Nur ein Brieftaschentrick? Die Zauberkünstler Joachim Rau (l.) und Lutz Ermshaus vom Magischen Ortszirkel Bielefeld lassen ein Portemonnaie in Flammen aufgehen. - © Dennis Angenendt
Nur ein Brieftaschentrick? Die Zauberkünstler Joachim Rau (l.) und Lutz Ermshaus vom Magischen Ortszirkel Bielefeld lassen ein Portemonnaie in Flammen aufgehen. | © Dennis Angenendt

Bielefeld Diese Illusionisten aus Bielefeld lassen sich in ihre Karten schauen

Zauberhaft: Der Magische Ortszirkel Bielefeld wird 40 Jahre alt

Svenja Ludwig
11.01.2019 | Stand 10.01.2019, 22:12 Uhr

Bielefeld. "Denken Sie an Ihre Lieblingsspielkarte", sagt Lutz Ermshaus. Das ist die Kreuz-Dame. Ich stelle sie mir vor. Die Sonnenblume, die geflochtenen, brünetten Haarschnecken. Gleichzeitig ärgere ich mich. Das ist bestimmt der Trick. Ich passe mit meiner Wahl wahrscheinlich perfekt in irgendeine Statistik. Ermshaus fischt eine überdimensionierte Spielkarte mit blau gemustertem Rücken aus dem Jacket. Fragt, woran ich gedacht habe. Kreuz-Dame, sage ich und bin überzeugt, dass er mir nun genau diese präsentieren wird. Mit einem überlegenen Lächeln wendet er die Spielkarte. "Stimmt" steht in Großbuchstaben darauf. Na super. Das war's aber noch nicht mit der Zaubershow. Ermshaus steckt seine Brieftasche in Brand. Der andere Zauberer am Tisch, Joachim Rau, liest meine Gedanken und verwandelt direkt unter meiner Nase eine Karo-Drei in eine Pik-Dame. Obwohl ich die flinken Finger der Magier nicht aus den Augen lasse, komme ich nicht dahinter, wie sie es machen. »Magie entsteht in Ihnen, nicht auf der Bühne« "Es war toll, Ihre Reaktion zu sehen", sagt Rau: "Die Magie entsteht nämlich in Ihnen, nicht auf der Bühne." Magie, das sei die Fähigkeit, ein Gefühl in den Köpfen und Herzen der Zuschauer auszulösen. "Wir wollen die Menschen berühren", sagt Rau, "wie im Theater". Zauberkunst sei Unterhaltung, verbunden mit der Frage, wie etwas sein kann, was ja eigentlich nicht sein kann. Lutz Ermshaus und Joachim Rau gehören dem Magischen Zirkel von Deutschland (MZvD) an, genauer: dem Ortszirkel Bielefeld. Was klingt wie ein mystischer Geheimbund mit mystischen Praktiken und Ritualen, ist vor allem ein Netzwerk von Zauberkünstlern. Die Bielefelder Gruppe gibt es seit 40 Jahren. Ganz so lange sind die beiden Vorsitzenden noch nicht dabei, aber begeistert von der Magie sind sie seit ihrer Jugend. "Mein ehemaliger Klassenlehrer hat einfach ein Stück Kreide verschwinden lassen - da war ich plötzlich infiziert", erinnert sich Lutz Ermshaus. Der heute 43-Jährige studierte daraufhin einschlägige Zaubererliteratur und Fachmagazine und brachte sich die Techniken selbst bei. Mit 17 Jahren kam er mit dem Magischen Zirkel in Kontakt, er wurde zunächst Aspirant und legte dann seine Aufnahmeprüfung ab. Die bestand nicht darin, ein weißes Kaninchen aus einem Zylinder zu ziehen. Sondern aus Fragen zur Geschichte der Zauberei, zu Fachliteratur und, ja, auch aus einer magischen Präsentation. »Viele von uns nehmen Schauspielunterricht« Die Technik ist die Basis der Zaubertricks. "Meistens ist das zugrunde liegende Prinzip ein ganz einfaches", sagt Rau. Deshalb sollte das Geheimnis auch bewahrt werden. "Wenn man verrät, wie es geht, nimmt man den Leuten eher etwas weg." Überzeugend aber wird die Show nur, wenn die Illusion authentisch präsentiert wird. Deshalb müssen die Künstler viel mehr beherrschen als nur Fingerfertigkeit. "Viele von uns nehmen Schauspielunterricht", erklärt Ermshaus: "Wir beschäftigen uns auch mit der Psychologie des Menschen." Zu den Studiengebieten gehören außerdem beispielsweise Licht- und Tontechnik. Und das Wichtigste: der Glaube. "Wenn ein Tisch schwebt oder ein Tuch verschwindet, dann muss man selber daran glauben", sagt Ermshaus. Die Grenzen der ansonsten grenzenlosen Zauberkunst beginnen dort, wo behauptet wird, wirklich Magie wirken zu können. Auch schwarze Magie, Scharlatanerie oder Tierquälerei werde im Zirkel nicht geduldet, erklären die Zauberkünstler Lutz Ermshaus und Joachim Rau.

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