Große Unterschiede zwischen den Städten in NRW gibt es unter anderem bei den Kosten für die Müllabfuhr. - © Pixabay (Themenbild)
Große Unterschiede zwischen den Städten in NRW gibt es unter anderem bei den Kosten für die Müllabfuhr. | © Pixabay (Themenbild)

Bielefeld/Paderborn Studie zu Wohn-Nebenkosten: Paderborn glänzt, Bielefeld schneidet schlecht ab

Ranking: Haus & Grund hat die 100 größten Städte in Deutschland verglichen. Bielefeld schneidet schlecht ab. Der Mieterbund beklagt ein ganzes Bündel von Kosten, die das Wohnen immer teurer machen

Bielefeld/Paderborn. Die Stadt Paderborn ist bei den wichtigsten Wohn-Nebenkosten die günstigste Großstadt in NRW. 1.036 Euro muss eine vierköpfige Familie hier im Durchschnitt jährlich für Müllabfuhr, Abwasser und Grundsteuer ausgeben. Unter den 100 größten Städten, die das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag des Hausbesitzerverbands Haus & Grund miteinander verglichen hat, liegt Paderborn damit bundesweit auf Rang elf. Abgeschlagen auf Platz 78 im bundesweiten Vergleich landet Bielefeld mit 1.445 Euro durchschnittlichen Kosten für Müllabfuhr, Abwasser und Grundsteuer – das sind 40 Prozent mehr als in Paderborn. „Die Kosten des Wohnens steigen seit Jahren", beklagt Haus & Grund: „Die Nebenkosten sind zu einem immer größeren Preistreiber geworden. Viele Bürger stehen dem ohnmächtig gegenüber." "Es geht darum, Geld in die Kassen zu spülen" Ralf Brodda, Chef des Mieterbundes OWL, sieht vor allem die auf alle Mieter umzulegende Grundsteuer als Belastung für die Bielefelder an. Die Steuer sei 2017 empfindlich erhöht worden (auf einen Hebesatz von 660 Prozent), obwohl sie schon vorher alles andere als niedrig war. „Es geht offenbar darum, Geld in die Kassen zu spülen", weiß er. Bei Nebenkosten wie Müllabfuhr oder Abwasser könnten die Bürger nur begrenzt durch Sparsamkeit gegensteuern, weiß Brodda. Weil die gegebenen Fixkosten irgendwie getragen werden müssten, würden bei sinkendem Bedarf im Zweifel eben die Gebühren je Mengeneinheit steigen. Brodda beklagt, dass auch andere Posten das Wohnen verteuern: Neben den stark steigenden Kaltmieten stiegen oft etwa die Kosten für Aufzüge, Hausmeister und Hausreinigung: „Hier könnten die Vermieter ihren Einfluss durch Preisvergleiche geltend machen", fordert er. Gerade bei großen Wohnkonzernen bestehe der Verdacht, dass sie mit solchen Services auch Gewinne erzielen wollen. Großstädte mit hohen Kosten für Soziales und zentrale Angebote Die Stadt Bielefeld bestreitet die Entwicklung nicht: „Die Erhöhungen der Grundsteuer sind der Not geschuldet", sagt Kämmerer Rainer Kaschel mit Verweis auf die seit Jahren nötige Haushaltssicherung. Allerdings hätten auch andere Großstädte wegen hoher Sozialkosten und zentraler Angebote (etwa Theater) ähnliche Probleme. Immerhin liege die Höhe der Nebenkosten in Bielefeld nicht an der Müllabfuhr, wie Margret Stücken-Virnau betont, die Leiterin des Umweltbetriebs: „Wir arbeiten mit neuester Technik, sind effizient und auch im Vergleich mit anderen Städten preisgünstig." Ähnlich klingt es in Paderborn, wo Kämmerer Bernhard Hartmann auf gut geführte Stadtreinigung und Müllabfuhr verweist. Allerdings profitiere die Stadt auch von günstigen Gegebenheiten wie dem Bevölkerungswachstum und der Geographie, wie er bescheiden sagt. Zudem seien in der Vergangenheit segensreiche Entscheidungen etwa beim Bau der zentralen Kläranlage gefällt worden. Auch Paderborn hat Grundsteuern 2019 erhöht Die Grundsteuer B sei 2019 auch in Paderborn erhöht worden, sagt Hartmann – auf den fiktiven Hebesatz des Landes NRW (443 Prozent). Der Umgang mit den Schlüsselzuweisungen gebe einen Anreiz, die Grundsteuer an den fiktiven Hebesatz anzugleichen. Städte, die einen geringeren Hebesatz ansetzen, werden durch Kürzungen bei den Zuweisungen gewissermaßen bestraft. Das Ranking von Haus & Grund weist enorme Unterschiede bei den untersuchten Nebenkosten auf. Demnach zahlt eine vierköpfige Familie in einer Leverkusener Standard-Wohnung im jährlichen Schnitt fast 2.000 Euro für Müllabfuhr, Abwasser und Grundsteuer, in Regensburg dagegen nur knapp 860 Euro - also deutlich weniger als die Hälfte. In NRW sind nur die Nebenkosten in der rheinischen Mittelstadt Ratingen noch etwas günstiger als in Paderborn. Einen guten dritten Platz unter den größten Städte in NRW nimmt Gütersloh (bundesweit 27.) ein, wo 1.120 Euro für einen vierköpfigen Haushalt fällig werden. Nicht enthalten in der Rechnung des IW sind Heiz-, Strom- und Frischwasserkosten oder andere Gebühren wie Zählerablesung und Wartung - diese Kosten können Vermieter ebenfalls auf ihre Mieter umlegen.

realisiert durch evolver group