An der Uni Bielefeld findet erstmals eine 24-stündige Mahnwache statt. - © Archivfoto Detlef Wittig
An der Uni Bielefeld findet erstmals eine 24-stündige Mahnwache statt. | © Archivfoto Detlef Wittig

Bielefeld Erster 24-Stunden-Protest gegen die Universität Bielefeld

Mahnwache gegen Tierversuche

Bielefeld. Zum ersten Mal wird es vom 23. auf 24. Oktober einen Protestmarathon gegen Tierversuche an der Universität Bielefeld geben, zu dem ein Bündnis lokaler und überregionaler Tierrechtsgruppen aufruft. "Bei dieser Veranstaltung werden einzelne Aktive stundenlang in einem Käfig ausharren, um darauf aufmerksam zu machen, welchen unvorstellbaren Qualen die Tiere ausgesetzt sind", heißt es in einer Pressemitteilung der Veranstalter. Stundenlang im Käfig gefangen In Deutschland würden jedes Jahr Millionen Tiere in Tierversuchen eingesetzt – Tausende auch an der Uni Bielefeld mit ihrem vor 15 Jahren für die Genforschung errichteten "Maushaus", heißt es weiter. "Mit der geplanten medizinischen Fakultät werden zusätzliche Tierexperimente befürchtet." Gegen die aktuellen und zukünftigen Versuche rege sich demnach Widerstand. Studentische Initiativen wie VENGA und das Studierendenparlament haben in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben wiederholt grundlegende Informationen über die durchgeführten Tierversuche vom Rektorat verlangt. "Vergeblich, denn unser Ersuchen um Transparenz wurde entweder abgelehnt oder es wurden Informationen zugesagt, aber nie bereitgestellt", so Jean-Luc Chastenier, Vorstandsmitglied der Hochschulgruppe. "Experimente an Tieren sind gesellschaftlich und wissenschaftlich höchst umstritten", betont Simon Anhut, der die Veranstaltung für den bundesweit aktiven Tierrechstverein Animal Rights Watch (ARIWA) organisiert. "Hersteller, die ihre Produkte in Tierversuchen testen, sind bei späteren Nebenwirkungen nicht haftbar – die Gefahr für den Menschen bleibt dennoch – es ist nur eine trügerische Sicherheit." "Viele Versuche sollen gar nicht dem Menschen helfen" "Erst im Juli 2018 sind in den Niederlanden 11 menschliche Babys gestorben, weil man eine im Tierversuch erfolgreiche Behandlung mit Viagra bei schwangeren Frauen einsetzte." Viele Versuche hätten aber auch überhaupt nicht das Ziel, Menschen zu helfen. In der Grundlagenforschung, dem größten Gebiet der Tierversuche, solle teilweise nur die Neugier über das Tier als solches gestillt werden – das gelte, soweit bekannt, auch für viele Versuche der biologischen Fakultät der Uni Bielefeld. In einer Stellungnahme der Uni Bielefeld heißt es, dass Tiere in Forschung und Lehre nur dann eingesetzt würden, wo "dies als unverzichtbar" angesehen werde. Versuche mit Tieren dienten nie dem Selbstzweck. Es werde versucht, sie auf ein Minimum zu beschränken. "Aber", so Pressesprecher Ingo Lohuis, "die Funktionsmechanismen von tierischen Organismen lassen sich nur auf der Basis von Experimenten mit Tieren verstehen. Diese Versuche finden an der Universität Bielefeld im Kontext von Grundlagenforschung statt. Die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes werden selbstverständlich beachtet und eingehalten." Alle Vorhaben, heißt es, in denen Experimente mit Tieren, die dem Tierschutzgesetz unterliegen, zum Einsatz kommen, würden im Tierschutzausschuss der Universität intensiv diskutiert. "Dabei wird immer auch nach Möglichkeiten gesucht, auf Methoden ohne Tiere auszuweichen, die Tierzahlen zu reduzieren oder zumindest die Belastung der Tiere durch geeignete Maßnahmen so gering wie möglich zu halten." Für jeden einzelnen geplanten Tierversuch werde anhand von Literaturrecherchen genau geprüft, ob ein solcher Versuch bereits schon einmal durchgeführt wurde und somit überflüssig ist. Jeder Tierversuch müsse vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) genehmigt werden und werde erst nach Genehmigung gestartet. Zu den Unterstützern der Veranstaltung zählen die neu gegründete Gruppe "Bielefeld Animal Save" und die Vereinigung "Ärzte gegen Tierversuche", die sich seit Jahren gegen jegliche Nutzung von Tieren in Experimenten ausspricht. Das Bündnis um ARIWA ruft alle Menschen mit einer kritischen Haltung zu Tierversuchen auf, sich an der Mahnwache zu beteiligen. Zwischen 12 Uhr Mittags am Dienstag, 23. Oktober und 12 Uhr am Mittwoch, 24. Oktober, besteht die Möglichkeit, die Aktiven vor der Universität am „Bildungsgang" zu einer beliebigen Uhrzeit zu unterstützen.

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