Frank Thelen sprach bei der Konferenz "Hinterland of things" im Lokschuppen Bielefeld - © Dennis Angenendt
Frank Thelen sprach bei der Konferenz "Hinterland of things" im Lokschuppen Bielefeld | © Dennis Angenendt

Hinterland of things Startup-Konferenz: "Höhle der Löwen"-Star Frank Thelen erklärt wie's geht

Gründer und Investoren treffen im Lokschuppen per Du aufeinander. Einer unter ihnen: Der Investor Frank Thelen, der seinen Ruhm für Startups nutzt

Bielefeld. „Man sagt immer in Berlin sind die Startups, in Bielefeld die Unternehmen. Aber inzwischen ist es oft auch andersrum und wir sind ein guter Beweis dafür", sagt Tristan Niewöhner von persomatch, als er auf der Startup-Konferenz „Hinterland of things" im Bielefelder Lokschuppen von seinem Unternehmen berichtet. Seine Businessidee: Stellenanzeigen von Unternehmen in die Googlesuche zu bringen. Einen großen Investor aus Berlin hat der Bielefelder bereits für seine Idee gewonnen, durchs Hinterland könnten es noch mehr werden. Denn zur Konferenz kommen Gründer mit Unternehmen und anderen Startups zusammen. Es geht ums Netzwerken, Investoren finden, neue Impulse mitnehmen und lernen. Nirgendwo sonst sind die Hürden einen Investor zu finden so niedrig. „Hier sind alle per Du. Das kann morgen schon wieder anders sein", sagt Niewöhner und erzählt, dass es das auch oft einfacher macht, die „dicken Fische" unter den Investoren anzusprechen. Im Lokschuppen sind sie nicht abgegrenzt, da steht ein Frank Thelen für ein Selfie bereit und Albert Christmann lauscht bei einem Kaffee einer Geschäftsidee und gibt auch gern den ein oder anderen Tipp dafür. Auf der Bühne tauschen sich die Rollen. Die Startups werden zu den Fragestellern, und die sonst so knallharten Investoren müssen nun selbst präsentieren und sich anwerben. Anschließend gibt es eine lockere Runde mit Fragen per Livechat aus dem Publikum. Hier ist eben alles etwas unformaler, lockerer und so oft einfacher. Runden wie diese machen deutlich, dass auch die "großen Fische" mal im kleinen Teich begonnen haben. "Wir waren selbst Gründer, und ich weiß genau, wie es euch sonst geht, wenn ihr hier stehen müsst", sagt Thomas Lueke von Cherry Ventures, einem großen Investmentunternehmen. Dennoch könne man nicht in jedes Unternehmen investieren: "Wir sehen mehrere Tausend Unternehmen im Jahr und investieren am Ende vielleicht in zehn oder zwölf." Diese Offenheit kommt an beim Publikum - und ist einer der Gründe, warum so viele Menschen gekommen sind. Von 300 auf 1.300 Teilnehmer „Im vergangenen Jahr waren etwa 300 Leute bei der ersten Hinterland. Dieses Jahr sind es mit Rednern 1.300. Wir sind komplett ausverkauft", sagt Jannis Johannmeier von der Founders Foundation, die die Veranstaltung mit auf den Weg gebracht hat. Die Veranstaltung spricht sich rum, die Teilnehmer kommen nicht nur aus der ganzen Republik, sondern auch aus dem Ausland. Neben den Startups profitieren auch die Unternehmer selbst von der Idee dieser Konferenz. Einer, der das weiß wie kaum ein anderer, ist Frank Thelen. Nach dem Verkauf seiner Firma wollte er eine Millionen in Startups investieren – als Spielgeld. Heute lacht der Unternehmer und Investor über diesen Gedanken. Denn auch er hat damit Geld verdient, profitiert und ist so auf die Idee gekommen, die Unterstützung von Startups zu einem Geschäft auszubauen. Sein Unternehmen"Freigeist" ist eines der bekanntesten Investmentunternehmen für Gründer. Die TV-Show „Die Höhle der Löwen" machte den Investor bekannt. Als einer der Löwen nutzt er diese Plattform gern für Werbung für die Institution Startup: „Und wann geht das besser, als zur Primetime?" Die Mischung aus echtem Business und Show bringt oft den ein oder anderen großartigen Gründer ans Licht. "Y-Food zum Beispiel. Das waren und sind brutal starke Gründer. Das Investment hat sich total gelohnt." Über die Show hat Thelen ein Foodcluster aufgebaut. Eigentlich konzentriert er sich aber derzeit auf einen ganz anderen Bereich: Die Zukunft, genauer gesagt die nächsten zehn Jahre. "Die nächsten zehn Jahre werden die wichtigsten der Menschheit von heute", ist Frank Thelen sich sicher. Der Quantencomputer sei nur eine der Innovationen, in die es sich zu investieren lohnt. Er selbst sei einer der Menschen, die ihn verstehen. Das Potenzial sei riesig. Es hakt oft an den Behörden Zu seiner Berühmtheit gehört neben spontanen „Pitch-Meetings" am Pissoir auch der Vorteil gehört zu werden. Thelen steht in ständigem Austausch mit der Politik. Erst am Abend vor der Hinterland-Konferenz saß er mit Digitalministerin Dorothee Bär beim Dinner zusammen und nutzte die Gelegenheit, sie auf die Entwicklungen hinzuweisen, die jetzt passieren und die Prozesse behindern. „Die Blockchain-Regulierung ist zum Beispiel eine Katastrophe, ebenso die Überbürokratisierung bei Startup-Gründungen", so Thelen. Etwas, das auch den Herforder Unternehmer und Denkwerk-Gründer Oliver Flaskämper ärgert. "Es findet in den Kommunen keinerlei Willkommenskultur für Gründer statt. Die Angebote sind da, doch hinweisen tut man nicht darauf", so der Herforder. Auch an Kümmerern fehlt es. "Viele Unternehmer scheitern, weil in schwierigen Phasen hier Hilfe fehlt. Anderswo gibt es sie", sagt Flaskämper. Viele Startups hätten noch vor ein paar Jahren die Region verlassen Aus Gesprächen mit Gründern weiß er, dass viele noch vor ein paar Jahren die Region verlassen hätten. Doch dank der immer besser werdenden Strukturen sind sie geblieben: „Wenn es Konferenzen wie diese gibt, muss man eben nicht nach Berlin, um ein Unternehmen zu gründen. Es hängt an der Infrastruktur." Dennoch ist es schwierig den Erfolg, den Events wie die "Hinterland of things"-Konferenz der Region und ihren Startups bringen, zu messen. Gefühlt, so viele Teilnehmer der Konferenz, ist er da. Das zeigen Teilnehmer und Medienvertreter, die aus Deutschland und dem Ausland kommen. "Die Konferenz ist quasi zu einem Selbstläufer geworden", weiß Flaskämper. Im Lokschuppen lernt auch er immer wieder neue Leute kennen, vereinbart mit Unternehmen und Startups gezielt Termine an diesem Tag und ist damit nicht allein. Die Konferenz macht der Politik deutlich, dass es Sinn macht, zu investieren und die unternehmerische Kraft in Deutschland zu stärken. Digitalministerin Dorothee Bär hört genau zu, spricht mit vielen Unternehmern und das bereits am Vorabend. Gefühlt, so das Feedback ihrer Gesprächspartner, ist sie eine Kümmerin, versteht die Probleme und verspricht sie weiterzugeben. In den neuen Ideen liegt die Zukunft "Eine der wichtigsten Dinge bei einem Startup ist das Klinkenputzen", verrät Rouven Dresselhaus. Das gehe ihm auf der Suche nach Fondinvestoren nicht anders. Denn wahrer Erfolg steckt oft in den Produkten, die ein Problem lösen, dass jeder kennt, aber dessen Lösung er sich nicht hätte ausdenken können. Ein gutes Beispiel dafür ist "Pluspeter", das Unternehmen von Cecil von Croy. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht ein klassisches Unternehmerproblem zu lösen: Die passenden Mitarbeiter zu finden, die Innovationen entwickeln. Er hat einen Datensatz entwickelt, der es einfacher macht, diese Menschen zum Beispiel an den Unis zu finden, denn: "Die Studenten von heute sind die Leader von morgen." Worte, die wohl jeder Unternehmer auf der Hinterland-Konferenz unterschreiben mag und sich genau deshalb zwischen Vorträgen und Verabredungen auch bei den Ausstellungen rumtrieb. Schließlich weiß man nie, wo man das nächste Startup finden kann - womöglich im Hinterland.

realisiert durch evolver group