Ein Traum in Weiß: Die Leineweber-Statuette (r.) wird ein Bietergefecht auslösen, wie Auktionator Christian Presch (l.) und Michael Geymeier von der Heilsarmee glauben. Doch auch unter den anderen Exponaten verbirgt sich sicherlich das eine oder andere Schätzchen. - © Oliver Krato
Ein Traum in Weiß: Die Leineweber-Statuette (r.) wird ein Bietergefecht auslösen, wie Auktionator Christian Presch (l.) und Michael Geymeier von der Heilsarmee glauben. Doch auch unter den anderen Exponaten verbirgt sich sicherlich das eine oder andere Schätzchen. | © Oliver Krato

Bielefeld Das sind die schrecklichsten Weihnachtsgeschenke Bielefelds

Leineweber kommt unter den Hammer

Bielefeld. Erst unterm Baum, dann unterm Hammer: Was sich nach dem Auspacken als grässliches Weihnachtspräsent entpuppt hat, das landet kurz nach den Feiertagen auf der Recycling-Geschenke-Auktion der Heilsarmee Bielefeld. Dort bringt Auktionator Christian Presch das Unliebsame unter das Bietervolk. Alles für den guten Zweck. "Es gibt Bietergefechte um Sachen, von denen man im Vorfeld denkt: die will keiner haben" Stapelten sich in den vergangenen Auflagen der Kultveranstaltungen hauptsächlich Nutzloses und Funktionsbefreites in den Auslagen, können im 19. Jahr einige ostwestfälische Must-haves ersteigert werden. Kaffeebecher im Bielefeld-Design oder Lebkuchenherz-Werbeträger der lokalen Medien gehören zweifellos in den gut sortierten Haushalt. Und jeder Bielefelder, der etwas auf sich hält, freut sich doch über eine Leineweber-Plastik aus - naja - vermutlich Plastik. Der reinweiße Staubfänger im praktischen Vitrinenformat, Epoche Sommerferien, Herkunft beliebiger Souvenirshop, wird, da sind sich die Veranstalter sicher, der Renner der Auktion. Nicht nur regional, sondern überaus nützlich: eine Eieruhr zum Mitkochen. Das ostfriesisch anmutende Oval kommt laut Originalverpackung aus Oerlinghausen und wirbt mit wortwitzigem Kosmopolitismus: "Haute techn-?uf-logie" (französisch: gehobene Techn-ei-logie). Da wird selbst der Auktionator neugierig und studiert den Karton. Doch plötzlich fällt auf: "Oh, da ist das MHD ja abgelaufen, da weiß ich gar nicht, ob wir das anbieten können." Tatsächlich, das Plastikei hat seine Mindesthaltbarkeit dezent überschritten (September 2015). Ein anderes raffiniertes Küchenutensil ist garantiert nicht abgelaufen - auch wenn an dieser Stelle nicht garantiert werden kann, dass darin das Streichfett nicht ranzig wird. Ein batterie- und kabelloser Verdunstungskühler mit Wasserring in Form eines beleibten Buttermädels - da schlagen sicher nicht nur Hausfrauenherzen höher. Immer ein Gebot wert außerdem: Michael Geymeier von der Heilsarmee, der sich und seine professionelle Zuckerwattemaschine für einige klebrig-süß-vergnüglichen Stunden feilbietet. Am liebsten würde er sich, wie er sagt, übrigens von einem anderen Verein ersteigern lassen. Noch bis zum ersten Hammerschlag am Samstag, 5. Januar, um 12 Uhr im Hinterhaus der Siegfriedstraße 32 können Geschenke, die beim Adressaten nicht ganz ins Schwarze getroffen haben, abgegeben werden. Und wer weiß? Vielleicht ist darunter ja ein richtiger Knaller. "Es gibt Bietergefechte um Sachen, von denen man im Vorfeld denkt: die will keiner haben", weiß Presch. Der Erlös der besonderen Exponate wird dem Verein "Widerspruch" zukommen, einer Organisation, die Leistungsempfänger zum Beispiel bei rechtlichen Fragen oder Behördengängen unterstützt.

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