0
Reichlich Blues-Erfahrung: Der Bielefelder Sänger, Gitarrist und Songschreiber Richie Arndt. Foto: Manfred Pollert - © Manfred Pollert, 2018
Reichlich Blues-Erfahrung: Der Bielefelder Sänger, Gitarrist und Songschreiber Richie Arndt. Foto: Manfred Pollert | © Manfred Pollert, 2018

Kultur Richie Arndt spielt in Memphis um die Blues-WM-Krone

Internationaler Wettbewerb: Der Bielefelder Musiker ist in dieser Woche für Deutschland bei der International Blues Challenge in den USA im Rennen

Thomas Klingebiel
21.01.2019 | Stand 21.01.2019, 16:41 Uhr

Bielefeld. 260 Bands aus der ganzen Welt reisen an. Wie jedes Jahr im Januar ist Memphis in Tennessee – Geburtsstätte des Rock’n’Roll und Elvis Presleys Heimatstadt – Pilgerort für die besten internationalen Blues-Talente. Im musikalischen Wettstreit mit den US-Kollegen spielen sie in dieser Woche in den Clubs an der berühmten Musikmeile Beale Street um die Weltmeisterschaft im Blues. Die deutschen Farben vertritt der Sänger und Gitarrist Richie Arndt. „Ich freue mich, wenn wir ins Halbfinale kommen", schätzt der gebürtige Bielefelder, der Deutsch und Musik an der Gesamtschule in Hüllhorst unterrichtet, seine Chancen zurückhaltend ein. Für die „International Blues Challenge" (IBC) erhielt Arndt Sonderurlaub. Die US-Konkurrenz, die teils mit Tourbus und üppigem Equipment anreise, sei stark, betont der 60-Jährige. Aus jedem US-Bundesstaat sind bis zu drei Acts in Memphis vertreten. Schon früh als Profi-Gitarrist gearbeitet Das große Wettbewerbsfinale mit Sieger-Kür geht im legendären Orpheum Theatre über die Bühne, dessen Pracht beeindruckend in dem Johnny-Cash-Biopic „Walk the Line" verewigt ist. Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass in Arndts Band mit Georg Schroeter (Klavier) aus Kiel jemand spielt, der 2011 im Duo mit Marc Breitenfelder (Mundharmonika) als erster Europäer überhaupt einen Sieg bei der IBC erreichte. Richie Arndt hat früh angefangen. Nach Profi-Jahren als Gitarrist in der Top-40-Band „Sky Dogs", in der der spätere Star-Comedian Atze Schröder am Schlagzeug saß, schlug er ab Mitte der 90er-Jahre die Lehrerlaufbahn ein und besann sich parallel auf seine frühe Begeisterung für den Blues. Mit seinem Power-Trio „The Bluenatics" nahm Arndt etliche CDs auf, gab Konzerte in Deutschland und im europäischen Ausland. 2008 fesselte sein Rory-Gallagher-Projekt „Rorymania" 15.000 Zuhörer beim Fehmarn-Festival. "In diesem Jahr läuft es extrem gut" Die „Bluenatics" löste Arndt 2017 nach 23 Jahren auf und stellte sich mit anderen Begleitern und dem Album „Back to Bad" noch einmal neu auf. „Ich habe das Gefühl", sagt er, „dass sich jetzt alles auszahlt. Die Qualität und der Spaßfaktor steigen. Gerade in diesem Jahr läuft es extrem gut, auch international." Nach dem Wettbewerb in Memphis steht die Europäische Blues Challenge auf den Azoren an. Die US-Musikerin Lisa Mills, mit der Arndt gerade in OWL auf „Winterblues"-Tour war, hat ihn und seine Band für Auftritte beim einem großen Festival im norwegischen Trondheim gebucht. In Memphis werden Arndt und seine Bandkollegen Georg Schroeter (Klavier), Uli Kerksiek (Bass) und Peter Weissbarth (Schlagzeug) nicht viel Zeit zum Sightseeing haben. Neben den vielen Wettbewerbsverpflichtungen möchten sie auch die einmalige Gelegenheit zum internationalen Networking nutzen. Arndt war schon 2014 privat vor Ort und ist danach mit einem Mississippi-Programm, einer Multivisionsshow mit Konzert, auf Tour gegangen. Bei der IBC stellt er sich mit seinen Mitstreitern zunächst Mittwoch und Donnerstag bei zwei Viertelfinal-Auftritten der Jury – ausschließlich mit Richie-Arndt-Songs. Dann entscheidet sich, ob sie ins Halbfinale (Freitag) weiterkommen oder sogar ins Finale (Samstag). Wie immer es ausgeht: „Am Montag", sagt Arndt, „bin ich wieder in der Schule."

realisiert durch evolver group