Für Busse und Fahrräder: Der Jahnplatz mit Umweltspur - © Barbara Franke
Für Busse und Fahrräder: Der Jahnplatz mit Umweltspur | © Barbara Franke

Bielefeld So wirkt sich der Jahnplatz-Versuch auf den Verkehr aus

Eine Zählung zeigt, dass der Platz selbst zwar entlastet wird, über andere Strecken wie August-Bebel-, Stapenhorststraße und Oberntorwall aber ein Viertel mehr Autos rollen

Joachim Uthmann

Bielefeld. Die Umweltspur entlastet den Jahnplatz - sorgt aber in anderen Straßen für mehr Autos. Das zeigen die ersten Ergebnisse aus den Zählungen, mit denen das Amt für Verkehr den Verkehrsversuch auf dem zentralen Platz begleitet. Weil zudem teils Baustellen Ausweichrouten blockieren, kommt es an Stapenhorst-, Elsa-Brändström-, August-Bebel-Straße und Oberntorwall verstärkt zu Engpässen. Trotzdem bleibt das Fazit von Verkehrsdezernent Gregor Moss (CDU): "Der Versuch wird fortgeführt." Denn er ist zunächst auf ein Jahr angelegt. Erst dann erwartet das Verkehrsdezernat verlässlichere Zahlen. Allerdings laufen die großen Bauprojekte wie die neuen Eisenbahnbrücken Von der Recke- und Schildescher Straße sowie der Hochbahnsteigbau in der August-Bebel-Straße auch 2019. Das macht eine belastbare Bewertung schwer. Das erste Fazit, das das Amt für Verkehr zieht, spricht aber "von überwiegend positiven Effekten" durch die Umweltspur, für die je eine Auto-Fahrspur über den Jahnplatz gestrichen wurde. Außerdem band die Stadt den Niederwall für Kraftfahrzeuge ab und machte den Abschnitt am Pizza-Hut zur Fahrradstraße. Zahl der Autos auf dem Jahnplatz gesunken Auf dem Jahnplatz selbst ist die Zahl der Autos im Vergleich zu 2017 um etwa 25 Prozent gesunken, ebenso auf der stadtauswärts führenden Herforder Straße. Gerade hier waren die zu hohen Stickoxid-Belastungen gemessen worden. Rund 900 Diesel-Busse fahren aber weiter über den Platz. So verwundert es kaum, dass die letzten Stickoxid-Werte für September und Oktober mit 45 und 48 Mikrogramm immer noch deutlich über dem Grenzwert von 40 lagen. Wenn der Trend so bleibt, hieße das aber auch, dass der Luftreinhalteplan, der weiter auf sich warten lässt, härtere Maßnahmen enthalten dürfte. Denn sein Ziel ist es, dass der Grenzwert eingehalten wird, um die Gesundheit der Menschen zu schützen. Spürbar entlastet wird durch den Verkehrsversuch auch der Niederwall - um fast ein Drittel. Vorbei sind dort auch die Schlangen vor allem nachmittags vor dem Jahnplatz. Etwas wirkt sich das offenbar auch auf die Kreuzstraße aus, wo acht Prozent weniger Autos gezählt wurden als 2017. Andere Strecken verzeichnen mehr Verkehr Doch andere Strecken müssen den ausweichenden Verkehr aufnehmen: So fließt mehr über den Obertorwall, was sich an den Kreuzungen Stapenhorst- und Elsa-Brändström-Straße negativ auswirkt. Vor allem im Berufsverkehr stauen sich die Autos teils auch verstärkt auf Stapenhorst- und Elsa-Brändström-Straße. Das Amt für Verkehr betont aber in einer Vorlage für die Bezirksvertretung Mitte, es gebe dort keine Rückstaus. Wie stark der erhoffte Ausweicheffekt des Ostwestfalendamms ist, kann das Amt noch nicht sagen. Denn dort stehen Zählergebnisse aus. Die Daten der Induktionsstreifen in der Fahrbahn zeigten aber keine nennenswerte Zunahme. Bestätigt wird die Befürchtung, dass die August-Bebel-Straße mehr Verkehr verkraften muss - plus 25 Prozent. Wo die Autos bleiben, wenn demnächst wie geplant in Höhe Marktstraße der Hochbahnsteig gebaut wird, muss sich zeigen. Anlieger kleinerer Straßen wie der parallel verlaufenden Turnerstraße vermuten, dass vor ihrer Tür der Verkehr zunimmt. Doch die Stadt hat dazu bisher keine Zahlen. Umweltamt hält Umweltspur für vielversprechend Auf dem Jahnplatz sieht man als Passant selten Radfahrer auf der Umweltspur, die sie sich mit Bussen teilen. Doch das Amt hält sie für erfolgversprechend. Im Schnitt führen 35 Prozent der Radler in Höhe der Jahnplatz-Uhr auf der neuen Spur, an den Zufahrten in Höhe Elsa-Brändström- und Herforder Straße 21 Prozent. Konflikte zwischen Radfahrern und Bussen könnten nicht festgestellt werden. Die neue kurze Fahrradstraße auf dem Niederwall werde nach anfänglichen Konflikten mit querenden Fußgängern mittlerweile sehr gut angenommen. Allerdings würden viele Radfahrer dann nach links auf den Radweg auf der falschen Straßenseite abbiegen. Ein Problem seien weiter Autos, die auf der Umweltspur halten.

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