Zu klein: Am Kesselbrink sind neben der Wache Ost auch die Spezialeinheiten (SEK, MEK), der Staatsschutz, das Kriminalkommissariat 14 für Raub- und Gewaltdelikte sowie die Abteilung für Polizeifahrzeuge untergebracht. Polizeipräsidentin Katharina Giere will die Wache aufgeben. - © Oliver Krato / Sarah Jonek
Zu klein: Am Kesselbrink sind neben der Wache Ost auch die Spezialeinheiten (SEK, MEK), der Staatsschutz, das Kriminalkommissariat 14 für Raub- und Gewaltdelikte sowie die Abteilung für Polizeifahrzeuge untergebracht. Polizeipräsidentin Katharina Giere will die Wache aufgeben. | © Oliver Krato / Sarah Jonek

Bielefeld Kritik: Bielefelder Polizeipräsidentin will Wache am Kesselbrink aufgeben

Behörde plant Neubau für 500 Beamte der Standorte August-Bebel- und Lerchenstraße. Das ehemalige FH-Gelände wäre dafür ideal. Polizeipräsidentin kritisiert aber den "inakzeptablen Preis" des BLB

Bielefeld. Geruchsbelästigungen und unliebsame Nager sorgen bei der Polizei an der Lerchenstraße schon länger für Unmut, auch die Wache am Kesselbrink ist in die Jahre gekommen und platzt aus allen Nähten. Deshalb will Polizeipräsidentin Katharina Giere beide Liegenschaften aufgeben und die 13 dort bisher ansässigen Dienststellen mit rund 500 Mitarbeitern an einem neuen Standort bündeln. Das bestätigte jetzt die Bielefelder Polizeibehörde. Solch kühne Planungen macht das Investitionsprogramm des NRW-Innenministeriums möglich. Unter dem Motto "Beamte sollen sich für ihren Arbeitsplatz nicht schämen müssen" sollen bis Ende 2022 landesweit 906 Millionen Euro in Sanierungen, Modernisierungen und Neuanmietungen investiert werden. Die Bielefelder Polizei hat den Bedarf für eine "Neuanmietung" angemeldet, sagt eine Sprecherin des Ministeriums. "Das Polizeipräsidium strebt für die Liegenschaften Lerchenstraße und Kesselbrink die Nutzung eines gemeinsamen Standortes in der Innenstadt an, in der sämtliche Dienststellen, inklusive Polizeiwache Ost, Einsatzhundertschaft und Spezialeinheiten sowie auch das Kommissariat für ?Kriminalprävention und Opferschutz? Platz finden", heißt es von der Polizei. Insgesamt 500 Mitarbeiter plus Schießanlage müssen unterkommen, zusätzlich wird eine Fläche für mindestens 435 Fahrzeuge benötigt, berichtet Polizeisprecherin Sonja Rehmert. "Ein Großprojekt." Starker Sanierungsbedarf Giere begrüßt das Investitionsprogramm: "Ich freue mich sehr, dass das Präsidium nach jahrelangem Stillstand endlich mit konkreten Planungen zu einem neuen Standort in der Bielefelder Innenstadt beginnen kann." Hintergrund dieser Planungen sei der stark sanierungsbedürftige Zustand der 70er-Jahre-Immobilien an Lerchenstraße und Kesselbrink. Die Polizei berichtet von maroden Sanitäranlagen und insgesamt maroder Gebäudesubstanz. Außerdem ist der Platzbedarf nicht mehr gedeckt. So stehen den Spezialeinheiten am Kesselbrink lediglich 60 Prozent ihres Platzbedarfs zur Verfügung. Schon länger weiß der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW von den Auszugsplänen. Deshalb habe man zuletzt lediglich die angezeigten Mängel behoben, eine Komplettsanierung der Gebäude aber nicht geplant, so BLB-Sprecher Carsten Pilz. Doch wo soll die Polizei hin? Die Polizeipräsidentin hatte bereits eine Idee. Als ein "sehr gut geeignetes Grundstück" des Landes bezeichnet sie das der ehemaligen Fachhochschule (Maschinenbau) an der Wilhelm-Bertelsmann-Straße. Laut BLB stehen dort auf einer Fläche von 24.887 Quadratmetern vier Gebäude (insgesamt 7.941 bebaute Quadratmeter), die aber abgerissen werden müssten. Bis Ende 2019 ist noch die Stadt Mieter, die dort eine Flüchtlingsunterkunft betrieb. Wie berichtet, wird im Februar der Kulturhaus-Verein mit 100 Künstlern den Labortrakt beziehen. Gespräche zwischen BLB und Polizei abgebrochen Dass der BLB anschließend tatsächlich für die Polizei dort neu baut, ist fraglich. Im Spätsommer brach die Polizei die Gespräche ab. Giere: "Das Grundstück steht leider aufgrund von inakzeptablen Preisvorstellungen des BLB nicht zur Verfügung." Nachvollziehen könne Giere das nicht: "Schließlich ist es eine Hauptaufgabe des BLB, für eine adäquate Unterbringung von Landesbehörden zu sorgen." Laut Sprecher Pilz habe der BLB lediglich einen Projektvertrag vorgelegt, da die räumlichen, technischen und qualitativen Anforderungen noch nicht vorlagen. Da noch kein verbindliches Mietangebot möglich gewesen sei, habe der BLB "eine maximale Jahresmiete als Kostenobergrenze" angegeben - aufgrund fehlender Grundlagen plus Risikoaufschlag. "Die angegebene maximale Jahresmiete ist somit eine Größenordnung als Kostenobergrenze, die mit zunehmendem Planungsfortschritt konkretisiert wird und deutlich sinken kann", so Pilz. Zu viel für die Polizeibehörde. Denn diese sucht jetzt "schnellstmöglich" geeignete Immobilien oder Grundstücke, die nicht dem Land gehören. "Klares Ziel ist es, das Großprojekt so zügig wie möglich zu realisieren. Dabei ist mir bewusst, dass dies - auch aufgrund der Hochkonjunkturphase - kein einfaches Unterfangen wird", so Giere. Gewinner der gescheiterten Verhandlungen könnte die Stadt sein. Denn auch die hat für die sanierungsbedürftige und auszubauende Hauptfeuerwache Am Stadtholz ein Großprojekt vor der Brust. Das FH-Grundstück wäre dafür ein möglicher Alternativstandort.

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