben sie als Online-Marktplatz für die Fahrten konzipiert

Dennis Rother
26.02.2019 | Stand 26.02.2019, 08:11 Uhr

Bielefeld. Sven Gunkel und Okan Gürsel wollen den Markt für Mietwagen revolutionieren - und zwar hinter den Kulissen. Die Jungunternehmer haben eine Handy-App entwickelt, bei der Händler, Vermieter oder Leasinggesellschaften ihre Pkw für Überland-Überführungsfahrten inserieren können. Statt teurer Fahrdienst-Agenturen oder eigener Mitarbeiter sollen Privatpersonen den Service übernehmen können - und für exakt einen Euro von A nach B kommen. Die ersten Standorte gibt es schon. Einer davon: Bielefeld. Drivo heißt die Start-up-Firma, und die App zum Herunterladen nennt sich "Flipcar". Sie dient als virtueller Marktplatz, verbindet Vermieter mit Autofahrern. Für das Google-Betriebssystem Android ist die App schon erhältlich, für iPhones von Apple in wenigen Tagen auch, sagt Okan Gürsel. Der 30-jährige Bremer ist Kreativ- und Technik-Chef bei Flipcar. Mitgründer Gunkel, ebenfalls 30, macht Marketing, Logistik und Finanzen. Sechsstellig haben sie in ihr Projekt investiert, vier Mitarbeiter tüfteln derzeit am Feinschliff. Erster Kunde gleich ein Großkonzern Für Reisende hat der eine Euro wohl eher symbolischen Wert. Refinanziert wird die App aber durch Gebühren. Und zwar vom Vermieter. Denn wer Autos inserieren will, muss zahlen. "Wir sind für Vermieter aber 75 Prozent günstiger als herkömmliche Dienstleister", wirbt Okan Gürsel. Er spricht von "Kampfpreisen", mit denen man Platzhirsche auf dem Vermietermarkt locken wolle. Gewinn macht die Firma also mutmaßlich dann, wenn eine kritische Masse an Nutzern erreicht wird. Bisher hat Flipcar erst einen Anbieter auf der Kundenliste. Der ist aber eine große Nummer: Die Europcar-Tochter Buchbinder. Vor der Übernahme 2017 war Buchbinder mit 20.000 Fahrzeugen in 130 Niederlassungen bereits die fünftgrößte Firma der Branche. Und Buchbinder hat für seine Flotte eine Bielefeld-Filiale, an der Stadtheider Straße. Deswegen rückte die Stadt früh in den Fokus der Flipcar-Gründer. Die Premierenfahrt gab's hier aber noch nicht. Allzu viel los ist auf dem Online-Marktplatz auch sonst noch nicht. Und klar ist ebenfalls: Flipcar braucht Vorschussvertrauen von Vermietern, denn einschätzen können sie die Fahrkünste von Fremden vorab nicht. "Keine vollen Busse oder verspätete Züge" Okan Gürsel ist sich aber sicher, dass der Markt reif für die Geschäftsidee ist. Denn nicht nur im Alltagsgeschäft, sondern erst recht vor Veranstaltungen wie Messen machen sich regelmäßig ganze Mietwagen-Karawanen von einer Großstadt in die andere auf. Zudem seien Kundenanfragen und -reservierungen bei Vermietern und Verkäufern oft so spezifisch, dass Pkw quer durchs Land juckeln müssen - oft auch nach Bielefeld. "Und wenn dann jemand kurzfristig genau diese Strecke auch privat fahren möchte, wollen wir die Schnittstelle sein", so Gürsel. "Eine Reisealternative für volle Busse und verspätete Züge." Beliebig viele Personen könnten bei Überführungsfahrten im Auto sitzen, Dokumente wie Führerschein und Kreditkarte müsse nur der Fahrer vorlegen. In elf norddeutschen Städten ist Flipcar Anfang Februar gestartet, darunter Hamburg und Bremen. Bielefeld ist die südlichste. "Noch", sagt Okan Gürsel. Die Gründer verhandeln mit weiteren Großanbietern für die Expansion. Mitte 2019 soll es soweit sein.

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