Starke Bilder: Jim Rakete vor der Porträt-Aufnahme, die die gebürtige Polin Monika Fitzon mit Karin Kerschke aus Dortmund zeigt. - © Christina Falke / Artbestimmt.de
Starke Bilder: Jim Rakete vor der Porträt-Aufnahme, die die gebürtige Polin Monika Fitzon mit Karin Kerschke aus Dortmund zeigt. | © Christina Falke / Artbestimmt.de

Bielefeld Starfotograf Jim Rakete feiert emotionales Wiedersehen in Bethel

Fotograf Jim Rakete hat 50 Bewohner aus Bethel fotografiert

Christina Falke
12.01.2019 | Stand 12.01.2019, 15:35 Uhr

Bielefeld. Schwarzweiß-Fotografien, die durch starke Kontraste tiefe Schwarztöne erzeugen – das ist die Bildsprache des Berliner Fotografen Jim Rakete. Vor drei Jahren hielt er den Lebensmoment von 50 Bethel-Bewohnern in Porträts fest. Gestern wurde die Ausstellung im Beisein des Fotografen im „Haus Groß Bethel", der Fachhochschule der Diakonie, in Bielefeld eröffnet. Nachdem die Fotografien erstmalig am 17. Januar 2017 dem Publikum im Deutschen Bundestag in Berlin präsentiert wurden, kehren sie, bald auf den Tag genau, zwei Jahre später nun „nach Hause" zurück. 50 Porträts von 50 Menschen Der Kontakt zwischen der Bodelschwinghschen Stiftung Bethel und dem Fotografen Jim Rakete war einst durch die Mutter eines Mitarbeiters der Stiftung entstanden. „Aber das war nicht entscheidend für mich die Arbeit zu machen", betonte Rakete. Vielmehr sei es das Thema gewesen, das ihn interessierte: 50 Porträts von 50 Menschen und somit 50 Leben respektvoll und ungeschminkt fotografisch zu Papier zu bringen – Endformat 1 Meter x 1,40 Meter. An den Start ging das Projekt bereits im Jahr 2016. Ein Querschnitt aller Bewohner der Bethel-Stätten deutschlandweit sollte fotografisch gezeigt, diese aber nicht als Behinderte dargestellt oder auf ihre Behinderung reduziert werden. Eine klare Vorgabe für die Aufnahmen, die für die damals noch angedachte Ausstellung unter dem Titel „Wir sind viele" zum 150. Jubiläumsjahr der Bodelschwinghschen Stiftung Bethel entstehen sollten. Der Fotograf war zu Tränen gerührt Zur Ausstellungseröffnung in Bielefeld reiste Jim Rakete dann gestern Morgen mit der Bahn aus Berlin an. Er zeigte sich als ein unkomplizierter, nahbarer Typ, dem es eher unangenehm scheint, wenn er über seine Arbeit sprechen soll und peinlich berührt ist, wenn er dann auch noch für seine Werke gelobt wird. Sichtlich genoss er hingegen dann das Bad in der Menschenmenge und das Wiedersehen mit seinen Porträtierten, die ihm zunächst einmal ein Ständchen anlässlich seines an Neujahr gefeierten 68. Geburtstags sangen. Zu Tränen gerührt rang Rakete zunächst um Fassung und sagte dann: „Ich möchte sie alle nicht als Models bezeichnen – denn zwischen uns gibt es doch mehr Gemeinsamkeiten als man denkt." Welche Gemeinsamkeiten diese sind, das ließ der Fotograf offen. Viele Größen der Neuen Deutschen Welle vertrauten ihm Vor allem in den 80er und 90er Jahren beherrschte Rakete mit seinen Bildern vor allem den deutschen Musikmarkt. Viele Größen der Neuen Deutschen Welle vertrauten ihm – auch als Manager. So verhalf er unter anderem Nina Hagen, Nena, der Band Spliff oder auch Fury in the Slaughterhouse zum Ikonen-Status. Porträts von David Bowie oder Mick Jagger ließen dann Jim Rakete, der eigentlich Günther Rakete heißt, auch internationalen Bekanntheitsgrad erlangen. Kurz: Er hatte sie alle vor seiner Kamera – Musiker, Schauspieler und Politiker. Sie alle schätzen an Rakete, dass er sich ihnen nicht aufdrängt und lieber den einen Moment abwartet. „Es ist dieser Moment der Begegnung – der geht direkt von den Augen auf den Film", beschreibt Rakete selbst seine Arbeit. Dazu einen lockeren, unvoreingenommenen Spruch und er bekommt seine Protagonisten dorthin, wo er sie auf dem Bild schließlich haben möchte: ganz bei sich. Und so wundert es nicht, dass auch die Bethel-Bewohner gleich Vertrauen zu dem Fotografen aufbauten. Überschwängliche Freude auf beiden Seiten Viele von ihnen wollten Jim Rakete deswegen auch unbedingt noch einmal wiedertreffen und machten sich auf den Weg nach Bielefeld in das im Jahr 1873 als „Anstalt für Epiletische" eröffnete „Haus Groß Bethel". Das Wiedersehen war eine überschwängliche Freude auf beiden Seiten. „Es war eine sehr intensive Arbeit. Es gab keine Posen. Das war ziemlich entwaffnend. Man musste erst mal lernen damit umzugehen", gestand Rakete. Als Andenken an diese Zeit überreichte Pastor Ulrich Pohl dem Fotografen abschließend einen alten Belichtungsmesser. „Der ist aus unserer Brockensammlung", erklärte Pohl Jim Rakete, der sich erst gar nicht sicher war, was er denn da in Händen hielt und konterte: „Könnte man auch als Eierkocher nehmen", scherzte er. Zum Abschluss spielte die Bethel-Band „Oder so" noch ihren Bethel-Jubiläums-Titel „Taschen voll Gold", den die Musiker damals gemeinsam mit Annette Humpe aufgenommen hatten und zu dem Jim Rakete anschließend das passende Musikvideo drehte und produzierte. Die Dauerausstellung „Wir sind viele" ist werktags von 9 bis 17 Uhr in den Räumen der Fachhochschule der Diakonie, Bethelweg 8, zu sehen. Auch der zur Ausstellungskatalog ist dort am Empfang erhältlich.

realisiert durch evolver group