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Eine Brille ist nicht genug: Eckig oder rund - das Gestell sollte zur Gesichtsform passen. Larissa Sawka braucht außer einer Sonnenbrille auch ein Modell für die Arbeit am Rechner. - © Oliver Krato
Eine Brille ist nicht genug: Eckig oder rund - das Gestell sollte zur Gesichtsform passen. Larissa Sawka braucht außer einer Sonnenbrille auch ein Modell für die Arbeit am Rechner. | © Oliver Krato

Bielefeld Brillenhochburg: Braucht Bielefeld 54 solcher Läden?

Boombranche: Mit der Marke Viu lässt sich im früheren Ecco-Schuhgeschäft ein weiterer Optiker in der Stadt nieder. Damit hat Bielefeld fast doppelt so viele Anbieter wie Münster

23.01.2019 | Stand 22.01.2019, 21:22 Uhr

Bielefeld. Ein neuer Brillenladen kommt in die Stadt. Mit der Marke Viu, die im März in das frühere Ecco-Schuhgeschäft an der Niedernstraße einzieht, gibt es dann 15 Anbieter allein in der Innenstadt. Im gesamten Stadtgebiet steigt die Zahl auf insgesamt 54, davon sind 43 Hauptbetriebe und 11 Filialen. Vergleicht man die Zahlen mit dem etwa gleich großen Münster und den 29 Brillenanbietern dort, dann stellt sich die Frage: Braucht Bielefeld tatsächlich so viele Optiker? Branchenkenner sagen: ja. Trend zur Drittbrille: "Der Trend zur Zweit-, ja sogar Drittbrille hält an", formuliert es Dieter Großewinkelmann aus Gütersloh salopp. Der stellvertretende Obermeister der Optikerinnung erklärt: Außer Weit-, Nah- und Gleitsichtbrillen gehören Sonnen- sowie Sport- und Arbeitsbrillen zum alltäglichen Zubehör. Zudem sei die Brille als modisches Accessoire unverzichtbar. Von der Vielfalt der Anbieter profitieren laut Großewinkelmann die Kunden. "Es gibt solche, die lieber zu Filialisten gehen, andere dagegen legen mehr Wert auf individuelle Beratung." Wie in anderen Branchen sei beim Brillenkauf auch häufig der Preis entscheidend, erläutert der Optiker und nennt Bereiche wie Schuhe, Bekleidung sowie Essen und Trinken. Mitbewerber gelassen: Ähnlich wie sein Kollege beurteilt auch Thomas Renken die Entwicklung. Ein weiterer Mitbewerber in der Nähe - das findet er "nicht tragisch". Die neue Filiale werde wohl eine völlig andere Zielgruppe ansprechen, vermutet der Optiker mit zwei Geschäften in Bielefeld. Sein Unternehmen setze in erster Linie auf Beratung. Zur Verdeutlichung nennt Renken einen Vergleich mit der Gastronomie: "Ein Feinschmeckerrestaurant wird einen weiteren Fastfood-Anbieter kaum als ernsthafte Konkurrenz sehen." Entsprechend gelassen sieht er dem neuen Brillenfilialisten entgegen. "Für uns Geschäftsleute ist das allemal besser als ein weiterer Handyladen", sagt Renken, der auch zum Vorstand der Altstadt-Kaufmannschaft gehört. In ihrer Branche sei "noch viel Luft nach oben" - darin sind sich Renken und auch Großewinkelmann einig. Ein weiteres Indiz dafür: Immer mehr junge Menschen wollen Optiker werden. "Wir haben mit einem Plus von fünf bis zehn Prozent pro Jahr extrem steigende Ausbildungszahlen", sagt Großewinkelmann. Aktuell gebe es in Bielefeld 60 Auszubildende allein im ersten Lehrjahr. Das Schweizer Unternehmen Viu (gesprochen "view" wie "ansehen") hat einen steilen Aufstieg hinter sich. 2013 als Onlineshop gestartet ist die Brillenmarke bis heute europaweit auf 73 Filialen gewachsen. Mehr als 20 Läden gibt es bereits hierzulande, unter anderem in München, Hamburg, Münster und Hannover. London und Paris sind demnächst geplant. Modelle aus 3D-Drucker: Das Erfolgsrezept: abseits der Produktion alles selbst machen. Logistik, Marketing, Vertrieb, Design und Produktentwicklung - alles wird zentral gesteuert. Dafür kann das Unternehmen mit 200 Mitarbeitern eigenen Angaben zufolge vergleichsweise niedrige Festpreise bieten. In Zukunft will Viu sein 3D-Geschäft ausbauen. Bisher können Kunden bei fünf verschiedenen Brillenmodellen die Größe, die Farbe und die Form anpassen und im 3D-Drucker herstellen lassen, allerdings nur mit einem Auftrag in den firmeneigenen Stores. In etwa zwei Jahren soll das auch online möglich sein. Die Schweizer Marke sieht zwischen Filialisten wie Apollo oder Fielmann auf der einen und Premiumanbietern auf der anderen Seite eine Lücke, die sie schließen will. Wachsendes Volumen: Das Marktvolumen für Brillen in Deutschland wächst ständig. 2017 betrug es nach einer Analyse des Marktforschungsunternehmens Euromonitor 6,8 Milliarden Euro. 2018 waren es mehr als 7 Milliarden. Laut einer Allensbach-Studie tragen 27 Millionen Deutsche über 14 Jahren dauerhaft eine Brille, weitere 17 Millionen benötigen gelegentlich eine Sehhilfe.

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