Warum nicht? fragt Bilen Rosenthal, Chefin des Cafés Schlösschen. Bei ihr gibt es jetzt den "Coffee to go" in schlichten Weck-Gläsern. Die haben einen Deckel, werden nicht zu heiß, sind auswaschbar und vielfältig nutzbar. Und: Im Idealfall sehr lange kein Müll. - © Kurt Ehmke
Warum nicht? fragt Bilen Rosenthal, Chefin des Cafés Schlösschen. Bei ihr gibt es jetzt den "Coffee to go" in schlichten Weck-Gläsern. Die haben einen Deckel, werden nicht zu heiß, sind auswaschbar und vielfältig nutzbar. Und: Im Idealfall sehr lange kein Müll. | © Kurt Ehmke

Bielefeld Super-Aktion: Hier gibt es den Kaffee to go jetzt im Glas

Bilen Rosenthal schenkt Kaffee zum Mitnehmen nun in schlichten Weck-Gläsern aus. Diese bezahlt sie alleine, der Kunde bleibt außen vor: "Vielleicht bringen es ja viele auch zurück."

Kurt Ehmke
12.01.2019 | Stand 12.01.2019, 23:25 Uhr

Bielefeld. Bilen Rosenthal gehört zu jenen Menschen, die sich über Müll richtig ärgern können. "Wenn ich sehe, wie schnell hier in meinem kleinen Café der Mülleimer voll ist, nervt mich das gewaltig." Ihr Café, das ist das Schlösschen am Niederwall. Klein, kultig, besonders. Und genauso ist auch ihre neueste Idee. Seit Jahresbeginn bekommen die Kunden, die einen Kaffee zum Mitnehmen haben wollen, diesen in einem Weck-Glas, also einem Einmach- oder Marmeladenglas. Vorher hatte sie mit einem Sammelsurium von Gläsern getestet, aber aus manchen schmeckte es nicht optimal, weil der Rand zu dick war, aus anderen trank es sich nicht gut - und auch die verschiedenen Größen waren problematisch. Nun also einheitlich: Um Müll zu vermeiden, gibt es die 0,24-Liter-Gläser. Ohne Pfand. Einfach so. In der Hoffnung, dass sie irgendwann zurückgegeben, beim nächsten Mal wieder aufgefüllt oder wenigstens zu Hause anderweitig genutzt werden. Hauptsache: weniger Müll In sozialen Netzwerken wirbt Bilen Rosenthal für ihre Idee so: "Wieso ist das eigentlich nicht gleich Trend geworden statt dieser Kackbecher?" Mit Kackbecher meint sie jene Objekte, die obendrauf einen Plastikdeckel haben - und aus denen sich der Kaffee, findet sie, miserabel trinken lässt. "Entweder, Du hast am Mund diese kleine Öffnung im Plastik, oder gleich diesen wulstigen Papp-Rand." Ekelig - und für die Umwelt einfach nur mies. Deshalb zahlt Bilen Rosenthal einfach drauf. "Statt der zwei Cent für die Wegwerfbecher zahle ich 60 Cent für die Weck-Gläser - aber das ist es mir wert." Teurer geworden sei ihr Cappuccino oder Kaffee für den Kunden nicht. Rosenthal schmälert schlicht und einfach ihren Gewinn. Erste Rückmeldungen seien gut. "Das Glas werde nicht zu heiß, es lasse sich gut aus den Gläsern trinken, es fühle sich gut an." Übrigens: Es gibt auch einen Metalldeckel, nichts läuft irgendwo aus. In den sozialen Netzwerken geht Rosenthal mit ihren Konkurrenten durchaus hart ins Gericht: "Ich werde eh wieder die Einzige bleiben, wobei einige auf dem Kaffeestrich, die definitiv mehr Coffee to go verkaufen, viel mehr erreichen könnten", kritisiert sie. Darauf angesprochen sagt sie abgemildert: "Nein, ich ärgere mich nicht darüber, die denken einfach viel wirtschaftlicher als ich, vielleicht ist das von mir ja auch nur dumm." Das muss natürlich jeder für sich selbst bewerten Fakt sei, so die junge Gastronomin: "Die Thermobecher sehe ich echt selten, das bringt nicht allzu viel." Mit einem Vorurteil räumt sie dabei gerne auf: "Ich weiß, dass einige Läden keinen Kaffee in selbst mitgebrachte Becher ausschenken - angeblich wegen der Hygiene -, aber das ist echt Quatsch." Energisch sagt sie: "Natürlich dürfen wir das." Sie verkauft übrigens auch ihren Kuchen gerne an Menschen, die einfach Tupper-Behälter mitbringen und den Kuchen so müllfrei nach Hause oder ins Büro bringen wollen. Kein Problem. Mit ihrer Aktion will sie auf das Problem hinweisen - "und ich will natürlich auch andere anticken; schön wäre, wenn sie mitmachen würden". Doch da ist sie nicht allzu optimistisch. Zu sehr stehe eben in der Coffee-to-go-Branche die Wirtschaftlichkeit über allem.

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