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Bielefeld Bauamt begrüßt Wasserturm-Pläne

Eisenbahn-Geschichte: Denkmalschützer der Stadt halten Umbau und neue Nutzung für sinnvoll. Ein früherer Lokführer erinnert sich an die Befüllung der Kesselwagen

Joachim Uthmann
22.01.2019 | Stand 22.01.2019, 10:47 Uhr |

Bielefeld. "Ein Glück, dass wir diese neuen Nachbarn haben", sagt Marco Riffelmann von den Eisenbahnfreunden. Denn für den alten Wasserturm am Ringlokschuppen eröffnet sich mit dem Kauf durch die angrenzende IT-Firma "MarcanT" eine neue Chance, ihn vor dem endgültigen Verfall zu retten. Und selbst die Denkmalschützer, die sich bisher mit Konzepten anderer Investoren schwer taten, signalisieren Zustimmung. "Die Initiative ist genial", sagt Ascan von Neumann-Cosel, Abteilungsleiter Denkmalschutz im städtischen Bauamt: "Wir hatten den Wasserturm schon fast aufgegeben. Wenn sich jetzt ein Liebhaber findet und ihn so rettet, wäre das schön." Denn auch den Denkmalschützern ist klar, dass ohne einen Eingriff in die historische Substanz das Ende der markanten Bahn-Architektur besiegelt wäre. Denn seit mehr als 30 Jahren bröckelt der 1906 erbaute Wasserturm, der nah an der Hauptbahnstrecke Richtung Herford steht, und droht einzustürzen. Die Eisenbahnfreunde, die neben ihm alte Lokomotiven und Wagen stehen haben und restaurieren, hätten ihn gern hergerichtet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. "Doch uns fehlt dafür das Geld", sagt Riffelmann. Das Potenzial des Kleinods der Eisenbahnarchitektur hatten aber auch Bielefelder Investoren erkannt, die ihn kauften, teils zum symbolischen Preis von einer Mark. Doch sie scheiterten mit ihren Konzepten. Denn eine wirtschaftliche Lösung fällt schwer. Und Denkmalschutzauflagen bilden eine zusätzliche Hürde. Historische Kugel lässt sich nicht halten Deshalb ist die Bewertung der Behörden auch für die neuen Pläne von entscheidender Bedeutung. Denn klar ist, die historische Kugel, in der rund 100 Kubikmeter Wasser gespeichert werden konnten, lässt sich bei einer Neunutzung des Turms nicht halten. Hinzu kommt, dass ihre Träger mittlerweile so angegriffen sind, dass der Einsturz droht. Das Bielefelder Architekturbüro Oehme hat mit seinem neuen Entwurf für "MarcanT" eine Lösung gefunden, die auch von Neumann-Cosel überzeugt: Eine Kuppel könnte die Kugel ersetzen, ohne den historischen Charakter zu zerstören. Weil Oehme die alten Mauern mit den seitlichen Öffnungen, in die, wie im historischen Entwurf, Fenster eingesetzt würden, stehen lassen und sanieren will, sieht von Neumann-Cosel gute Aussichten, dem Denkmalschutz gerecht zu werden: "Es bleibt die Erinnerung, was einmal in dem Turm gewesen ist." Einen Wermutstropfen gibt es Fotos oder Bilder im Eingang könnten zusätzlich auf die alte Funktion des Gebäudes hinweisen. Und für Durchreisende wäre der restaurierte Turm "ein Hingucker", der zu dem Ensemble mit Ringlokschuppen, Drehscheibe und den Fahrzeugen der Eisenbahnfreunde passt. Riffelmann: "Wir können nur davon profitieren." Ein Wermutstropfen ist aber, dass der Turm wohl nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnte. Dafür steht er zu nah an den Bahngleisen, die noch genutzt werden. Die "MarcanT"-Inhaber Anja Padberg und Thorsten Hojas schließen das aber noch nicht ganz aus, gehen aber eher von Firmenräumen für Besprechungen oder Events aus. Ob dann aber Fördermittel für eine Sanierung fließen, wie teils erhofft, bleibt fraglich. »Das ist ein Konzept mit Hand und Fuß« "Das ist ein Konzept mit Hand und Fuß", freut sich auch Olaf Teubert über die neuen Pläne für den Wasserturm. Teubert hat einen besonderen Bezug zu dessen eigentlicher Aufgabe. Denn er war mehr als 35 Jahre Lokführer und erinnert sich gut, wie er die Kesselwagen der Dampflokomotiven füllen ließ. "Das Wasser in der Kugel kam direkt durch ein Rohr von der Lutter", erzählt Teubert: "Weil Brackwede höher als die Spitze des 21 Meter hohen Wasserturms lag, brauchte man keine Pumpen. Die Zuleitungen füllten sich von selbst und standen voll unter Wasser." Das kam dann "aber eiskalt" in die Kessel-Vorkammern. Angeheizt worden sei es nicht. Nur für extreme Minus-Grade habe es einen Ofen im Turm gegeben, damit die Zuleitungen nicht einfrieren. Diessellok "Köf" wird zurzeit zerlegt 34.000 Liter fasste der Tender der großen "Einheitslokomotiven", so Teubert. Nach der Wasseraufnahme sei die Kohle nachgefüllt und die Schlacke entfernt worden, ehe es in den Lokschuppen ging. Zum Schichtwechsel. Und weil dort mehrere heiße Dampfrösser standen, "war es immer schön warm". Teubert, der mit 50 Jahren und fünf Monaten so lang wie kein anderer bei der Bahn gearbeitet hat, ist schon 83 Jahre alt, schraubt aber immer noch mit den Eisenbahnfreunden an alten Loks. Derzeit zerlegen sie eine alte Diesellok "Köf", die dann restauriert wieder fahren soll - in der alten Heimat Bielefeld. Wenn es gut läuft, vorbei am sanierten Wasserturm.

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