Freut sich wie Bolle: Oberbürgermeister Pit Clausen ist hellauf begeistert, dass sich in Bielefeld eine medizinische Fakultät gründen wird. Die Stadt will dabei großer Unterstützer sein. - © Christian Weische
Freut sich wie Bolle: Oberbürgermeister Pit Clausen ist hellauf begeistert, dass sich in Bielefeld eine medizinische Fakultät gründen wird. Die Stadt will dabei großer Unterstützer sein. | © Christian Weische

Bielefeld Pit Clausen im Interview: „Die neue Fakultät ist ein Glücksfall für Bielefeld“

Interview: Oberbürgermeister Pit Clausen sieht bei den Bauplänen der Uni am Hang des Teutoburger Waldes keine rechtlichen Bedenken und schlägt dem Land eine Idee vor

Andrea Rolfes

Herr Clausen, die Medizin-Fakultät kommt. Ihnen wird in dieser Sache fehlender Enthusiasmus vorgeworfen. Wie groß ist Ihre Begeisterung über die Entwicklung tatsächlich? Pit Clausen: Es ist ein Glücksfall für die Stadt. Es ist ein Glücksfall für die Universität. Und es ist ein Glücksfall für den Wirtschaftsstandort Bielefeld, den wir einfach nutzen müssen und auch wollen. Ich freue mich also wie Bolle, dass die medizinische Fakultät nach Bielefeld kommt. Das habe ich übrigens schon mehrfach öffentlich formuliert. Ist der Plan, die Medizin-Fakultät im Gebäude des Innovationszentrums unterzubringen, gut? Clausen: Im Grunde können wir wieder von einem Glücksfall reden. Als wir das Gründerzentrum dort gebaut haben, hat keiner von uns geahnt, dass die medizinische Fakultät mal kommen würde und Raumnot haben könnte. Nun ist es aber so und dieses Gebäude steht da fertig. Die Medizin-Fakultät hat schneller Raumbedarf als gedacht und es würde viel zu lange dauern, jetzt alle Räumlichkeiten neu zu bauen. Und wo bleiben die Gründer? Clausen: Diejenigen, die in der Vergangenheit mit der BGW schon Vereinbarungen über Raumnutzungen im Innovationszentrum getroffen haben, können dort auch einziehen. Auch alle weiteren Zusagen werden bedient. Die Stadt wollte aber eigentlich mit dem neuen Gründerzentrum die Entstehung einer ganzen Start-up-Szene anschieben. Das fällt ja nun aus. Clausen: Wir wollen auf dem Hochschulcampus Nord hinter der Fachhochschule ein neues Center aufbauen. Es soll Raum für Start-ups und für Ausgründungen aus der Universität bieten. Übrigens auch für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Kooperationsprojekte mit Unternehmen, die in Forschung unterwegs sind. Die Fertigstellung wird aber noch Jahre dauern. Clausen: Ja, an dieser Stelle merkt man, dass die Stadt in der Rolle des Unterstützers für die Universität ist. Wir werden unser Gebäude, mit dem wir eigentlich etwas anderes vor hatten, zur Verfügung stellen. Damit das, was nötig ist, nämlich die Unterbringung der medizinischen Fakultät, auch zeitnah erfolgen kann. Noch deutlicher kann der Beleg für unsere Unterstützung, Haltung und Freude nicht sein. Das Innovationszentrum ist vom Land mit 11,8 Millionen Euro gefördert worden, um Gründer zu unterstützen. Das Geld muss die Stadt jetzt zurückzahlen. Clausen: Da mache ich mir keine Sorgen. Der Vorschlag, das Innovationszentrum für die Medizin-Fakultät zu nutzen, kommt aus Düsseldorf. Da müssen sich jetzt die zuständigen Ministerien abstimmen und finanziell einig werden. Es soll eine halbe Milliarde investiert werden, um auf dem Campus neue Gebäude für die Medizin-Fakultät zu schaffen. Es gibt Pläne, die Gebäude am Hang des Teutoburger Waldes neben dem ZIF vorsehen. Ist das denkbar? Clausen: Wir verstehen uns so, dass wir unterstützen, begleiten und ermöglichen wollen, was geht. Wir beraten auch im Vorfeld unter städtebaulichen Gesichtspunkten, unter klimapolitischen und unter Verkehrsgesichtspunkten. Am Ende muss die Uni sagen, wie sie es haben will. Unser Selbstverständnis ist dann, dass wir alles so hinbekommen, wie es die Uni am besten findet. Das gilt auch für das Gebäude-Ensemble, das zwischen Teutoburger Wald und heutigen Universitätskomplex zusätzlich errichtet werden muss. Unüberwindliche planungsrechtliche Probleme sehe ich bei den aktuellen Plänen nicht. Aber wir müssen das natürlich noch im Detail prüfen. Es gibt weiteren Baubedarf. Das Städtische und das Evangelische Klinikum wollen Uni-Kliniken werden und brauchen für die Ausbildung der Studenten die notwendige Infrastruktur wie Hörsäle oder OP-Räume. Das kostet Millionen. Clausen: Ja. Deswegen haben wir im Hauptausschuss einstimmig noch mal unsere Erwartung zum Ausdruck gebracht, dass die Finanzierung der Infrastruktur für die Ausbildung der Medizin-Studenten natürlich über das Land erfolgen muss. Das ist nun mal in unserer Verfassung im Grundgesetz so geregelt. Aus gutem Grund. Das muss man an dieser Stelle noch einmal unterstreichen. Freuen Sie sich als Hauptgesellschafter des Klinikums Mitte, dass das Krankenhaus so zeitnah Uni-Klinik werden kann? Clausen: Der Hauptausschuss hat sich in seiner letzten Sitzung einstimmig gefreut und begrüßt, dass auch das Städtische Klinikum von der Universität Bielefeld als ein Kooperationspartner der ersten Wahl mitbetrachtet wird. Das freut uns sehr. Denn das kann auch dem Klinikum selbst in seiner weiteren Entwicklung helfen. Michael Ackermann, Geschäftsführer des Städtischen Krankenhauses, erhofft sich aber mehr Unterstützung der Stadt. Er moniert, dass Bielefeld in Düsseldorf zu leise sei und zu wenig Druck mache, damit das Geld auch kommt. Clausen: Ich schätze Michael Ackermann sehr. Aber er hört und er sieht nicht alles. Es gibt zum Beispiel einen Beirat zur Medizinischen Fakultät in Gründung. Bei dem sind alle involvierten Ministerien des Landes dabei, natürlich die Universitätsleitung und auch ich als Oberbürgermeister. Ein solcher Beirat ist genau die Plattform, die man braucht, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Reicht das denn schon? Clausen: Sehen Sie es mir nach. Ich bin so oft in Düsseldorf. Ich glaube, ich darf selbstbewusst sagen, ich bin so gut vernetzt in den Ministerien, dass ich kein Ministerbüro kenne, wo sich die Tür nicht öffnet, wenn ich anklopfe. Seien Sie ganz sicher, dass Lobbyarbeit an der Stelle erfolgt. Wäre die Stadt auch bereit, selbst finanziell einzuspringen, um dem Städtischen Krankenhaus den Weg zum Uni-Klinikum zu ermöglichen? Clausen: Ja. Wenn an diesem Standort etwas passiert, dann wollen wir das unterstützen. Aber die Art der Unterstützung können wir erst beschreiben, wenn wir wissen, wie das Land sich selbst die Finanzierung vorstellt. Das ist noch nichts final entschieden. Wie könnte denn eine Hilfe aussehen? Clausen: Ich nehme mal ein Beispiel. Das Land würde sich entscheiden, die Räumlichkeiten, die man für die medizinische Ausbildung an den Kliniken braucht, anzumieten. Dann fehlt natürlich jemand, der am Anfang in das Invest geht und die Räume baut, die später dann vom Land oder der medizinischen Fakultät gemietet werden. Dann kann ich mir vorstellen, dass wir in dieses Invest gehen. Aber im Moment muss man erstmal abwarten. Für das Klösterchen stellt sich die Entwicklung schwieriger dar. Können Sie die Geschäftsführung verstehen, die moniert, dass so lange nicht entschieden ist, wer die Studenten ausbilden soll, es für die Stadt wenig Gründe gebe, ein einziges Krankenhaus finanziell zu unterstützen? Clausen: Als Krankenhausträger sind wir in einer Sondersituation. Wir sind nur beim Städtischen Klinikum Gesellschafter. Das heißt, wir können aus der Rolle des Gesellschafters auch nur an dieser Stelle helfen und nicht bei den anderen. Wer als Kooperationspartner für die Uni in Frage kommt, entscheidet nicht die Stadt, sondern ganz allein die Universitätsleitung. Da kann ich keinen Einfluss nehmen. Ich wünsche dem Klösterchen aber alles Gute. Denn wäre das Krankenhaus auch als Uni-Klinik dabei, würde das wieder den Wirtschafts- und Gesundheitsstandort Bielefeld stärken. Das Interview führte Andrea Rolfes

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