Häufiger Wechsel: An der Goldstraße ist manches Geschäft schon nach kurzer Zeit wieder geschlossen. Länger ansässig sind dagegen Betten Kirchhoff (l.) und die Galerie Best auf der gegenüberliegenden Seite. - © Wolfgang Rudolf
Häufiger Wechsel: An der Goldstraße ist manches Geschäft schon nach kurzer Zeit wieder geschlossen. Länger ansässig sind dagegen Betten Kirchhoff (l.) und die Galerie Best auf der gegenüberliegenden Seite. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld So hat sich die Goldstraße in der Altstadt verändert

Peter Pabst hat sich nach 53 Jahren verabschiedet. Die Kartoffelbar ist geschlossen, und Storm Stine hört Ende des Jahres auf. Neu hinzugekommen ist ein Modeladen, bald folgt ein Friseursalon

Heidi Hagen-Pekdemir

Bielefeld. Im Grunde ist die Goldstraße eine Topadresse. Kunstgalerien, Modeläden, Restaurants, ein alteingesessenes Bettenhaus und weitere inhabergeführte Geschäfte - der Mix stimmt. Zudem attestieren Immobilienmakler der Meile zwischen Obern- und Ritterstraße eine positive Besucherfrequenz. Trotzdem verschwindet mancher Laden schon bald wieder von der Bildfläche. Erst kürzlich geschlossen hat die Kartoffelbar - zum großen Bedauern der Stammgäste Völlig lautlos in den Ruhestand verabschiedet haben sich Gertrud und Peter Pabst - und nach mehr als 50 Jahren ihr Geschäft an der Goldstraße 5 aufgegeben. Pabst, der Kürschner, hatte sich 1965 mit Rauchwaren, die Pelze im Branchenjargon heißen, selbstständig gemacht. Als Anfang der 1980er Jahre die Nachfrage nachließ, steuerten die Geschäftsleute um. Hochwertige Luxuslabels prägten fortan das Sortiment, darunter Namen wie Versace, Akris und Allude. Auf Pabst folgt nun wieder ein Modegeschäft. Aust heißt der neue Laden, den Gabriele Schaadt eröffnet hat, als Franchisepartnerin der gleichnamigen Modekette mit 50 Boutiquen deutschlandweit. Auf der anderen Straßenseite schräg gegenüber gibt Jan Willeke auf. Mit seinem Laden Storm Stine hatte der Bielefelder im August 2017 einen Ableger seines bereits bestehenden Geschäfts auf der Nordseeinsel Langeoog eröffnet. Der Landgang endet nun am 22. Dezember. Der Grund? Das Kaufverhalten der Kunden habe sich "allgemein verändert", sagt Willeke. Auch aus dem hohen Norden will er sich dauerhaft verabschieden. Es treibe ihn nun zurück zu den Wurzeln, in seine Heimatstadt Bielefeld, erklärt der Geschäftsmann. Was genau er vorhat, ist noch sein Geheimnis. Erst kürzlich geschlossen hat die Kartoffelbar - zum großen Bedauern der Stammgäste. An gleicher Stelle haben zuvor schon unterschiedliche Gastronomen ihr Glück versucht: darunter die Fastfood-Kette Subway, ein Nudelrestaurant, ein Asia-Imbiss und ein Café. Nachfolger sind noch nicht in Sicht. Den Branchenmix erweitern wird Anfang nächsten Jahres eine Friseurin. Stefanie Weißenborn eröffnet ihren Salon No. 14 in den ehemaligen Räumen von Eva & Faust Interieur (Obernstraße 14, Eingang Goldstraße). "Jeden Tag kommen hier neue Kunden ins Geschäft" Ihr Vertrag mit der Franchisekette Toni und Guy läuft aus, den gleichnamigen Betrieb an der Obernstraße 4 wird Weißenborn aufgeben. 20 Mitarbeiter beschäftigt sie dort aktuell. Am neuen kleineren Standort wird sie sechs Stühle zur Bedienung aufstellen - und weniger Personal einsetzen. Es sei der Fachkräftemangel, der sie dazu veranlasse, erklärt die Meisterin. Warum es manche Geschäfte nur kurze Zeit an der Goldstraße aushalten, wird unterschiedlich gedeutet. Als "irgendwie tot" empfindet Susanne Tappe-Brinkmann die Ecke. Die ehemalige Betreiberin von Eva & Faust Interieur hat ihr Sortiment von der Goldstraße in ihren Modeladen an der Welle integriert. Diesen Standort hält sie für deutlich besser. "Jeden Tag kommen hier neue Kunden ins Geschäft", sagt sie, darunter häufig Nutzer des benachbarten Welle-Parkhauses. Anders als Tappe-Brinkmann sieht Brigitte Scheele die Goldstraße als eine der ersten Adressen Bielefelds. "Es ist heute nun mal so, dass kaum noch ein Geschäft 20 bis 30 Jahre am selben Standort bleibt, sagt die Geschäftsführerin von Adam-Immobilien. Um ein Unternehmen länger an einen Platz binden zu können, müsse vor allem der Mietpreis passen.

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