Strahlendes Lächeln: Flüchtling Hakeem Noono darf ab Januar offiziell die Schaufel schwingen – als Auszubildender zum Tiefbauer. Seine Arbeitskollegen und Freunde Youssef Tour (v. l.), Manuchehr Saidov und Emigen Curri freuen sich, mit Hakeem künftig wieder gemeinsam auf Baustellen fahren zu dürfen. - © Barbara Franke
Strahlendes Lächeln: Flüchtling Hakeem Noono darf ab Januar offiziell die Schaufel schwingen – als Auszubildender zum Tiefbauer. Seine Arbeitskollegen und Freunde Youssef Tour (v. l.), Manuchehr Saidov und Emigen Curri freuen sich, mit Hakeem künftig wieder gemeinsam auf Baustellen fahren zu dürfen. | © Barbara Franke

Bielefeld Warum Flüchtling Hakeem jetzt doch arbeiten darf

Die Ausländerbehörde hatte dem 21-Jährigen im Sommer verboten, seine Ausbildung zum Tiefbauer anzutreten. Grund war seine ungeklärte Identität

Bielefeld. Sein schönstes Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr war kein neuer Laptop oder eine schicke Uhr, sondern ein einziger Satz: „Sie dürfen arbeiten". Als den jungen Flüchtling Hakeem diese Botschaft erreicht, will er sie zunächst gar nicht glauben, denn genau das wurde ihm seit einem knappen halben Jahr verwehrt. Hakeem lebt seit 2016 in Bielefeld, machte für den Betrieb Jens W. Kipp Tiefbau GmbH bis Sommer ein Langzeitpraktikum – eine Art Vorbereitung für eine Ausbildung. Dabei entzückte er seine Chefs, die ihn als „total fleißig und absolut motiviert" beschrieben. Doch die Ausländerbehörde verwehrte dem jungen Flüchtling Ende Juli die Ausbildung zum Straßenbauer, weil seine Herkunft nicht geklärt sei. Das riss dem 21-Jährigen den Boden unter den Füßen weg. Er, der in Freundes- und Bekanntenkreisen eigentlich für seine positive Lebenseinstellung und sein freudiges Gemüt bekannt ist, stürzte in ein tiefes Loch, das langsam immer tiefer wurde. Hakeem versuchte seit August verzweifelt, seine Identität nachzuweisen. Sprich: Wer er ist und wo er herkommt. Dabei kämpfte er sich erfolglos durch den dichten Dschungel der Behörden. Der Senner Betrieb um Ausbildungsbetreuerin Maja Gehle unterstützte ihn hingebungsvoll. Gehle schaltete Asylanwälte ein, kontaktierte Politiker, die Stadt, holte sich an unzähligen Stellen Rat. Erfolglos. An der Entscheidung der Behörde war nichts zu machen. Das lag auch daran, dass Hakeems Fall besonders komplex ist. Er gibt an, aus Ghana zu stammen, seine Eltern seien afrikanische Wanderarbeiter und seit Jahren tot. Hakeems Asylantrag wurde abgelehnt, da Ghana als sicheres Herkunftsland gilt. Das Land aber lehnt seine Staatsangehörigkeit ab – und will ihn deshalb nicht aufnehmen. In welches Land soll er also abgeschoben werden? Somit gilt Hakeems Herkunft offiziell als ungeklärt. Die Pflicht eines Asylbewerbers ist es in solchen Fällen mitzuhelfen, die Identität zu klären. Genau das tat Hakeem. Doch genau das blieb bis Ende Dezember ohne Erfolg. Während seine Arbeitskollegen und Freunde morgens gemeinsam zur Baustelle fuhren und sich ihr eigenes Geld verdienten, musste Hakeem zu Hause ausharren. Und nichts tun. Auf Kosten des Staats. Ablenkung fand er beim Tischtennis und in der Kirche Für den dynamischen jungen Mann eine schwere Situation. Ein bisschen ablenken konnte er sich im Tischtennisverein des VfL Ummeln, in der Kirchengemeinde und bei ehrenamtlichen Projekten im Ort. So pflasterte er beispielsweise freiwillig den Eingangsbereich vom Landschaftspflegehof Ramsbrock in Senne. Doch je mehr Tage ins Land gingen, desto weniger Hoffnung verspürte Hakeem. Aus dem einst positiv eingestellten jungen Neuankömmling wurde nach und nach ein stiller und in sich gekehrter Mann, der mit sich und seiner Welt nicht mehr im Reinen zu sein schien. Bis plötzlich das Telefon klingelte. Frauke Ley aus dem Büro von Oberbürgermeister Pit Clausen überbrachte Maja Gehle in dem Telefonat Ende Dezember die freudige Botschaft. „Hakeem darf arbeiten". Die Begründung: „Hakeem Noono hat eine hinreichende Bemühung an den Tag gelegt, seine ungeklärte Identität aufzuklären", erklärt Ley auf Nachfrage der NW. Es mache darüber hinaus keinen Sinn, einen fleißigen, bemühten und bestens integrierten Menschen zur Untätigkeit zu verdonnern, so Ley. Geklärt sei seine Identität zwar noch immer nicht, dennoch dürfe Hakeem seine Ausbildung zum neuen Jahr aufnehmen. Inwieweit diese Entscheidung mit der neuen politischen Situation rund um das jüngst beschlossene „Fachkräfteeinwanderungsgesetz" zusammenhängt, ist indes unklar. Unklar ist auch, warum diese positive Entscheidung jetzt – und nicht schon vor Monaten gefällt wurde. Doch das ist den Betroffenen nun auch ziemlich egal. Sie sind dankbar. „Hakeems beachtliche Integrationsleistung und seine Bedeutung für das Handwerk wurden anerkannt", freut sich Gehle. Denn derart talentierte und motivierte junge Arbeitskräfte könne sich ein Handwerksbetrieb nur wünschen, findet Gehle. Und Hakeem? „Ich bin unglaublich froh, dass es nun für mich weitergeht und dass ich hier einfach meinen Weg gehen kann", sagt er. „Weihnachten war die richtige Zeit für so ein Geschenk."

realisiert durch evolver group