Frische Ergänzungen fehlen: Das war beim vorherigen Caterer anders, da gab es eine Salatbar. Auch die Bestellvorgänge sind umständlich. Immer weniger Schüler nutzen deshalb jetzt mittags das Schulessen. Das widerspricht jedoch dem Konzept des Gebundenen Ganztags. - © Pixabay
Frische Ergänzungen fehlen: Das war beim vorherigen Caterer anders, da gab es eine Salatbar. Auch die Bestellvorgänge sind umständlich. Immer weniger Schüler nutzen deshalb jetzt mittags das Schulessen. Das widerspricht jedoch dem Konzept des Gebundenen Ganztags. | © Pixabay

Bielefeld Bielefelder Schulessen kommt täglich aus Hannover

Weiterführende Schulen: Die Stadt hat einen neuen Caterer beauftragt. Das Mittagessen hat jetzt einen weiten Weg - und ein kompliziertes System. Das kommt nicht gut an

Ivonne Michel

Bielefeld. Beim Thema Mittagessen an den weiterführenden Schulen der Stadt gibt es aktuell viel Unzufriedenheit. "Dass das Essen jetzt jeden Tag aus Hannover hier angekarrt wird, ist ja wohl alles andere als umweltfreundlich", sagt eine Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Das neue Bestellsystem sei zudem sehr kompliziert, klagen Eltern, Schüler und Lehrer. Für die Mittagessenversorgung an den städtischen weiterführenden Schulen im Gebundenen Ganztag ist das Amt für Schule zuständig. Zum neuen Schuljahr ist der bisherige Vertrag mit der "Stattküche", die die Schulen seit zehn Jahren beliefert hat, ausgelaufen. Der Auftrag wurde neu ausgeschrieben - deutschlandweit. Es habe da aber überhaupt nur einen Bewerber gegeben, ist aus Schulkreisen zu hören. Der Preis entscheidet "Wir dürfen da keine Zahlen nennen", sagt Amtsleiterin Georgia Schönemann. Bei der Ausschreibung müssten die Rahmenbedingungen des öffentlichen Vergaberechts eingehalten werden. Wenn die Qualitätsvorgaben der Leistungsbeschreibung eingehalten werden, entscheide der Preis. Dass das Mittagessen jetzt jeden Tag von Hannover nach Bielefeld transportiert wird, müsse dabei in Kauf genommen werden. "Wir dürfen keinen Anbieter benachteiligen", sagt Schönemann. Weil man das Essen länger vorbestellen muss, gehen viele lieber zum Kiosk "Wir müssen jetzt drei bis fünf Tage vorher bestellen", berichten Can, Leon, Himdrin und Serem, Achtklässler an der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Gesamtschule. Vorher konnten sie sich kurzfristig zwischen zwei Alternativen entscheiden, täglich zusätzlich von einer Salat- und Nudelbar auswählen. Das neue Bestellsystem sei sehr umständlich. Deshalb würden sie jetzt nicht mehr in der Mensa zu Mittag essen, sich stattdessen am Kiosk ein Brötchen oder auch Süßigkeiten kaufen. "Das ist ein riesiges Problem, wir sind total unzufrieden", sagt Schulleiter Frank Ziegler. Und damit sei seine Schule nicht allein. Nur 30 von 1.200 Schülern essen mit "Wir wollen, dass unsere Schüler hier auch essen, das ist Grundvoraussetzung für gutes Lernen." Von etwa 1.200 Schülern bestellten aktuell nur etwa 30 das Schulessen. Die Stadt als Träger sei gefordert, kurzfristig nachzubessern. Eine Salatbar würde sich auch Elias Ulrich, Ganztagskoordinator und Lehrer am Helmholtz-Gymnasium, wieder wünschen. Die Portionen seien zudem gefühlt jetzt eher knapp kalkuliert. Sicher auch, weil die Schüler nicht mehr vor Ort wählen können, ob sie mehr von der einen oder anderen Beilage essen möchten. "Wir haben uns an der Ausschreibung nicht mehr beteiligt, weil wir die bisherigen Preise nicht hätten halten können", sagt Sebastian Kamenz aus der Geschäftsleitung der Stattküche. Die Schulküchen der Martin-Niemöller-, Murnau- und Queller Gesamtschulen, in denen das Unternehmen mit Hauptsitz in Münster das Mittagessen auch für die anderen von ihm belieferten Bielefelder Schulen gekocht hat, seien doch "stark in die Jahre gekommen". Zudem sei es immer schwieriger, zuverlässige Mitarbeiter zu bekommen. Mieses Schulessen sorgt für Unzufriedenheit Laut Frederick Suchla (SPD), Mitglied im Schul- und Sportausschuss und selbst Konrektor an der Sekundarschule Gellershagen, habe die Zahl der Schüler, die das Schulessen bestellen, schon seit einiger Zeit deutlich abgenommen. Gründe: Unzufriedenheit mit der Bestellorganisation und der Qualität. Das widerspräche jedoch dem Gedanken, dass Kinder im Ganztag vernünftig versorgt werden sollen. Insgesamt besuchen etwa 10.600 Schüler die städtischen weiterführenden Schulen im Gebundenen Ganztag. Die durchschnittliche Essenszahl pro Tag liegt laut Amt für Schule seit dem Schuljahr 2014/15 bis heute zwischen 1.000 bis 1.400. 900 Mittagessen pro Tag Nach aktuellen Zahlen wurden im ersten Monat täglich etwa 900 Mittagessen zum Preis von je 3,90 Euro vom neuen Caterer ausgegeben. Wie bei jeder Änderung müsse sich das neue System erst einspielen, so Schönemann. In einem Qualitätszirkel tauschten sich die Schulleitungen, Vertreter des Caterers und des Amts für Schule regelmäßig über Themen zur Mittagssituation an den Schulstandorten aus. Ziel sei es, Qualität und Zufriedenheit zu steigern. Auch im Schulausschuss steht das Thema bei der nächsten Sitzung im Januar wieder auf der Tagesordnung.

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