„Es geht um Zentimeter": Hartmut Ostrowski sagt, er habe vor seiner Tätigkeit als DSC-Aufsichtsrat nie Verantwortung für ein Geschäft getragen, in dem alles so sehr von Zufällen abhänge. - © Wolfgang Rudolf
„Es geht um Zentimeter": Hartmut Ostrowski sagt, er habe vor seiner Tätigkeit als DSC-Aufsichtsrat nie Verantwortung für ein Geschäft getragen, in dem alles so sehr von Zufällen abhänge. | © Wolfgang Rudolf

Aufsichtsratsvorsitzender Interview mit Hartmut Ostrowski: „Arminia ist im Aufbruch“

Der Aufsichtsratsvorsitzende spricht über wirtschaftliche Stabilität und sportliche Perspektiven beim DSC. Der Unternehmer verrät zudem, warum er sich am Stadionkauf beteiligte.

Thomas Seim
12.01.2019 | Stand 12.01.2019, 15:20 Uhr
Peter Burkamp

Philipp Kreutzer

Herr Ostrowski, was wünschen Sie sich für das neue Jahr?Hartmut Ostrowski: Was man sich so wünscht: Dass meine Familie und ich selbst gesund bleiben, dass ich Freude am Leben habe und von netten Menschen umgeben bin. Vielen Dank für die freundliche Begrüßung. Was wünschen Sie sich für Arminia Bielefeld? Ostrowski: Wir haben im vergangenen Jahr unglaublich viel erreicht, Arminia ist im Aufbruch. Man darf nicht erwarten, dass wir jetzt gleich noch so ein Jahr hinlegen. Wir wollen unsere Position als Aushängeschild für Ostwestfalen-Lippe weiterentwickeln. Dazu gehört natürlich, dass wir uns sportlich stabilisieren. Arminias Verbindlichkeiten wurden innerhalb des vergangenen Jahres von 29,1 auf 2,5 Millionen Euro reduziert. Haben Sie sich eine solche Entwicklung vor zwölf Monaten vorstellen können? Ostrowski: Zu Zahlen äußere ich mich nicht, aber das ist eine Entwicklung, die ich so nicht erwartet habe. Ich wusste, dass es eine große Unterstützung der Wirtschaft für Arminia gibt. Aber das Potenzial, dass sich eine Gruppe von Unternehmen bildet und Arminias Zukunft einheitlich mitgestalten möchte, das habe ich vorher nicht so gesehen. Was zeichnet das „Bündnis OWL" aus? Ostrowski: Alle Unternehmen wollen Gutes für die Region, und zur Region gehört auch ein gutes sportliches Umfeld. Auffällig ist auch, dass niemand die Führungsrolle beansprucht. Und drittens, dass sie operativ nicht eingreifen, sondern auf Präsidium, Geschäftsführung und Aufsichtsrat vertrauen. Mathias Gerner von der Dr. August Oetker KG hat einen Sitz im Aufsichtsrat, das ist sehr hilfreich. Wie zuversichtlich sind Sie, dass eine Einmischung auch künftig unterbleibt? Ostrowski: Wir haben die viel diskutierte 50+1-Regel. Die soll verhindern, dass Investoren die Mehrheit der Stimmen in einer ausgegliederten Profi-Gesellschaft übernehmen. Klar, es gibt Möglichkeiten, die Regel zu umgehen, das sieht man in Leverkusen, Leipzig, Wolfsburg oder Hoffenheim. Was wir bei Arminia jetzt machen, ist, wie Markus Rejek (kaufmännischer Geschäftsführer des DSC, Anm. d. Red.) es genannt hat, die ostwestfälische Antwort auf 50+1. Viele Anhänger verbinden mit dem Engagement des „Bündnisses OWL" die Hoffnung auf sportliche Verstärkungen und eine bessere Platzierung als Rang 14 in der 2. Liga. Ostrowski: Wir haben durch die Sanierung eine neue Perspektive, die wir nutzen wollen. Es ist keine unternehmerische Einstellung, jetzt nach denen zu rufen, die schon mehr Großzügigkeit gezeigt haben als sie mussten. Wir wollen uns nicht schon wieder verschulden, sondern systematisch aufbauen. Die Verbesserung des Trainingsgeländes ist ein nächster Schritt, da sind wir in guten Gesprächen mit der Stadt Bielefeld. Dann müssen wir sehen, dass es mit dem Nachwuchs vorangeht. Die U 17 spielt eine erfolgreiche Bundesliga-Saison, die U 19 muss dringend wieder den Aufstieg in die Bundesliga schaffen. Wir müssen Talente herausbringen wie Henri Weigelt, den wir nach Alkmaar verkauft haben, oder Roberto Massimo. Also wird es in der Winterpause nach Reinhold Yabo keine weiteren Transfers geben? Ostrowski: Wir sehen momentan nicht die Notwendigkeit, unbedingt handeln zu müssen. Wir wollen mit ostwestfälischem Kämpfertum, mit Sturheit, aber auch mit Sparsamkeit und Effizienz erfolgreich sein. Ein Abstieg in die 3. Liga wäre aber sehr teuer. Ostrowski: Ein Abstieg ist nicht in meinem Kopf. Warum war die Entlassung von Trainer Jeff Saibene unvermeidlich? Ostrwoski: Ich schaue nach vorn. Mit Uwe Neuhaus wollen und werden wir Erfolg haben. Sie können aber sicher sein: Wir haben das Trainerthema nach der Empfehlung durch die Geschäftsführung im Aufsichtsrat intensiv diskutiert und einstimmig entschieden. Wir haben zwei Geschäftsführer und glauben, dass wir das richtige Personal haben. Das gilt für Herrn Rejek und genauso für Sportchef Samir Arabi. Wer hält sich wie er jetzt schon fast acht Jahre in einem Klub? Ich glaube, dass er eine gute Arbeit geleistet hat. Da mögen manche Fans anderer Meinung sein, aber das ist die Ansicht, die der Aufsichtsrat über Jahre gewonnen hat. Der Aufsichtsrat ist von Wirtschaftsfachleuten geprägt. Was halten Sie von einer Art sportlichem Beirat wie etwa in Gladbach, wo Hans Meyer und Rainer Bonhoff den sportlichen Leiter Max Eberl und Trainer Dieter Hecking mit ihrer sportlichen Kompetenz unterstützen? Ostrowski: Sportliche Kompetenz dazu zu holen, ist eine Sache, die wir diskutieren. Wir denken permanent darüber nach, wie wir uns verbessern können. Das betrifft auch den Aufsichtsrat. Sehen Sie es mir nach, dass ich Namen nicht diskutieren werde. Worin liegt für Sie persönlich die Motivation für Ihre Beteiligung am Kauf der Schüco-Arena durch Ihre FHO Invest GmbH und Co. KG? Ostrowski:  Der Stadionverkauf hat sich länger hingezogen, als wir dachten. Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass es einer Botschaft des Aufsichtsratsvorsitzenden bedarf, um die Sache erfolgreich zum Ende zu bringen. Außerdem ist das Ausdruck meiner Verbundenheit zur Region und zum Sport. Eine Herzensangelegenheit, kein Investment. Gibt es nicht einen Interessenkonflikt, wenn Sie Aufsichtsratsvorsitzender und zugleich Stadioneigentümer sind? Ostrowski: Den sehe ich nicht. Ich habe mich in Abstimmung mit den Sponsoren und den Unternehmen des Bündnisses am Kauf beteiligt und mich in den Abstimmungen enthalten. Arminias Präsident Hans-Jürgen Laufer ist in seiner letzten Amtszeit. Haben Sie Interesse, sein Nachfolger zu werden? Ostrowski:Nein. Herr Laufer macht grandiose Arbeit, er nimmt viele Termine wahr, um Arminia zu repräsentieren. Die Zeit habe ich nicht. Ich habe mehrere Mandate in Aufsichts- und Beiräten. Das Arminia-Mandat ist ehrenamtlich, aber mit Abstand das zeitaufwändigste. Wir hatten letztes Jahr 13 Sitzungen. Normal sind vier oder fünf. Wann steigt Arminia wieder in die Bundesliga auf? Ostrowski: Der wirtschaftliche Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ist mittlerweile sehr groß. Selbst Vereine wie der SC Freiburg oder Mainz 05, vor zehn Jahren noch Konkurrenten, sind aufgrund ihrer langjährigen Zugehörigkeit zur ersten Liga und entsprechenden Einnahmen sehr weit weg. Im Umsatz sind das mindestens 20 Millionen Euro Differenz pro Jahr. Also kein Aufstieg? Ostrowski: Natürlich haben wir Ambitionen, es wäre schlimm, wenn das nicht so wäre. Aber man kann einen Aufstieg nicht programmieren. Ich habe noch nie die Verantwortung für ein Geschäft getragen, in dem alles so sehr von Zufällen abhängt: Geht der Ball rein oder an den Pfosten, da geht es manchmal um Zentimeter. Wird ein Abseits übersehen? Das hat nichts mit Leistung oder Qualität von Mannschaft oder Geschäftsführung zu tun. Das ist anders als in anderen Geschäften, wo Sie große Maschinen oder Intelligenz einkaufen und dadurch kontrolliert ihre Marktposition verbessern. Was sind also Ihre Ambitionen für die kommenden Jahre? Ostrowski: Wir wollen die Aufbruchstimmung nutzen, uns stabilisieren und auf Sicht mindestens einen sicheren Platz in der 2. Liga erreichen, gerne mit Ambitionen. In der letzten Saison konnte man sehen, dass es manchmal nicht viel braucht für etwas mehr.

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