Lebhaft: So könnte es in Zukunft in der Wilhelmstraße aussehen.
Lebhaft: So könnte es in Zukunft in der Wilhelmstraße aussehen.

Bielefeld Die Vision wird konkreter: Multifunktionsboxen für die Wilhelmstraße

Nach einem Aktionstag im September präsentieren Studenten jetzt Ideen für die kleine Straße, unter dem Motto "Impulse für ein liebenswertes Stück Stadt". Projekt- und Forschungsgruppe stellt Umfrage-Ergebnisse vor. Im Frühjahr ist die Politik gefragt

Bielefeld. Attraktiv, bunt, belebt, verbindend: Die Wilhelmstraße kann so schön sein, so das Fazit beim Aktionstag im September (die NW berichtete). Mehr Grün, mehr Sitzplätze, weniger Autos, mehr kleine, inhabergeführte Läden und viel Außengastronomie wünschen sich laut Befragung Passanten und Anwohner. Das Stimmungsbild haben neun Studenten der RWTH Aachen University aufgegriffen und auf dieser Basis Visionen und Ideenskizzen für eine Umgestaltung entwickelt. Die stellten die angehenden Architekten und Stadtplaner jetzt Anwohnern, Verwaltung und Politik in der "WissensWerkStadt" in der ehemaligen Stadtbibliothek vor. WissensWerkStadt, Entschleunigung, öffentliches Wohnzimmer "Impulse für ein liebenswertes Stück Stadt" lautet der Titel auf den Plakaten mit den vier unterschiedlichen Entwürfen. Ein neues, positives Kiez-Gefühl soll entstehen, so Britta Rösener, die die Studenten betreut und zum Forschungsprojekt "KlimaNetze" gehört. Autos sollen nicht ganz Tabu sein, der Verkehr solle da aber auf ein Minimum reduziert werden. "Die Parkplätze nützen hier keinem etwas, weder den Geschäften noch den Anwohnern", ergänzt Tilman Rhode-Jüchtern von der Projektgruppe "Verkehrsräume umverteilen", die sich unter dem Motto "Die Wilhelm verbindet" für die Straße engagiert. Sie seien immer belegt, oder eben eh nur für zwei Stunden nutzbar. Einige Herausforderungen wie Probleme mit Vandalismus, müssten noch bewältigt werden. Aber die Grundstimmung sei gut. "Hier ist alles auf Konsens gebürstet", sagt Rhode-Jüchtern. WissensWerkStadt, Auszeit, Lebensqualität, multifunktional, Radfahrer, Spielplätze, öffentliches Wohnzimmer, Entschleunigung: So interpretiert eines der Teams die Ergebnisse der Befragung, an der sich beim Aktionstag 170 Personen - größtenteils Passanten, einige Anwohner und Geschäftsleute - beteiligt haben. "Swing" für die Wilhelmstraße ist eine Idee der Studenten. Durch eine geschwungene Wegführung vom Jahnplatz zum Kesselbrink soll die Dynamik umverteilt, Entschleunigung erzeugt und Bewegungsraum geschaffen werden. Rechts und links sind entsprechend geformte Begrünungs- und Spielelemente, Sitzmöglichkeiten und Fahrradstellplätze geplant. In einer 28-seitigen Broschüre sind die Ergebnisse des Aktionstages in der Wilhelmstraße zusammengefasst: Fotoeindrücke, Befragungsergebnisse und das Presseecho. Und gibt einen Ausblick, wie es weitergehen wird. "Ziel ist eine gemeinsame Verständigung darüber, wie die Wilhelmstraße zukünftig aussehen, welche Qualitäten genau sie haben soll", sagt Petra Schepsmeier von der Projektgruppe. Die will jetzt im nächsten Schritt aus den Ergebnissen der Veranstaltung Empfehlungen ableiten und sie im Frühjahr der Politik zur Umsetzung vorschlagen. Anwohnerin Janice Deppe ist gespannt, wie?s weitergeht. Mehr Grün und mehr Cafés stehen auf ihrer Wunschliste. "Und dass es hier so multikulturell bleibt", ergänzt sie. Auch Heike Winter, Leiterin des Immobilienbereichs der Volksbank und Eigentümerin des Gebäudes, begrüßt das Engagement für die kleine Straße. Der Aktionstag habe gezeigt, was machbar sei. "Die Straße braucht Veränderung", sagt sie.

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