0
Leere: Marion Wöhrmann steht vor ihrem leeren Briefkasten. Seit Monaten stelle die Deutsche Post AG in dem Haus Briefe nur unregelmäßig und mit großer Verspätung zu. Das Unternehmen begründet das unter anderem mit einem fehlenden Schlüssel. - © Andreas Zobe
Leere: Marion Wöhrmann steht vor ihrem leeren Briefkasten. Seit Monaten stelle die Deutsche Post AG in dem Haus Briefe nur unregelmäßig und mit großer Verspätung zu. Das Unternehmen begründet das unter anderem mit einem fehlenden Schlüssel. | © Andreas Zobe

Bielefeld Darum gibt's Probleme bei der Post-Zustellung am Lohmannshof

Deutsche Post: Ein 26-Parteien-Haus erhält Briefe seit Monaten verspätet oder gar nicht. Das Unternehmen räumt Probleme ein - und nennt einen überraschenden Grund

Ingo Kalischek
16.11.2018 | Stand 16.11.2018, 14:10 Uhr

Bielefeld. Marion Wöhrmann hat fast täglich Ärger mit der Deutschen Post. Seit acht Monaten stelle das Unternehmen Briefe unregelmäßig, gar nicht oder mit erheblichen Verzögerungen zu, sagt sie. Tragischer Höhepunkt: Ende Oktober habe das gesamte Haus mit 26 Parteien zehn Tage lang gar keine Post erhalten. Mit der Folge, dass Wöhrmann Fristen und Mahnungen nicht einhalten konnte. Die Deutsche Post zeigt sich überrascht - und hat eine ebenso überraschende Erklärung. Als Wöhrmanns Briefkasten auch nach über einer Woche leer blieb, wurde sie von ihrem Nachbarn angesprochen, der ebenfalls seit Tagen keine Post erhalten habe. Der Mann arbeitet selber als Zusteller, kennt das Unternehmen also gut, hakte nach. Und siehe da: "Am selben Tag kam er mit zwei großen, gelben Kisten nach Hause - bis zum Rand vollgepackt mit Briefen, die dort seit Tagen liegen geblieben sind", sagt Wöhrmann. "Das ist nicht mehr lustig." Die Bielefelderin war vor einigen Jahren selber für die Post tätig. Für die Verzögerungen glaubt sie eine Erklärung zu kennen: "Unser Haus liegt etwas abgelegen. Ich glaube, dass die Zusteller einfach keine Lust haben, bis zu uns zu fahren. Sie legen die Briefe dann vor Feierabend im Lager einfach wieder in die Kiste." Und wenn das mehrere Zusteller so machten, verzögere sich die Briefe-Verteilung somit gleich um mehrere Tage. »Wir haben einen großen Personalnotstand« Schon mehrfach habe sie beobachtet, dass Post-Mitarbeiter die Nachbarhäuser anfahren, vor ihrem Haus aber einfach umdrehen würden, ohne auszusteigen. Eine weitere Zustellerin sagt anonym: "Oft schaffe ich es einfach gar nicht, alle Briefe an einem Tag auszuliefern. Ich nehme einige dann wieder zurück mit ins Unternehmen." Post-Sprecher Rainer Ernzer bestätigt, dass die Post in ihrem Zustellerbereich Stemwede seit geraumer Zeit vor "Herausforderungen" stehe. Darunter fällt auch die Bielefelder Wohngegend Lohmannshof. "Wir haben dort aktuell einen großen Personalnotstand und suchen händeringend weitere Zusteller." Das habe zur Folge, dass die Post dort derzeit mehrere Mitarbeiter, sogenannte "Springer", einsetzen müsse - und nicht wie üblich auf einen Stammzusteller setzen könne. Deshalb könne es auch zu Verzögerungen von ein bis zwei Tagen kommen. Dass ein Haus aber zehn Tage lang gar keine Post erhalte, könnten sich Ernzer und seine Kollegen "eigentlich nicht vorstellen". Marion Wöhrmann machte ihrem Ärger kürzlich Luft, sprach eine Zustellerin direkt auf das Problem an - und war fassungslos: "Die Frau sagte mir, dass sie keinen Schlüssel mehr für unser Haus hat und deshalb nicht an die Briefkästen gelange. Und auf ihr Anklingeln habe niemand im Haus reagiert." Bei 26 Parteien im Haus könne Wöhrmann das kaum glauben. Post-Sprecher Ernzer räumt ein, dass der besagte Haustürschlüssel, den der Vermieter der Post leiht, aktuell nicht zu finden sei. "Wir prüfen natürlich jetzt, wo er sein könnte." Den Schlüssel brauchen die Zusteller, um an die Briefkästen im Hausflur zu gelangen. »Wenn die Briefe nicht ankommen, habe ich echt ein Problem« Marion Wöhrmanns Geduld ist hingegen längst aufgebraucht. Denn für sie hätte das Post-Chaos fast schon böse Folgen gehabt. Im Sommer habe plötzlich ein gelber Brief der Stadt in ihrem Briefkasten gelegen. Darin wurde ihr mitgeteilt, dass ihr Auto in drei Tagen zwangsabgemeldet werde. Wöhrmann: "Ich hatte vergessen, die Rechnung zu zahlen. Aber ich habe definitiv keine Erinnerung und keine Mahnung erhalten. Die kam nie bei mir an." Die verpasste Frist habe sie knapp 30 Euro Mahn-gebühren gekostet. Eine ähnliche Erfahrung habe auch ihre Tochter gemacht: "Auf einem wichtigen Brief war der Poststempel mit dem Datum vom 8. August gedruckt. Aber bei uns angekommen ist er erst am 16. August - ganze acht Tage später." Wöhrmann kämpfe seit Jahren gegen ihren Rentenbescheid. "Da geht es um Fristen. Wenn dann die Briefe bei mir nicht ankommen, habe ich echt ein Problem." Ernzer betont: "Wir können uns für die Unannehmlichkeiten nur entschuldigen. Das ist nicht unsere Absicht." Er fügt an: "Wer Lust hat, für uns als Zusteller zu arbeiten, kann sich gerne bei uns melden. Das ist ein zukunftssicherer Job."

realisiert durch evolver group