Am Samstag, 10. November, wird die Bielefelder Innenstadt zur Polizei-Sperrzone. Neonazi-Demo und Gegenprotest machen einen der größten Polizeieinsätze Bielefelds nötig. - © Symbolfoto: Barbara Franke
Am Samstag, 10. November, wird die Bielefelder Innenstadt zur Polizei-Sperrzone. Neonazi-Demo und Gegenprotest machen einen der größten Polizeieinsätze Bielefelds nötig. | © Symbolfoto: Barbara Franke

Bielefeld Nazi-Demo: Bielefelder Innenstadt wird von 12 bis 20 Uhr zur Sperrzone

Wasserwerfer, Reiterstaffel, Hunderte Beamte: Die Polizei bereitet einen der größten Einsätze der letzten 20 Jahre vor

Jens Reichenbach

Bielefeld. Wasserwerfer, Reiterstaffel, Hunderte Beamte: Die Polizei bereitet für Samstag, 10. November, einen der größten Einsätze in der Geschichte Bielefelds vor. Mehr als 1.000 Polizisten sollen die Demonstration der Neonazis vom Hauptbahnhof bis zum Landgericht schützen. Das Bündnis gegen Rechts setzt dem 10 Gegenkundgebungen dagegen. Sorgen bereitet der Polizei die bundesweite Mobilisierung der Antifa. Wie Polizeipräsidentin Katharina Giere und Einsatzleiter Polizeidirektor Andreas Schramm am Dienstag mitteilten, steht der Behörde eine "besondere Herausforderung" bevor. Denn Gründe für eine Demonstrationsverbot lagen weder auf Seiten der Demo der Neonazis noch bei den zehn angemeldeten Kundgebungen des Bündnis gegen Rechts vor, betont Giere. "Für die Polizei als Versammlungsbehörde besteht somit die  Pflicht, die Versammlungen zu schützen", betont die Polizeipräsidentin. Zwei Anmelder der rechtsextremen Splitterpartei "Die Rechte" rechnen mit 500 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet, wie Schramm mitteilte. Gegen 13 Uhr sollen die Rechten am Hauptbahnhof eintreffen und noch im Bahnhofsgebäude nach links in Richtung Nahariyastraße weitergeleitet werden, wo die Demoteilnehmer mit Personenkontrollen zu rechnen haben. Mehr als 1.000 eingesetzte Polizisten sollen die Innenstadt sicher machen Damit wolle die Polizei ein Zusammentreffen der beiden Demonstrationsgruppen vermeiden. Zu den Kundegebungen des Bündnis gegen Rechts werden 4.000 bis 5.000 Teilnehmer erwartet. Die Polizei spricht ihrerseits von einer ausreichenden Zahl an Beamten, die die Trennung in der gesamten Innenstadt sicherstellen soll. Dem Vernehmen nach werden mehr als 1.000 Beamte in Bielefeld erwartet. Mit dabei Bereitschaftspolizei, Reiterstaffel, Verkehrsdienst und im Hauptbahnhof auch mit starken Kräften die Bundespolizei, die die Anreise der Demoteilnehmer in den Zügen schon frühzeitig erfassen soll, um die Gruppen bereits am Bahnsteig in Empfang nehmen und getrennt herausführen zu können. Von der Nahariyastraße geht der angemeldete Aufzug der Neonazis über Herforder Straße, Willy-Brandt-Platz zum Jahnplatz, von dort weiter über den Niederwall am Rathaus vorbei bis zur Kreuzung Niederwall / Detmolder Straße / Kreuzstraße, wo die Hauptkundgebung der Rechten vor dem Alten Landgericht stattfinden wird. Vollsperrung der Stadtbahnstationen Jahnplatz, Rathaus, Landgericht Um die Durchführung der Neonazi-Demo und der vielfältigen Gegenkundgebungen zu gewährleisten, wird der Innenstadt-Bereich zwischen Hauptbahnhof, Mindener Straße, August-Bebel-Straße und Kreuzstraße von 12 bis voraussichtlich 20 Uhr zur Sperrzone. "In dieser Zeit darf kein Auto in die Sperrzone fahren", erklärt Schramm. Auch die Stadtbahnstationen "Jahnplatz", "Rathaus" und "Landgericht" werden über Stunden geschlossen, wenn der Neonazi-Zug den Niederwall erreichen sollte. Diese drei Stationen werden dann von MoBiel nicht mehr angefahren. Zwischen den einzelnen Gegendemos wird es zwar die Möglichkeit geben, zu wechseln, so Schramm, aber das kann je nach Situation auch mit Umwegen und Wartezeiten verbunden sein. Das Gleiche gilt für Besucher der Parkhäuser, die vor 12 Uhr dort hineingefahren sind. Wer während der Demo wieder raus will, muss mit Wartezeiten von ein bis zwei Stunden rechnen. Die Polizei appelliert, die Parkhäuser rund um die Bahnhofstraße grundsätzlich zu meiden am Samstag. Wie sicher ist die Stadt am Samstag? Ähnlich ist der Rat für Bahnreisende: Wer aus dem Hauptbahnhof zur Gegendemo (ab 12 Uhr am Mahnmal der deportierten Juden) möchte, der wird von der Polizei rechts aus dem Bahnhofsgebäude auf den Vorplatz geleitet, wo das Mahnmal steht. "Wir appellieren an alle Bahnreisenden, die nicht zur Demo wollen, den Hauptbahnhof über das Neue Bahnhofsviertel zu betreten", betont Giere. Übrigens: Alle abgestellten Fahrräder vor dem Hauptbahnhof müssen vor Demobeginn von der Polizei entfernt werden. "Wir wollen verhindern, dass Fahrräder als Wurfgeschosse verwendet werden", sagt Schramm. Deshalb hofft die Behörde, dass alle Radler vor 11 Uhr ihre Drahtesel von dort entfernen. Das Fahrrad-Parkhaus ist von dem Abstellverbot nicht betroffen. Angesichts der Ankündigung eines breiten Antifa-Bündnisses, die Demo der Neonazis zu verhindern, rechnet die Polizei mit Störungs- und Blockadeversuchen. Immerhin haben sich Antifa-Gruppen aus Hamburg, Hannover , Göttingen, Münster und Bonn angekündigt. Schramm ist ehrlich: "Ich mache mir keine Sorgen, was den Ablauf der Kundgebungen des Bündnis gegen Rechts angeht. Aber ich mache mir natürlich Sorgen wegen der Antifa." "Nicht erlebnisorientiert dorthin laufen, wo die Post abgeht" Schramm betont: "Meine Kinder werden an der Gegen-Kundgebung am Rathaus teilnehmen. Ich habe Ihnen versprochen, dass es da sicher ist. Genauso wird es am Hauptbahnhof oder am Jahnplatz sein." Ziel des großen Polizeiaufgebots ist und bleibt, die "störungsfreie Durchführung" aller Kundgebungen, betont Giere. Trotzdem appelliert die Polizeipräsidentin: "Wir finden es wichtig, dass sich auch junge Menschen politisch einsetzen wollen. Für so einen Tag benötigt man aber auch Demo-Erfahrung." Wer die nicht habe, sollte sich hüten "erlebnisorientiert die Nase dorthin zu stecken, wo die Post abgeht." Sehr schnell setze man sich dort der Gefahr aus, zwischen die Fronten zu geraten. Die Polizeipräsidentin rät: "Bleiben Sie möglichst bei den angemeldeten Demos."

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