Es gab mal weniger Bäume als heute: Damals, Anfang des 20. Jahrhunderts, konnte der Fotograf vom Bielefelder Süden aus wunderbar den sogenannten Zickzackweg abbilden - er führte vom Zweischlingen hoch zum heutigen Fernsehturm an der Hünenburg. - © Sammlung Wibbing
Es gab mal weniger Bäume als heute: Damals, Anfang des 20. Jahrhunderts, konnte der Fotograf vom Bielefelder Süden aus wunderbar den sogenannten Zickzackweg abbilden - er führte vom Zweischlingen hoch zum heutigen Fernsehturm an der Hünenburg. | © Sammlung Wibbing

Bielefeld Schräge Wege: Von der Halleluja-Zwiebel zur Thusnelda-Klippe

Wer heute wandert und anschließend von einer Tour auf dem Galoppweg, dem Zickzackweg und an der Thusneldaklippe berichtet, dürfte irritieren

Bielefeld. Die Rundreise zum Abschluss der Fast-Vergessen-Serie widmet sich heute besonderen Namen von Wegen und Bäumen und Landmarken. GALOPPWEG Manche Ältere kennen noch den "Galoppweg". Es handelt sich dabei um denselben Weg wie heute "Am Voßberge". Die Herkunft dieses volksmundlichen Namens ist unbekannt, eventuell könnte er jedoch daher rühren, dass man ihn - wegen des steilen Gefälles - im "Galopp" herunterlaufen musste. WARSCHAUER ALLEE Mit dem Fall des Eisernen Vorhanges 1990 avancierte die Autobahn A 2 zu einer zentralen West-Ost-Verkehrsverbindung. Der Volksmund machte daraus die "Warschauer Allee". LAUSEREICHE Über die heutige Salzufler Straße zog früher das "fahrende Volk" - aus der Grafschaft Lippe kommend. Dabei passierte es auch eine alte Eiche westlich der Autobahn in direkter Nähe der Einmündung des Brönninghauser Baches in die Windwehe und des "Runkelkrug". "Die Lausereiche" im Volksmund genannt, weil mancher Passant eben Läuse mitbrachte. TÜTE UND KRONENPLATZ Oberhalb Brackwedes hat man einen guten Blick über den Teutoburger-Wald-Einschnitt bei Bielefeld - von der sogenannten "Fahnenspitze". Die "Tüte", der Stadtbahneingang von der Herbert-Hinnendahl-Straße, ist des Öfteren wegen der Drogen- und Nichtsesshaften-Szene in den Schlagzeilen. Ältere kennen vielfach noch den "Kronenplatz", den Straßen-Freiraum vor dem Kaufhaus C & A. Seinen umgangssprachlichen Namen hat er vermutlich von dem Hotel "Drei Kronen", das sich früher in direkter Nähe befand. HALLELUJA-ZWIEBEL Sonntags führte früher oftmals der Weg zum Gottesdienst ins "Hannkenstift", das "Johannes-Stift", ein Kristallisationspunkt der Erweckungsbewegung. Die älteren Besucherinnen trugen oftmals den Dutt, einen Haarknoten. Wegen der pietistischen Grundhaltung, die damit dokumentiert wurde, sprach der Volksmund auch von der "Halleluja-Zwiebel", der "Glaubenszwiebel" oder auch "Bethel-Zwiebel". ZICKZACKWEG Auf alten Postkarten ist noch gut der sogenannte "Zickzackweg", der von der Gaststätte Zweischlingen hoch zum Drei-Kaiser-Turm und zur Hünenburg führte, zu erkennen. "Zickzackwege" gab es auch bei anderen gebirgigen Erhebungen, wie beispielsweise an der Schneekoppe. SCHRAPPER-KUHLE "Schrappen" bedeutete "zusammenkratzen". In der Schrapper-Kuhle wurde Sand zusammengekratzt, mit Kalk vermischt und zu Kalksandsteinen gebrannt. Der Begründer war Architekt Karl Dop-heide aus Bielefeld. Als Gründungsjahr wird 1910, aber auch 1912 genannt. Die Schrapper-Kuhle befand sich dort, wo der Stadtring in den Südring mündet, in der Nähe der Brackweder Straße und zum Sennefriedhof. Heute stellt die Firma Otto Bitter dort Autos ab. Die Kuhle hatte die Abmessungen von 400 Metern mal 400 Metern. In der Nähe vom katholischen und dem evangelischen Friedhof in Brackwede existieren noch Firmengebäude. Die Firma hieß "Bielefelder Hartsteinwerke". Die Arbeit der "Schrapper" war außerordentlich mühsam. Nachfolger von Dopheide wurde ein Herr Hassler. Als 1952 der Sand zur Neige ging, wurde er aus der Senne zugeführt. Die Firma war bis zum Jahre 1984 in Betrieb. THUSNELDAKLIPPE Die "Thusneldaklippe" soll sich in der Nähe des Hauses Salem und in der Nähe des Halleluja-Steinbruchs sowie in der Nähe der Gaststätte Habichtshöhe befunden haben. Der genaue Ort konnte noch nicht ermittelt werden. Die sogenannte "Fahnenspitze" mit der Dr.- Karl-Heinz-Sundermann-Schutzhütte kann es allerdings nicht gewesen sein. Von der "Thusneldaklippe" gab es einen wunderbaren Panoramablick. Thusnelda war ja die Gemahlin von Hermann, dem Cherusker. Vor Jahrzehnten nannten jugendliche Verehrer ihre Angebetete oftmals "meine Thusnelda" - das war durchaus positiv konnotiert. Heute findet sich dieser Mädchenname als "Tussi" oder "Tusse" eher als negativ. Vermutlich standen die Pärchen romantisch verliebt an dieser Klippe und genossen den Ausblick.

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