Verstört von den Erlebnissen in Griechenland: Ahmad Farzat, Ehefrau Faten Schechail und die Töchter Hanin und Aya, anerkannte Asylbewerber aus dem syrischen Homs mit Wohnsitz in Bielefeld. - © Ansgar Mönter
Verstört von den Erlebnissen in Griechenland: Ahmad Farzat, Ehefrau Faten Schechail und die Töchter Hanin und Aya, anerkannte Asylbewerber aus dem syrischen Homs mit Wohnsitz in Bielefeld. | © Ansgar Mönter

Bielefeld Für eine syrische Familie wird ein Urlaub zum Horror-Trip

Verschleppung: Beim Besuch in Griechenland werden die anerkannten Asylbewerber aus Bielefeld von der dortigen Polizei bestohlen und zwangsweise in die Türkei gebracht. Dort wartete die nächste Schikane

Ansgar Mönter
11.12.2018 | Stand 11.12.2018, 10:37 Uhr

Bielefeld. Das Entsetzen ist Ahmad Farzat noch anzusehen. Der Syrer hat im November einen Horrortrip für sich und seine Familie erleben müssen. Zusammen wollten die anerkannten Asylbewerber mit Wohnsitz in Bielefeld Verwandte in Griechenland besuchen. Entwickelt hat sich daraus ein Ereignis, bei dem sie nach eigenen Aussagen verschleppt, bestohlen und körperlich bedroht wurden - von der Polizei in Griechenland. Griechische Polizei verschleppt Familie Immer noch verstört deswegen sind seine Töchter Hanin und Aya, zwei und drei Jahre alt. Ahmad Farzat, der 32-jährige Familienvater, erzählt eine Geschichte, die er mit genauen Daten und Angaben unterfüttert, die aber nicht von zweiter Stelle verifiziert werden kann. Eine Nachfrage beim griechischen Staat über die Botschaft in Berlin blieb unbeantwortet. Laut Farzat flog seine Familie am 3. November vom Flughafen Weeze nach Griechenland. Er kehrte zwei Tage später wieder heim nach Bielefeld, weil das Ehepaar noch zwei weitere Kinder im schulpflichtigen Alter hat. Ehefrau Faten und die beiden kleinen Töchter blieben in Griechenland für den Besuch der Verwandten in der nordöstlichen Hafenstadt Kavala. Am 17. November dann machte sich der Syrer auf, um Frau und Kinder wieder abzuholen. "Wir sind dort in einen Bus gestiegen, haben aber unterwegs bemerkt, dass wir einen falschen Bus genommen haben", berichtet Ahmad Farzat. Er habe versucht, sich bei einem Stopp bei der örtlichen Bevölkerung durchzufragen. Plötzlich aber stand die Polizei vor ihnen und verlangte Papiere. Als anerkannte Asylbewerber hatte Farzat einen blauen Reiseausweis der Bundesrepublik Deutschland dabei, der ihn eindeutig zu erkennen gibt. Handy, Pass, Jacken werden einkassiert Die griechischen Polizisten kassierten jedoch die Dokumente der Familie ein, ebenso die Smartphones der Eltern. Dann mussten sie mit anderen Personen umsteigen in einen Transporter. Erklärungen gab es nicht, weder über den Grund noch über das Ziel der Fahrt. An der türkischen Grenze endete die Odyssee. "Dort mussten wir in ein Boot steigen", erzählt Farzat. Seinen Pass bekam er wieder. "Unsere Telefone haben wir nicht wieder bekommen." Einbehalten wurden auch andere persönliche Dinge, unter anderem Jacken. "In der Türkei mussten wir mehr als fünf Stunden zu Fuß gehen, es war sehr kalt" Die vermisste die Familie später sehr. "In der Türkei mussten wir mehr als fünf Stunden zu Fuß gehen, um zu einem Ort zu kommen, es war sehr kalt", sagt Farzat. Sie froren, vor allem die Kinder. In einem Dorf gelang es dem Familienvater, einen Transport bis nach Istanbul zu organisieren. Am Flughafen kaufte er Tickets für seine Familie nach Düsseldorf. "Für 650 Euro", sagt er. Die Tickets von Griechenland aus waren inzwischen verfallen. Sie hatten ihn 600 Euro gekostet. Dabei blieb es nach seinen Angaben jedoch nicht. Türkische Sicherheitsbeamte verlangten von der syrischen Familie wegen "illegaler Einreise" eine Strafzahlung von 800 Euro. Wieder zu Hause in Bielefeld angekommen wurde der syrischen Familie erst richtig bewusst, was ihnen passiert war, weil die beiden Töchter immer noch verstört reagierten. "Sie hatten so eine Angst vor den griechischen Polizisten, die vermummt waren", sagt der Vater. Außerdem hätten die Beamten mit Gewalt gedroht. Kaum Chance auf Wiedergutmachung Seine Töchter, sagt der Vater, müssten jetzt eigentlich psychologisch betreut werden. Hinzu kommt der materielle Schaden. Mit den Flugtickets, den gestohlenen Smartphones und der Strafe beläuft der sich auf rund 2.000 Euro. Familie Farzat hat vermutlich kaum eine Chance auf Wiedergutmachung. "Von unserer Seite ist leider keine qualifizierte Beratung in dem komplizierten Fall möglich. Unsere Themenschwerpunkte sind im deutschen Asyl- und Aufenthaltsrecht", teilt Hendrik Unger vom Arbeitskreis Asyl in Bielefeld mit Bedauern mit. Er rät der Familie trotzdem, sich mit dem "Greek Concil for Refugees" in Athen in Verbindung zu setzen. Das sei eine lokale, unabhängige Organisation. "Es ist unter Umständen möglich, gegenüber den griechischen Behörden auf zivilrechtlichem Wege Schadenersatz im Rahmen der Amtshaftung zu erlangen." Allerdings, schränkt Unger ein: "Ist die Aussicht auf Erfolg unserer Einschätzung nach eher gering."

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