Musik gegen Rechts: Esther Bejarano (93) hat die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Ravensbrück überlebt. Heute steht sie mit der Rapgruppe "Microphone Mafia", hier mit Kutlu Yurtseven (l.) und ihrem Sohn Jorem Bejarano (r.), auf der Bühne. - © Jan Moshage
Musik gegen Rechts: Esther Bejarano (93) hat die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Ravensbrück überlebt. Heute steht sie mit der Rapgruppe "Microphone Mafia", hier mit Kutlu Yurtseven (l.) und ihrem Sohn Jorem Bejarano (r.), auf der Bühne. | © Jan Moshage

Bielefeld Konzentrationslager überlebt: 93-Jährige singt in Bielefeld gegen Rechts

Ravensberger Spinnerei: Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano und die "Microphone Mafia" machen im Historischen Saal Musik gegen Krieg, Hass und Nazis

Bielefeld. Millionen Juden, politische Gefangene, Sinti und Roma, Homosexuelle und ander Gegner und Opfer des NS-Regimes wurden in den Vernichtungslagern der Nazis ermordet. Überlebende berichten von ihren Erlebnissen und beziehen Stellung gegen Neonazis und Holocaust-Leugner. Esther Bejarano, die die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Ravensbrück überlebt hat, tut das auf ihre ganz eigene kreative Weise. Die 93-Jährige steht regelmäßig mit der Rapgruppe "Microphone Mafia" auf der Bühne und macht Musik gegen Hass und Krieg und für Frieden. Geschickt kombinieren die Musiker traditionelle jüdische und hebräische Volkslieder mit modernen Rap-Elementen. Jetzt traten Bejarano und die "Microphone Mafia" im Historischen Saal in der Ravensberger Spinnerei auf, im Rahmen der Ausstellung "Warum schreibst du mir nicht". Die Wanderausstellung ist noch bis Donnerstag, 17. Januar, dort zu sehen und erzählt in Briefen die Geschichten von fünf Menschen, die vom NS-Regime verfolgt wurden. Auf der Bühne zeigte Bejarano, wie viel Kraft in ihr steckt. Die 93-Jährige ist nicht besonders groß und geht leicht gebeugt. Aber wenn sie singt, dann mit sichtbarer Leidenschaft. Sie sang jüdische und hebräische Volkslieder, Lieder gegen Krieg und Hass und für den Frieden und auch "Die Ballade von der Judenhure Marie Sanders" von Bertolt Brecht. Begleitet wurde sie vom rhythmischen Sprechgesang von Kutlu Yurtseven und ihrem Sohn Jorem am Bass. Im Hintergrund liefen eingängige Melodien. Die modernen und traditionellen Elemente stehen bei Bejarano und der "Microphone Mafia" nicht im Gegensatz. Sie ergänzen sich und gehen fließend ineinander über, bilden eine mitreißende Einheit. In Bewegung geriet bei dem Auftritt auch das Publikum im Historischen Saal. Die Kapazitäten des Saales wurden voll ausgeschöpft, viele Besucher mussten stehen, einige begannen, sich im Takt der Melodien zu bewegen. Es gab viel lauten Beifall, sowohl für die Musik, als auch die Statements für Toleranz, Frieden und Menschlichkeit. Für Esther Bejarano steht fest: Sie wird weitermachen "bis es keine Nazis mehr gibt". Doch nicht nur mit Musik macht sich Bejarano gegen Rechts stark. Sie erzählte auch eindringlich von ihren persönlichen Erlebnissen aus der Nazi-Zeit. Zu Beginn las sie aus ihrem Buch "Erinnerungen". Sie berichtete von den unmenschlichen Bedingungen und sinnloser Knochenarbeit in den Konzentrationslagern, den überfüllten Viehwagen, in denen sie und andere Juden tagelang nach Auschwitz gefahren wurden und der Grausamkeit der SS-Leute, die die erschöpften Gefangenen prügelten, folterten und töteten. Der Satz, mit dem sie damals im KZ begrüßt wurden, hat sich ihr bis heute noch ins Gedächtnis eingeprägt: "So, ihr Saujuden. Jetzt werden wir euch mal zeigen, was Arbeit ist." Ihr einziger Lichtblick in dieser Zeit war es, für das Mädchenorchester in Auschwitz spielen zu können. Doch auch dies nur mit einem bitteren Beigeschmack: So mussten sie für hochrangige SS-Offiziere spielen oder für Gefangene, die, ohne es zu wissen, bereits auf dem Weg in die Gaskammern waren.

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